Lieb Vaterland

Das Niederwalddenkmal über Rüdesheim, die „Germania“

„Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein!“

So sang man aus vollem Herzen Ende des 19. Jahrhunderts in nationalistischen Zirkeln der Deutschen. 50 Jahre später hatte man den Ersten Weltkrieg verloren, und neue Lieder machten die Runde. Eines hat sich bis in meine Kindheit gehalten; ich war so um die 16 Jahre alt, man zählte also vielleicht das Jahr 1956, als ich auf der „Rex Rhenus“, einem kleinen Ausflugsdampfer auf dem Rhein mitfuhr, und die angetrunkenen Erwachsenen singen hörte:

„Warum ist es am Rhein so schön? Warum ist es am Rhein so schön?
Weil der Franzmann, der Drecksack das Rheinland besetzt hat!
Darum ist es am Rhein so schön, am Rhein sooo schön!“

Die Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen endete bereits 1930. Aber 25 jahre später gab es noch immer ein wenig Glut im Gemüt der Deutschen, die für verbale Ausfälle der hier zitierten Art reichte.

Wer das dazu gehörende Positivum sucht: Hier ist es. Ich habe gelernt, wie gross die Distanz zwischen Nationalismus und Hass auf Nachbarländer sein kann. Sie beträgt nur einen Schritt.
Das Übel agiert wie ein Virus, das weltweit unterwegs ist.