Sitzen geblieben! 6!

Man stelle sich vor, um das Jahr 1600 gelebt zu haben. Der technische wie der soziale Wandel vollzog sich in kleinen Schritten und in langsamem Tempo. Die Menschen jeden Alters waren in der Lage, diese Schritte mitzugehen, sie zumindest zu verstehen.

Nun leben zur Zeit Menschen mit dem Geburtsjahr 1935, oder sagen wir, sie wurden Mitte des letzten Jahrhunderts geboren. Sie mussten mit ansehen, wie die Fortschrittskurve extrem steil anstieg. Die Welt, so auch ihre eigene kleine Welt veränderte sich in rasantem Tempo – während sie alt und älter wurden, und demzufolge irgendwann ihre Leistungsfähigkeit maximal für das 17. Jahrhundert geeignet war, aber nicht für das 20. Jahrhundert. Die Alten bleiben irgendwann auf der Strecke, sie können nicht mehr folgen.

Dies bedeutet, man lebt festgefahren auf dem Status quo. Die Bemühung, der Entwicklung nach oben zu folgen, werden eingestellt, und man pflegt den Status quo, so gut es geht.

Gesellschaftlich lebt man als alter Mensch mit dem Etikett, ein alter Trottel zu sein. Selbst wenn dieses Prädikat zutrifft, fühlt man sich beleidigt und unter Wert gehandelt. In diesem unglücklichen Zustand verharrt man, bis sich eine Gelegenheit zum Zurückschlagen ergibt: „Ich habe allmählich die Schnauze voll vom Online banking! Die haben wohl einen alten C64 als Server installiert, und ich brauche eine halbe Stunde, um eine Überweisung abzusetzen!“
Dann schaut man erwartungsvoll in die Runde, nur um festzustellen, dass das Jungvolk weder weiss, was ein C64 ist, noch wie Online banking geht, weil sie eh nicht genug Kohle haben, damit sich die Online-Verwaltung lohnen würde. Und wenn doch: Der Alte hats doch drauf! Und der holt sich rasch eine Dose Bier aus der Küche, zieht sie auf und trinkt sie genüsslich in einem Zug leer, auch wenns weh tut. Dann lehnt er sich zurück, grinst still in sich hinein. Und einer der Jungspunde wird sich erheben und fragen, ob er noch ein Bier besorgen soll.

Wie? Ja, das ist eine Fiktion. Was ich damit sagen will? Merke: Wo immer Du in der Lernkurve hängen geblieben bist – achte auf Deinen Status quo! Du hast zwar nichts Besseres, aber er ist es wert, geschätzt zu werden. Du hast die meiste Zeit Deines Lebens daran gearbeitet!