Hommage auf Mutter Bavaria

Mir san mir! So die Bayern. Und dabei ist es ihnen völlig wurscht, ob sie nun in Lederhosen oder im Business-Dress mit scharfer Bügelfalte und Seidenkrawatte daherkommen.

Mir san mir. Das bedeutet, wir sind nicht irgendwer. Wir sind wichtig, hauptsächlich für Bayern und für uns selbst. Beachtet uns. Wir wissen, was wir wollen. Habt uns immer auf der Rechnung!

Ich bin ich! Gleiches Recht für alle, sage ich. Ich bin, also denke ich! Cogito ergo sum? Ja, das auch. Ich bin kein ein altes Schubkarrenrad, das nutzlos im Keller steht. Ich bin nicht irgendwer. Zwar besitze ich weder Lederhose noch Business-Dress, aber mehrere Jogginghosen und zwei Krawatten. Zwei! Und eine ist schwarz! Ich bin wichtig – für mich. Und ich weiss, was ich will. Meine Ruh‘ zum Beispiel. Oder eine Leberkäs-Semmel mit einer Halben Lagerbier.

Ich bin nämlich als Bayer geboren. Aber anders bajuwarisch aufgewachsen. So, als wäre ich als Kartoffel geboren und zur Schweinshaxe gereift. Deshalb agiere ich nicht typisch bayrisch. Zum Beispiel gilt für mich:

Kirche von aussen – Berge von unten – Wirtshaus von innen!

Immerhin haben meine Landsleute eines von drei Prinzipien mit mir gemeinsam. Das verbindet.

Allerdings muss man neuerdings in Bayern bittere Pillen schlucken. Gute Bayern wie ich leben im Exil, also weit, weit weg von München, und das Bayernland ist mittlerweile völlig durchseucht mit Deutschen. Und das wirtschaftlich starke Hamburg brüllt immer lauter:

Weg mit den Alpen! Wir fordern freie Sicht auf das Mittelmeer!

Da stockt mir doch der Atem, und ich kriege meine Semmelknödel nur noch zerkleinert runtergeschluckt! Aber sorge Dich nicht, Du Land der Bayern.

Bavaria, Du bist so schön!
Wirst Du im Chiemsee untergehn?
Nimmt so das Schicksal seinen Lauf,
dann mache ich den Deckel drauf.

Ich bin immer für Dich da, Du „liebliche“ Bavaria!

Ein System begeht Selbstmord

Folgendes ist angesagt:

  • Automatisierung der Arbeit durch künstliche Intelligenz betrifft nach Expertenmeinung mehr als 50% der Arbeitsplätze.
  • Bei 42 Mio. Beschäftigten in der BRD werden demnach sukzessive 21 Mio. erwerbslos.
  • Der Staat verzeichnet gravierenden Verlust an Steuereinnahmen.
  • In anderen Staaten ist die Entwicklung ähnlich verlaufen.
  • Nur Staaten mit Rohstoff-Vorkommen bleiben von der Verarmung verschont.
  • Die Sozialkassen leeren sich binnen weniger Monate.
  • Die arbeitende Hälfte muss extrem erhöhte Lasten tragen, was ihr Einkommen mindert.
  • Die Automaten produzieren tapfer Güter aller Art, von der Joghurt bis zum E-Auto, schnell und zuverlässig.

Kurz: Automaten produzieren, Märkte fehlen oder sind schwach, weil die Einkommen fehlen oder stark reduziert wurden, die Bevölkerung aber wächst weiter.

Frage: Wem nützt es, zu automatisieren?

Anmerkung:
Das hier skizzierte Bild ist stark vereinfacht. Auswirkungen wie Kriege um Ressourcen, Inflationen, Revolten und andere Risiken kann jeder nach Lust und Laune dazu konstruieren.

Und hütet Euch vor dem universitären Geschwätz von KI-Experten und ihrem Anhang, die alles schön reden und endlose Mengen neuartiger Jobs ankündigen. Ich habe 35 Jahre Praxis auf dem Buckel und weiss, was geschieht. Neue Jobs habe ich nicht geschaffen.
Es wird vermutlich nicht so drastisch kommen, wie ich es oben skizziert habe. Es könnte zwar, aber es wird nicht. Der Grund ist die mehr als schlichte Denk ….. vergiss es!

Gut geurteilt ist halb gerichtet

Es begab sich zu der Zeit, als man das Jahr 2020 schrieb, dass ein Mann um die Ecke kam, sich vor einer Kirche aufbaute und ein Buch in die Sonne hielt, als wäre es ein Fladenbrot. Seht her, so seine Botschaft, ich bin der Auserwählte, die Sonne meines Landes, der Vater meiner Nation und der Beschützer allen Wohlstandes, und ich sitze auf dem Stuhl des Mose und bin Gott nahe, wie noch kein anderer nahe gewesen ist!

Die Welt lachte, und die Priester verfluchten jenen Tag, an dem dieser Pharisäer geboren wurde. Und ihr Fluch reiste in die Vergangenheit bis in den Weinkeller seines Stammvaters am anderen Ende der Welt, wo seine Sippe gezeugt wurde.

Es bleibt ausgerechnet einem Atheisten überlassen, das Buch der Bücher zur Hand zu nehmen und mit Versen aus dem Buch Matthäus über diesen Pharisäer Donaldus zu richten:

DAS EVANGELIUM NACH MATTHÄUS (MT 23,1-12)

Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer

231 Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern 2 und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. 3 Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. 4 Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür rühren.
5 Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß. 6 Sie sitzen gern obenan beim Gastmahl und in den Synagogen 7 und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden. 8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. 9 Und ihr sollt niemand euren Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel. 10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. 11 Der Größte unter euch soll euer Diener sein. 12 Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

So steht es geschrieben in der Bibel, die er schmäht und nicht von einem türkischen Fladenbrot unterscheiden will. Aber Gott ist gnädig und verzeiht den Sündern. Möge er diesen bald zu sich rufen, damit seine anderen Kinder aufatmen können.

Anmerkung:
Die Bibel wurde nach der Stadt Byblos benannt. Diese phönizische Siedlung war im 1. Jahrtausend vor Chr. der bedeutendste Handelsplatz für Papyrus. Byblos liegt etwas nördlich von Beirut im Libanon.

Ein schiefer Blick in die Vergangenheit

„Was für ein Glück für die Regierenden, daß die Menschen nicht denken! Denken gibt es nur in der Erteilung oder im Vollzug eines Befehls, wäre es anders, so könnte die menschliche Gesellschaft nicht bestehen.“ (Adolf Hitler)

Ich hatte wirklich ein Problem mit dieser Äusserung unseres geliebten Reichskanzlers. Aber längeres Nachdenken ergab:

Wer willens und in der Lage ist, in Zeitaltern zu denken, wird erkennen, dass Hitler richtig urteilt. Die Morphologie der Gesellschaft in seiner Zeit wie auch die unsere lässt keine andere Deutung zu. Die Demokratie ist nicht brauchbar. Das Ding kracht uns unter dem Hintern zusammen. Oswald Spengler bestätigte, und ich glaube.

Heinrich Himmler, unser Reichsführer der SS ergänzte, eine kapitalistische Gesellschaft sei nicht akzeptabel, und die soziale das Ideal. Er hatte sozial sogar korrekt definiert!

Sie waren auf einem guten Weg. Und dann lassen sich diese Arschgeigen von Typen wie Churchill und Roosevelt dazu verführen, einen Krieg gegen Stalin anzuzetteln.

So zeigten sie, was sie waren: Kleine Lichter, die mit fremder Hilfe aufstiegen wie Raketen aus einem Feuerwerk, kurz prachtvoll am Himmel leuchteten, und schnell verlöscht zu Boden sanken.

Nein, das ist nicht tragisch. Diese Honks haben nicht Besseres verdient.

Treffer mittschiffs!

Wer derb beschimpft wird,
darf mit sich zufrieden sein.
Immerhin hat er es geschafft,
einen Dummkopf zu wecken
und hart zu treffen.

Die Aufsteiger

Manche Ideen sind wie Ballons.
Bunt und imposant steigen sie auf,
gewinnen beeindruckende Höhe –
schaut man in die Hülle, so findet man nur heisse Luft.

Eine wahre Orgie

Ich bin wieder einmal in Siena. Im Geiste natürlich. Diese Stadt mag ich sehr. Sie ist einzigartig, wie Venedig. Ich gehe über die Piazza del Campo hinab zum Torre. Dort, um die Ecke gibt es ein kleines Restaurant. Der Zufall wollte es so, dass ich mit Familie, das sind in Summe vier Häupter, den kleinen Laden gefunden hatte, der – wenn ich mich recht erinnere – nur mit 6 kleinen Tischen ausgestattet ist und somit weniger als 20 Gäste bewirten kann. Tatsächlich war einer der runden Tische frei, statt drei sassen nun vier hungrige Leute dort, und mit den Getränken, das waren Wein und Wasser war der Tisch nahezu vollgepackt. Dem Cameriere war das offensichtlich gleichgültig, aber zur Vorsicht hatte er einen kleinen Beistelltisch besorgt.
„Ich esse heute mal ein Steak! Wer noch?“ Aha. Alle. Unsere Bestellung ging an die Küche, eine winzige Ecke des Gastraums. Dort war ein Mann mit Nudelteig beschäftigt. Ich dachte noch einen Moment darüber nach, wie die Leute hier zurecht kommen können, wo sogar der Platz zum Umdrehen fehlte. Aber sie kamen. Und es kamen hausgemachte Tagliatelle mit drei Sorten Füllung als Primo Piatto – unglaublich lecker. Und ich hätte nach diesem ersten Gang gehen sollen, denn ich fühlte mich richtig gut. Aber es waren Steaks geordert …..

Zwischendurch kam der Koch an unserem Tisch vorbei und hatte einen ca. meterlangen Kotelettstrang auf seine Schulter geladen. In diesem Moment schrillte in mir eine Alarmglocke. Das geht nicht gut aus, dachte ich, und guckte meine Familie an. Wenn der jetzt ….. und er hatte. 4 T-Bone-Steaks lagen auf dem Grill. Wenig später schaufelte der Koch Beilagen auf vier Teller, füllte bunten Salat in vier Schüsseln und legte mit Andacht 4 Steaks auf die Teller, die zusammen gewogen mindestens 2,4 kg wogen. In Windeseile stellte man alle Getränke auf den Beistelltisch, und vier Riesenteller vor uns hin. Ich schaute anscheinend wie ein krankes Pferd. Am Nachbartisch sass ein Südtiroler. Der schien auch irritiert und murmelte ganz für sich Himmel! Das sind Deutsche!

Jetzt versuchte ich mich mit Motivation und stellte fest, wir hätten nun gelernt, was Bistecca fiorentina seien. Nun wünschte der Cameriere einen Guten Appetit, und das war nötig, denn was die Tischplatte präsentierte, war eher abschreckend. Aber wie er von nebenan richtig bemerkte: Wir sind Deutsche. Wir haben zwei Kriege verloren, aber diesen hier werden wir gewinnen! Und wir haben ihn gewonnen. Leider hängt unser Foto nicht neben dem von Pavarotti – das hätte den Abend auf wunderbare Weise abgerundet. Vielleicht war es sogar richtig, anstelle einer zweifelhaften Ehre einen doppelten Grappa hinter das Bistecca zu giessen. So haben wir immerhin den kurzen Weg zu einer Eisdiele geschafft, in der ein Weltmeister seine Gelati zusammenkomponiert. Ich kaufte mir ein nahezu schwarzes Schoko-Eis, setzte mich auf den Rand eines Travertin-Brunnens und versuchte, diese Köstlichkeit zu geniessen. Es blieb beim Versuch. Das Eis hat mich niedergestreckt.

Erst im Auto kriegte ich wieder Boden unter die Füsse. So habe ich gelernt, dass mein Körper auch streiken kann, wenn ich ihn malträtiere. Und ich erinnerte mich an einen Spruch meiner Mutter: Intelligenz säuft, und Dummheit frisst. Is ja gut, Mama, Du hattest recht!

Orgiastisches

Mein Sohn und ich in Berlin. Es war angesagt, im Europa-Center beim Japaner zu essen. Eine halbe Stunde nach dieser Ansage sassen wir dort am Tresen und studierten kurz die Menu-Karte – ohne jeden Erkenntnisgewinn. So kam es zu einem „Blind date“ mit der japanischen Küche, und wir fanden das recht amüsant. Einer der Köche stellte zunächst jedem ein kleines weisses Schälchen mit irgendeiner Brühe hin. Aha, der erste Gang! Bisschen mickerig, aber egal, es kommt ja noch mehr. Also schnappten wir uns die Schälchen und tranken sie aus. Schmeckt scheusslich, diese Sojasosse ohne alles. Der Servicemann goss nach mit der Bemerkung: Nicht trinken. Sojasoss! Es grenzte an ein Wunder, dass wir bei unseren Lachkrämpfen nicht vom Hocker gefallen sind.

Wenig später habe ich begriffen, dass mich das Schicksal bestraft hatte. Jahre zuvor habe ich mich über einen mir bekannten Elektromeister lustig gemacht. Wir sassen in Stuttgart beim Göggeles-Meier, wo es nur Gockel, also Grillhähnchen gab. Nach dem Essen kam eine Schale mit Wasser und einer Zitronenscheibe an den Platz, und unser Meister hat sie in einem Zug leergetrunken. Sie war natürlich zum Fingerwaschen gedacht, und die Warnung an unseren Mitreisenden kam einen Moment zu spät. Wir hatten unseren Spass, und der Übeltäter nahm unseren Spott wie ein Mann.

Jahre später war ich wie oben geschildert dran mit der Rolle des Deppen. Ich möchte heute noch wissen, was sich der kleine Japaner mit dem grossen Messer gedacht hat, als er uns zuschaute. Was ich gedacht habe? „Sowas passiert, wenn ein Bauer in die Stadt kommt!“

Nichts dazugelernt

Je leerer ein Kopf ist,
desto mehr Platz bietet er
für nationalistisches Gedankengut.

Lieb Vaterland

Das Niederwalddenkmal über Rüdesheim, die „Germania“

„Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein!“

So sang man aus vollem Herzen Ende des 19. Jahrhunderts in nationalistischen Zirkeln der Deutschen. 50 Jahre später hatte man den Ersten Weltkrieg verloren, und neue Lieder machten die Runde. Eines hat sich bis in meine Kindheit gehalten; ich war so um die 16 Jahre alt, man zählte also vielleicht das Jahr 1956, als ich auf der „Rex Rhenus“, einem kleinen Ausflugsdampfer auf dem Rhein mitfuhr, und die angetrunkenen Erwachsenen singen hörte:

„Warum ist es am Rhein so schön? Warum ist es am Rhein so schön?
Weil der Franzmann, der Drecksack das Rheinland besetzt hat!
Darum ist es am Rhein so schön, am Rhein sooo schön!“

Die Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen endete bereits 1930. Aber 25 Jahre später gab es noch immer ein wenig Glut im Gemüt der Deutschen, die für verbale Ausfälle der hier zitierten Art reichte.

Wer das dazu gehörende Positivum sucht: Hier ist es. Ich habe gelernt, wie gross die Distanz zwischen Nationalismus und Hass auf Nachbarländer sein kann. Sie beträgt nur einen Schritt.
Das Übel agiert wie ein Virus, das weltweit unterwegs ist.

If

Rudyard Kipling ( 1865 bis 1936 )

Er schrieb nicht nur das „Dschungelbuch“, sondern auch eine Botschaft an seine Landsleute, die Briten des 21. Jahrhunderts.

If you can keep your head when all about you
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;

Wenn du deinen klaren Kopf behältst, während alle anderen um dich herum
ihn verlieren und dir dies zum Vorwurf machen,
Wenn du auf dich vertraust, während alle anderen an dir zweifeln,
du ihren Zweifeln aber auch Raum gibst;

If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don’t deal in lies,
Or being hated, don’t give way to hating,
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

Wenn du abwarten kannst, ohne dabei zu ermüden
Oder wenn du belogen wirst, ohne selbst mit Lügen vorzugehen,
Oder wenn du gehasst wirst, dem Hass aber keinen Raum bietest,
und dich dennoch weder überlegen zeigst, noch zu weise (überheblich) sprichst.

If you can dream – and not make dreams your master;
If you can think – and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;

Wenn du träumen kannst – und deine Träume nicht zu deinem Meister machst;
Wenn du denken kannst – und deine Gedanken nicht zum Selbstzweck erhebst;
wenn du Triumph und Niederlage begegnen kannst,
Und diese beiden Blender ganz einfach gleichbehandelst;

If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build ‚em up with worn-out tools:

Wenn du es ertragen kannst, die Wahrheit, die du ausgesprochen hast,
von Schurken verdreht zu vernehmen, um Dummköpfe in die Irre zu führen,
Oder zusiehst wie die Dinge, denen du dein Leben gewidmet hast, in Scherben liegen,
und du niederkniest, und sie mit verschlissenen Werkzeug wiederaufbaust:

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;

.
Wenn du in der Lage bist, all dein Erreichtes auf einen Haufen zu werfen
und dessen Verlust mit einem Münzwurf riskierst,
und verlierst, und beginnst noch einmal ganz von vorne
und niemals auch nur ein Wort über deinen Verlust verlierst;

If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: ‚Hold on!‘

Wenn du dein Herz und Willen (Nerven) und Kraft (Sehnen) zwingen kannst,
deinem Vorhaben zu dienen lange Zeit nachdem sie bereits geschwunden sind,
Und festhältst, auch wenn nichts mehr in dir ist
außer dem Willen, der ihnen sagt: „Halte durch!“

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with Kings – nor lose the common touch,
if neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;

Wenn du mit dem gemeinen Volk reden kannst und deine Tugend behältst,
Oder mit Königen wandelst – ohne die Bodenhaftung zu verlieren,
Wenn alle mit dir rechnen, aber keiner zu sehr;

If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds‘ worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that’s in it,
And – which is more – you’ll be a Man, my son!

Wenn du die unversöhnliche Minute anfüllen kannst
mit sechzig Sekunden eines Langstreckenlaufes wert,
Dann ist die Welt und alles was darin ist dein,
Und – was noch mehr ist – dann bist du ein Mensch, mein Sohn!

Der Brite Rudyard Kipling schrieb sich seinen Widerwillen gegen die britischen Kolonialherren von der Seele, indem er mit seinem Gedicht „If“ einen Gegenentwurf zeichnete. Die Briten haben sich – ihr versnobtes Selbstbild betreffend – in den vergangenen 120 Jahren kaum verändert. So sind Kiplings Verse auch heute noch hochaktuell.

Herzlichen Dank an Weiss-Nix für das Gedicht und die Übersetzung!

Nabelschau

Kein Zweifel, da ist ein Lächeln in meinem Gesicht. Ich spüre es wie einen sachten, warmen Wind an einem kühlen Tag. Nichts sagt mir, womit ich dies verdient habe. Vielleicht sind Gründe für Wohlbefinden nicht erforderlich. Es kann auch sein, dass ich mich heute besonders mag.

Gefangen

Ich blicke auf meine Uhr.
Ein Zeiger läuft – Runde um Runde
und zeigt mir, wer ich bin:
Ein Mensch der Moderne –
gefangen in der Zeit.

Ich habe keine Wahl,
folge Trend um Trend
in eine unbekannte Zukunft
und ersehne die gute alte Zeit –
gefangen in der Vergangenheit.

Ein leeres Haus,
sinnlose Gedanken.
Nichts hilft mir aus dem Vakuum
in meinem tristen Leben –
gefangen in der Einsamkeit.

Unversehens geschieht
was nicht zu erwarten war.
Sie kam, und sah, und siegte.
Ein Zauber liegt über mir –
gefangen in der Liebe.

Besonderer Blick in den Spiegel

Der Mensch mit seinen Persönlichkeitsmerkmalen ist für ihn selbst ein ewiges Rätsel. Verstand, Vernunft und Emotionen haben dabei einen besonderen Stellenwert. Ich hatte dazu ein völlig falsches Bild und wurde heute eines Besseren belehrt. Unglaublich, dass ein Irrtum 80 Jahre alt werden kann!

Ich versuche, in aller Kürze ein, zugegeben schlichtes, Menschenbild zu zeichnen. Aufgepasst:

Wenn ein Mensch geboren wird, befindet er sich im Stadium eines Tiers.
Ein neugeborenes Tier, etwa ein Welpe ist in gleichartigem Zustand.
Beide wachsen heran und lernen.
Der Hund ist irgendwann ausgereift und hat alle Fähiglkeiten, die ein Hund benötigt.
Aber der Mensch entwickelt sich weiter als der Hund. Dies ist genetisch so angelegt.
Beide, Hund und Mensch werden durch ihre Emotionalität gelenkt.
Beide werden jedoch durch weitere Fähigkeiten sozialisiert. Es sind Verstand und Vernunft.
Unterschiedliche Bedingungen im Rudel erfordern unterschiedliche Verhaltensformen.
Verstand und Vernunft, Tiere betreffend in Sonderformen, kontrollieren die Emotionen.
Beim Ausrasten versagt die Kraft des Intellekts.
Dieses Versagen kann pathologische Züge annehmen.
Ein Hund wird unter Umständen erschossen.
Ein Mensch nicht. Er bekommt eine Therapie verordnet.

Oder er wird Politiker, etwa Präsident der USA.

Kalamitäten

Es ist wie der Fluch einer bösen Tat. Dabei war die Tat weniger böse, eher rechthaberisch, wie man es erlebt, wenn eine nahe stehende Person sagt, das sei nun beschlossen, das wird gemacht, und ein Diskurs sei ganz und gar überflüssig.Wie bitte? Ach so. Schon gut. Ich lege nun mein Ei.

Also, man hat mir eine neue Matratze untergeschoben. Meine alte, die mit der kuscheligen Kuhle in der Mitte wartet nun auf die Müllabfuhr. Ist das ein Hammer? Ich weiss nichts über dieses Untier. Taschenfederkern? Wolle vom Moschus? Atmungsaktiv? Nässeschutz? Nichts weiss ich, ausser a. ich soll drauf schlafen, und b. sie ist hart wie Beton. Ich habe nun die erste Nacht mit dem Beton-Feeling hinter mir. Das Kreuz schmerzt, aber anders als gestern, und die Seele klagt leise, weil man als alter Mensch nichts mehr zu bestimmen hat. Offenbar wird selbst der Schlaf kontrolliert und reglementiert. Eigentlich kann ich dies nur im Suff ertragen. Leider habe ich weder Cognac noch einen Single Malt im Haus.

Gewiss bin ich so dumm wie Brot. Ich liebe einen doppelten Cognac vor dem Zubettgehen, als Nightcap. Und was habe ich, was tue ich? Nix. Anderes Thema.

Gestern kam meine Tochter in mein Büro, um mir mitzuteilen, dass sie eine Handvoll Weintrauben vermisst. Sie habe sie aus der Obstschale gegriffen und irgenwo abgelegt, könne sie aber nicht wieder finden. Ich habe lange nachgedacht und auf Erleuchtung gewartet. Vergebens. Also empfahl ich, sie möge einen Blick in den Eimer für Küchenabfälle werfen.
Dort fand sie dann auch den leer gegessenen Strunk. Was sie nicht fand, war eine Erinnerung daran, dass sie die Trauben gegessen hat. Interessant, nicht wahr? Das ist wie mit meinem Auto. Wenn ich den Tank mit Super fülle, zeigt die Karre auch keinerlei Emotionen.

Nun bin ich sehr auf meinen Vorteil bedacht. Deshalb frage ich mich, wie man dieses indifferente Verhalten beim Essen kultivieren könnte; so liesse sich viel Geld sparen: Mit Pellkartoffeln ohne alles, davon 3 Mahlzeiten pro Tag, und 365 Tage lang pro Jahr, usw.

Stop, Alter! Solche Träume plagen Dich, wenn Du auf einer Beton-Matratze schlafen musst. Normal ist das nicht!

Die Rechnung, bitte!

Finger tanzen schnell.
Der Abakus zählt das Geld.
Man spricht sehr leise.

Heute nicht!

Ist dies meine Welt?
Heute bin ich nicht im Spiel.
Steine bleiben stumm.

Draussen

Es will Baum werden,
das kleine grüne Pflänzchen.
Die Maus trinkt Regen.

Demos krátos – 2 –

In meinem ersten Beitrag dieses Titels bin ich irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Soeben ist mir eingefallen, wohin ich eigentlich wollte. Ich nehme also einen Anlauf und versuche es noch einmal.

Demos krátos ist, wie wir alle wissen, griechischen Ursprungs. Der Begriff stammt aus der Zeit vor Christi Geburt. Jahrhunderte lang hatte man in den Dörfern die Freien zusammengerufen, um Entscheidungen für die Dorfgemeinschaft zu diskutieren und zu treffen. Diese Prozedur, praktiziert in kleinen Verwaltungseinheiten verdient zu Recht das Prädikat „Demokratie“.
Beispiel: Ein Dorf hat 100 Bewohner, 30 davon waren Freie , 70 Frauen und Sklaven hatten nichts zu melden. Dann gab es ein Problem, 20 der Freien machten mit und beschlossen gemeinsam mit einfacher Mehrheit von 11 Stimmen eine Lösung. So könnte es gewesen sein. So geht Demokratie.

Nun schauen wir in die Neuzeit, also in die Gegenwart. Die Methode der antiken Griechen soll nun in einem Volk, das 330 Millionen zählt, praktiziert werden? Geht nicht gibt es. Und jeder weiss es. Zu Recht wird die Idee der Demokratie beiseite geschoben, man sucht und findet ein Surrogat, das zum Schein demokratisch funktioniert. Dann werden mit gekonnter Rhetorik Lorbeerkränze um den Krüppel gewunden, und das Ganze als Demokratie dem Volk verkauft, wohl wissend, dass man sich auf Dummheit und Bildungslücken verlassen kann.

Zyniker sagen, von allen Staatsformen sei die „Demokratie“ noch die beste. Deppen denken diese Aussage nicht bis zum Ende: Das heisst noch lange nicht, dass sie gut ist!

Vorsicht! Quatsch!

In meiner Kindheit hat man mir gesagt, ich solle kein Wasser trinken, wenn ich Kirschen gegessen habe. Sonst bekäme ich Bauchweh!

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich diesen Rat immer noch zur Hand. Die letzten 75 Jahre haben ihn nicht ausgelöscht. Was ich nicht zur Hand habe, ist eine Erklärung zum Malheur an sich. Was geht ab, wenn Wasser auf Kirschen trifft? Oder ist das Ganze eine Falschmeldung?

Und nun aktuell: Ich habe soeben eine beachtliche Menge Aprikosen ( deutsch: Marillen ) gegessen und möchte nun eine Menge Mineralwasser hinterher schütten; man könnte auch sagen, es wäre dann eine Unmenge – ich kann auch damit leben. Nun zur 3. Komponente. Angenommen, ich bewirte wie 75% aller Menschen eine Hefe, die als Candida albicans Furore gemacht hat. Was ich dann in meinem Innern herumtrage, würde ich als Maische bezeichnen. Das ist die Mumpe, die man zum Alkoholbrennen braucht.

Und nun mal zu Ende gedacht! Was, wenn die Körperwärme ausreicht, einen Gärprozess in Gang zu bringen? Produziere ich dann einen Barack Palinka, also einen Marillenschnaps? Bewirken Heizkissen auf dem Bauch ein Turbo-Brennen, oder ein Sodbrennen? Und wie kriege ich den Sprit auf Flaschen gezogen, da er ein Jahr liegen muss für die Veresterung?
Und vor allem anderen: Tut das weh?

Wer weiss Rat?

ps: Mein Destillierkolben ist zerbrochen. Der normale Weg zum Samagon (russisch) ist mir nun versperrt! Ich müsste Braga (russisch) trinken, das ist Maischebrühe, die bereits alkoholisiert ist, weil die Hefe den Zucker am Umbauen ist. Hicks!