Ein altes Haus

Wieder und wieder schaue ich mir dieses Bild an. Der Grund? Ich weiss es nicht. Ich sehe eine Ruine, zerstörtes Menschenwerk in einem Tal, das sich mit einer Drohung zu füllen scheint, wo sich Nebel und Geister verbünden, um mich zu warnen: Bleibe, wo Du bist! Dieser Ort hier ist längst unser Revier, und wir wünschen Deine Gesellschaft nicht. Heute nicht, und nicht hier!

So könnte es sein. Aber ich glaube nicht an eine Geisterwelt, und Nebel beeindruckt mich wenig, es sei denn, er kommt in einer solch imposanten Form, dass ich meine Schuhspitzen nicht mehr erkennen kann. Ein solches, wahrhaft seltenes Erlebnis fasziniert mich, und ich erwarte dann tatsächlich eine Überraschung, irgendeine aussergewöhnliche Begegnung, aber keinesfalls ein Rendezvous mit einem Geistwesen. Ich wäre mit einem Tier zufrieden, sagen wir, mit einer Kuh, die plötzlich vor mir auftaucht und mich verwundert anstarrt, so wie ich zurückstarre, bis wir beide zu der Erkenntnis kommen, dass eine freundschaftliche Geste die ungeklärte Lage in ein gutes Licht rückt, und wir uns mit Nase an Nase reiben begrüssen und gleichzeitig verabschieden. Ja, das wäre so ganz in meinem Sinne.

Ich schaue wieder auf mein Bild, bin zurück in der Wirklichkeit. Denke so: Was für eine friedliche Welt! Und die Natur macht ihren Job. Sie tut, was ihr aufgetragen ist. Sie zerstört nicht, sondern sie gestaltet. Sie gestaltet um, was der Mensch hinterlassen hat. Sie arbeitet mit Augenmass und achtet dabei auf Harmonie. Sie übernimmt ein zerstörtes Haus und integriert es in eine ihrer Kompositionen auf eine ästhetische Weise und beseitigt die Traurigkeit des Ortes.

Und das Bild vermittelt eine Botschaft der Natur an den Menschen: Bleibe, wo Du bist! Dieser Ort hier ist mein Revier, und ich wünsche Deine Gesellchaft nicht. Heute nicht, und nicht hier!