Schatten über der Neuen Welt

Die halbe Welt erregt sich über einen psychisch kranken US-Präsidenten. Zu Recht. Man versteht jene US-Bürger nicht, die zu Trump loyal stehen, obschon er sich unentwegt Entgleisungen leistet.

Man sagt, dieser Mann sollte umgehend in eine Therapie geschickt werden. Das wäre gut für ihn, und für die USA. Diese Auffassung ist vermutlich falsch. Wenn ein Mensch narzisstisch ist, unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung leidet und alle Anzeichen einer Schizophrenie zeigt, so ist er wahrscheinlich nicht therapierbar, aber er wäre immerhin dort, wo er hingehört, und für mehrere Jahre aus dem Verkehr gezogen.

Nun gibt es Menschen, die an vieles zu glauben gewohnt sind. Sie glauben auch, das soziale Problem der USA sei gelöst, wenn der Kranke von der Spitze entfernt sei.
Ihnen sei ins Stammbuch geschrieben:

Die Gemeinschaft der US-Bürger wurde über viele Jahre und durch viele Regierungen zerstört. Trump hat diesen Weg nur fortgesetzt, und dies auf seine sehr spezielle Art. Eine imperialistische Denkweise hat den Blick nach innen verstellt, und erst zwei Krisen, nämlich Trump und Corona bringen die Versäumnisse in den sichtbaren Bereich, verdeutlichen die Risse zwischen Arm und Reich, Nord und Süd, Schwarz und Weiss usw.

Wer nun glaubt, diese Risse könnten geschlossen werden, täuscht sich. Zur Erinnerung: Vor 155 Jahren wurde Abraham Lincoln umgebracht, jener Präsident, der sich entschieden gegen die Sklaverei gewandt hatte – die Afroamerikaner werden noch heute benachteiligt. Man hat 6 Generationen lang über den Rassismus eine hübsche Decke gezogen – mehr nicht. Dieses Beispiel zeigt die Unfähigkeit, die Gesellschaft moralisch aufzurüsten.

Der US-Bürger wurde zu einem Egoismus erzogen, der auf dem Märchen basiert, jeder könne alles werden – auch reich. Für die Verwirklichung dieser Fiktion, so glaubt er, brauche er jede Freiheit. Und die Zugehörigkeit zu einer Solidargemeinschaft macht – das ist korrekt – in einem gewissen Umfang unfrei. Man hat schliesslich die Regeln der Gemeinschaft zu beachten.

Für die Tragik ihrer Situation ist ihnen ideologisch der Blick genommen. Sie glauben daran, dass jeder seines Glückes Schmied sei. Für Geld und Status opfern sie humanistische Grundwerte und nehmen den Zerfall ihrer Nation in Kauf. Sie rufen „Demokratie“ und hinter vorgehaltener Hand flüstern sie, man wäre auf dem Weg in eine Diktatur. Und in ihrem erbärmlichen Zustand machen sie geltend, führende Weltmacht zu sein. Mit einem Donald Trump an der Spitze.

Gibt es einen besseren Beweis für die Feststellung, dass eine ganze Nation krank werden kann?

Ja, aber! Da sind die Demonstrationen! Tausende gehen auf die Strasse! Und dann kommt ein Realist daher und stellt fest: Wenn 1 Million auf der Strasse sind und gegen Rassismus demonstrieren, so ist das 1/330-tel der Gesamtbevölkerung. Anders: 0,33 % stehen draussen, und 99,67 % bekommst Du nicht zu sehen. Und sind 10.000 auf der Strasse, macht das 0,0033% – in der Tat wenig beeindruckend, dieser plakative Idealismus.