Orgiastisches

Mein Sohn und ich in Berlin. Es war angesagt, im Europa-Center beim Japaner zu essen. Eine halbe Stunde nach dieser Ansage sassen wir dort am Tresen und studierten kurz die Menu-Karte – ohne jeden Erkenntnisgewinn. So kam es zu einem „Blind date“ mit der japanischen Küche, und wir fanden das recht amüsant. Einer der Köche stellte zunächst jedem ein kleines weisses Schälchen mit irgendeiner Brühe hin. Aha, der erste Gang! Bisschen mickerig, aber egal, es kommt ja noch mehr. Also schnappten wir uns die Schälchen und tranken sie aus. Schmeckt scheusslich, diese Sojasosse ohne alles. Der Servicemann goss nach mit der Bemerkung: Nicht trinken. Sojasoss! Es grenzte an ein Wunder, dass wir bei unseren Lachkrämpfen nicht vom Hocker gefallen sind.

Wenig später habe ich begriffen, dass mich das Schicksal bestraft hatte. Jahre zuvor habe ich mich über einen mir bekannten Elektromeister lustig gemacht. Wir sassen in Stuttgart beim Göggeles-Meier, wo es nur Gockel, also Grillhähnchen gab. Nach dem Essen kam eine Schale mit Wasser und einer Zitronenscheibe an den Platz, und unser Meister hat sie in einem Zug leergetrunken. Sie war natürlich zum Fingerwaschen gedacht, und die Warnung an unseren Mitreisenden kam einen Moment zu spät. Wir hatten unseren Spass, und der Übeltäter nahm unseren Spott wie ein Mann.

Jahre später war ich wie oben geschildert dran mit der Rolle des Deppen. Ich möchte heute noch wissen, was sich der kleine Japaner mit dem grossen Messer gedacht hat, als er uns zuschaute. Was ich gedacht habe? „Sowas passiert, wenn ein Bauer in die Stadt kommt!“