Reflexion über einen Weltuntergang

Warum nur redet man so oft und so genussvoll vom Weltuntergang? Und was, um des Himmels Willen, soll man unter einem Weltuntergang verstehen? Noch vor Jahrzehnten traf man auf Propheten, die in religiösem Eifer das grosse Ereignis mit Datum und Folgewirkungen verkündeten. Man muss sich fragen, wo sie geblieben sind – möglich, dass sie vorausgingen, dass ihre krude Welt schon untergegangen ist, nachdem sich ihre Vorhersagen als zu optimistisch erwiesen und ein Plan B nicht vorbereitet war.

Tragisch ist, dass diese Propheten mit einer Wahrheit hausieren gingen. Weltuntergänge sind- je nach Wirkungsbreite – alltäglich bis unwahrscheinlich. Wenn ein Mensch stirbt, geht seine kleine, persönliche Welt unter. Man räumt dann einen Leichnam weg, schliesst die Haustür ab, und mehr passiert nicht. Anders bei einem kosmischen Unfall. Wenn heute abend der Mond auf die Erde kracht, weil irgendetwas da oben die Ordnung gestört hat, dann habe ich heute mittag meinen letzten Teller Erbensuppe gegessen, und mit mir sind 7,2 Milliarden andere Leute auf dem Weg dorthin, wo seine Lieblichkeit, der Tyrannosaurus Rex geblieben ist. Selbst die Kakerlaken haben ausgespielt.

Auf das ganz grosse Szenarium kann man gewiss verzichten. Es ängstigt auch nicht. Das ganz kleine ist dagegen wie gesagt Alltag, und durchaus dazu geeignet, Vorstellungen zu generieren.
Wir alle leben in einem Theater, sind Zuschauer, und erleben Akteure auf der Bühne. Das Stück, das dort gespielt wird, gefällt uns immer weniger. Und so wünschen wir uns einen Untergang dieser Theaterwelt. Die Kulisse soll umstürzen, dabei die Akteure erschlagen, und der grosse Bühnenvorhang soll fallen und so deren Ende symbolisch besiegeln.

Es würde ein Leben im Chaos folgen, aber der Mensch ist dafür nicht geschaffen. Panisch greift er nach Abhilfe und erwischt einen Deus ex machina. Der Bühnenvorhang wird sich heben, und neue Akteure werden alte Dramen und Komödien spielen – Hauptsache, die Zuschauer zahlen, bis ein neuer Untergang unvermeidlich wird.

Und niemand möchte den zyklischen Charakter der Ereignisse zur Kenntnis nehmen. Der Mensch ist bei der Sicht auf die Vergangenheit verwundert, in der Gegenwart hochaufmerksam, und die Zukunft betreffend so gut wie blind, denn er denkt nur bis zu seinem Lebensende (nach mir die Sintflut!). Kein Wunder, dass die Humanisten verzweifeln, weil der Egoismus die Gesundung einer kranken Gemeinschaft unmöglich erscheinen lässt.

  1. Ja, genau! Ich frage mir nur, wie es die Lebewesen auf den Tausenden von Planeten machen, von denen wir keine Ahnung haben. Auf jeden Fall, scheint es auch, dass wir im ganzen System sowieso total unwichtig sind!
    Cari saluti.

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.