Eine Bitte um Hilfe

Es geschieht nicht allzu oft, aber wenn doch, dann ist es schmerzhaft. Ich habe nichts zu tun, nichts im Sinn, keine Mittel zum Leben in greifbarer Nähe – kurz gesagt: Mein Netto ist gleich null und ich im Zustand einer gediegenen Leere. Dies ist jedoch nicht lange aufrecht zu erhalten. Nach einer gefühlten Stunde, wobei meine Uhr, würde ich sie befragen, mir maximal 10 Minuten bestätigen könnte, also nach dieser Phase beginnt mein Hirn zu rebellieren. Die Leere im Kopf füllt sich ohne mein Zutun, und dabei mit immer derselben Frage: Wie ist heute Deine Befindlichkeit? Ich betone: I m m e r !

Es ist einzusehen, dass mir diese Frage mittlerweile zum Hals raushängt. Sie macht mich alle. Ich habe natürlich keine Antwort, da ich nicht einmal weiss, was eine Befindlichkeit ist. Bekannt ist mir nur, wo ich mich befinde, aber nicht wie, was und warum ich befinden sollte.

Ich möchte nicht weiter auf diesem toten Gaul weiterreiten wollen. Es geht um eine völlig andere Geschichte, die mich mit einer Frage zurückgelassen hat. Folgendes.

Wenn ich mich ausreichend mit Unbekanntem erfolglos auseinander gesetzt habe, pflege ich müde zu werden. Ich esse dann eine Kleinigkeit, trinke dazu einen Schoppen Weisswein und gehe zu Bett. Genauer: Ich packe mich hin, so wie ich bin, ziehe eine Wolldecke ran, und schlafe so um 90 bis 120 Minuten. So war das auch neulich.

Ich hatte eine mächtige Portion Zwiebelkuchen und etwas reichlich Riesling intus, als ich mich meiner Schlafmulde zuwandte.

Zum Zudecken benutze ich stets eine Wolldecke der Schweizer Armee. Die ist pott-häßlich, riesig, und warm. So versorgt habe ich meine nachmittäglichen Pflichtstunden weggeschlafen, und ich erwachte pünktlich und auf dem Bauch liegend. Der Routine folgend wischte ich die Krümel aus meinen Wimpern, setzte meine Brille auf und schaute erst auf meine Uhr, dann in meinen Schlafraum. Alles schien wie immer, aber der zweite Blick liess mich erstarren. Zufrieden war ich wohl über die Tatsache, dass mein Stoffwechsel mit dem Zwiebelkuchen sehr gut fertig geworden ist. In der Magen-Gegend herrschte nunmehr tiefer Frieden. Aber meine Wolldecke hatte sich auf den Weg zur Tür gemacht, ca. 6 m des Weges geschafft und war offenbar beim Versuch, eine Zimmerwand hochzukriechen gescheitert. Ich weiss, dass das Teil keine Beine hat. Also wie kommt’s dorthin? Und die andere Auffälligkeit: Meine weissen Stores an den Fenstern haben eine gelbe Farbe angenommen und sehen nun aus, als hätte ein Tabak-Koloquium pfeife-rauchend ein halbes Jahr hier drinnen gehaust. Ich rede von einem lichten Ocker-gelb ohne den Geruch von Tabakrauch! Und schliesslich dieses – im Raum stand ein Hecht von beachtlicher Größe und unbekannter Konsistenz, der allerdings durch rasches Lüften ins Freie entwischte.

Und hier nun die Frage: Ich bin unverletzt und stehe vor einem Rätsel.

Was ist in diesen zwei Stunden während meines Schlafs geschehen?

Wer weiss etwas?

2 Antworten auf “Eine Bitte um Hilfe”

  1. Ich bin begeistert, wie man mit so viel schönen Worten, die nachmittäglichen Blähungen im Schlaf umschreiben kann. Ich ziehe meinen Hut und wedele noch ein wenig die Winde weg.

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