Das Monster Zantedeschia

Sie ist schon ein zähes Luder, diese Calla zantedeschia. Ich nenne sie nur Calla; sie nimmt das ungerührt hin. Gelegentlich unterbreche ich meinen Gang in die Küche, bleibe bei ihr stehen und schaue sie mir an, wie sie in dem riesigen gelben Kübel eine Flur-Ecke ausfüllt und scheinbar auf mich wartet. Sie ist die einzige Überlebende einer Phase des Sterbens von allem, was grün war. Grünzeug ist mit dem Tod meiner Frau ebenfalls den Weg allen Irdischen gegangen – so die offizielle Lesart. Hinter vorgehaltener Hand redet man allerdings über mich, und dass ich keinen grünen Daumen besässe. Darum hätte alles Grüne still vor sich hin kompostiert. Ich sage dazu nichts, ausser: Schaut Euch meine Calla an! Sie überlebt, versucht sogar zu blühen. Das gelingt ihr zwar nicht immer, aber es zählt der Versuch, und darum schütte ich gelegentlich Wasser an sie. Nein, nicht aus Überzeugung. Ich tue das, weil es sich so gehört, und weil ich Durst sehr gut kenne, ohne allerdings zu wissen, ob diese Pflanze leidensfähig ist. Häufig produziert sie braune Blätter, die ich dann wieder herauspflücken muss, damit vorbeischauende Pflanzenmütter nicht in Tränen zerfliessen. Ob sich mit dürren braunen Blättern so etwas wie Leiden äussert, kann ich nicht beurteilen. Es könnte sich auch um eine Alterserscheinung handeln, wie mein eigener Hals unterhalb des Kinns unmissverständlich andeutet.

Die Calla und ich! Oft genug wollte ich Verrat begehen, indem ich sie im Schutz der Dunkelheit der Mülltonne anvertraue. Genauso oft stand ich vor dem Kübel und habe mit Calla geredet wie mit einem kranken Gaul; Streicheln habe ich allerdings unterlassen – vielleicht macht sie, dieses Aronstab-Gewächs Pickel oder ähnlich Unerfreuliches. Natürlich schweigt sie beharrlich, steht aber voll im Saft und signalisiert mir damit, dass sie mit mir noch nicht fertig ist. Wenn mir dies bewusst wird, erfasst mich ein Gefühl, das ich nur als Feindseligkeit empfinden kann. Dieses Ding da ….. dieses Ding ….. wenn ich dürfte, wie ich möchte und könnte – ich würde sie glatt an eine Kuh verfüttern!

Bin ich schizo?

Altpapier

Ich denke immer noch, man könne über alles schreiben, nur nicht immer gut. Deshalb hatte ich mir meine Kaffeebecher vorgenommen. Dieser Nonsense konveniert nicht? Das ist so völlig in Ordnung.

Man kann über alles schreiben. Für heute hatte ich mir vorgenommen, einen Härtetest durchzuführen, indem ich über einen Papierfetzen schreibe und erst damit aufhöre, wenn ich eine Seite A4 geschafft habe.

Nööö. Das will kein Mensch lesen. Trockener Stoff, das Papier. Vermutlich wird das Interesse an einem Papierfetzen nicht grösser, wenn ich ihn nass mache. So geht es also nicht. Nun habe ich mich zur Kurzform entschlossen. Ein Haiku:

Die BILD in Fetzen.
So wird Kultur vernichtet.
Fünf Kinder lachen.

Fehlleistung!

Seit vielen Jahren ist meine Familie im Besitz eines Kaffebechers aus der Kantine des Headquarter eines US-Schlapphüte-Vereins. Dies hier auszubreiten ist eigentlich eine Dummheit, da jeder weiss: Die Schlapphüte kontrollieren auch das Internet. Und es kann sein, dass die immer noch nach ihrem vermissten Kaffeebecher suchen. Wie auch immer: Heute fiel mir dieses Geschirr wieder einmal in die Hände, und ich finde das Stück so bemerkenswert, dass ich kurz davon erzähle. Was also ist dran, an diesem Kaffeebecher? Du glaubst es nicht. Ich stellte fest, dass der Becher oben geschlossen ist. Komplett zu. Statt dessen hat das Ding keinen Boden. Unten ist er also komplett offen. Genau wie dem Schlapp sein Hut. Kannst Du das glauben? Was hat sich der Geschirrdesigner dabei wohl gedacht?

Natürlich habe ich meinen Bestand an Kaffeebechern umgehend kontrolliert. Verdächtig erschienen mir die Trümmer von Starbucks. Der Laden macht im Jahr mehr als 24 Milliarden USD Umsatz und zahlen so ungern Steuern. Ihre Kaffeebecher sind allerdings üppig. Geworfen sind sie tödlich, und der Henkel ist nicht als solcher zu bezeichnen, sondern als Krankheit, mithin ein Angriff auf die Hand, die ihn halten soll. Wie aller Mist ist dieses Geschirr in China gefertigt.

Auch wenn Macau draufsteht – ich fasse solche Dinger nur im Notfall an. Mein Standardgerät kommt aus England, ist ein Handschmeichler, und mit dem Union Jack dekoriert. So werde ich täglich an den Brexit erinnert, und wenn die Briten endlich weg sind, werde ich das freudige Ereignis mit einem 3-fachen Single Malt feiern, den ich genau aus diesem Kaffeebecher trinke. Ohne Milch. Ich freue mich auf das Bild: Die EU im Kreißsaal (engl delivery room), gebiert Grossbritannien unter Schmerzen, und knurrt die Hebamme an: Weg mit dem Bankert!
Verdammte Missgeburt! Soll sich Uncle Donald drum kümmern!

Moment mal, ich war doch beim Kaffeebecher ….. ich wollte zu dem Schlapphüte-Becher nur noch anmerken: Wenn man ihn umdreht, kann man ihn ganz normal benutzen. Ich hab’s ausprobiert.

Warum erzähle ich diesen Unsinn? Nun, heute früh beim Geschirrabwaschen wollte ich in den Becher reinfassen, was nicht ging, weil geschlossen, und ich brauchte einen Moment, bis ich verstand: Umdrehen, Du Hirni! Und nein, so etwas belastet mich keinesfalls. Ich schaute einem Arbeitskollegen genüsslich zu, wie er verträumt seinen Kaffee in seinen Aschenbecher goss; die Gute war nicht 80, sondern 30 Jahre alt!

Ein Blick hinter die Kulisse

Was auch immer ich an Haut zeige – es hat die Farbe jenes Kriechtiers, das nicht ans Tageslicht kommt, unter der Erde im Wasser lebt und ganz schlechtes Sehvermögen besitzt – der Grotten-Olm. Ich habe keinerlei Bedürfnis, die Sonne zu sehen, sondern bin mit Licht gut versorgt, solange die Lampe im Kühlschrank brennt und eine Chorizo-Wurst gut ausleuchtet. Natürlich bin ich bemüht, mein Erscheinungebild zu komplettieren, indem ich bevorzugt schwarze Klamotten trage. Schaue aus wie ein Mehlwurm in Trauer. Allerdings werde ich den Verdacht nicht los, eher gespenstisch zu wirken, und dies selbst dann, wenn ich in der Nacht in dunklen Räumen nach Delikatessen oder Naschwerk suche. Ansonsten geht hier das Gerücht, dass ich nicht in Betten schlafe, sondern von der Zimmerdecke kopfüber abhänge und schnarche.

Derartige Gerüchte lassen mich kalt. Ich weiss, wer und was ich bin, aber keinesfalls Dracula oder einer aus seiner Verwandtschaft. Ich nasche keine Stubenfliegen, sondern die Schoko-Riesenbonbons von Firma XXX (Produktplacements nur gegen Entgelt), und Blutwurst war noch nie mein Ding. Aber leider ist es mir nicht gelungen, die Nachbarn von meiner Harmlosigkeit zu überzeugen – sie meiden mich wie der Teufel das Weihwasser. Das mag daran liegen, dass sie die Finsternis meiner Höhle nicht gerade schätzen und beharrlich auf Sommersonnentage stehen. Wenn ich das Bedürfnis verspüre, mit ihnen einige Worte zu wechseln, so muss ich das Haus verlassen und mich durch die Helligkeit des Tags quälen. Das ist nicht gerade angenehm für mich, mit meinem durch Herpes-Viren geschädigten Trigeminus-Nerv. Zugegeben, mit Sonnenbrille sehe ich ein wenig aus wie ein Mafioso der ‚Ndrangheta aus Calabrien. Wenn ich dann noch mein Taschenmesser aufklappe und den Griff aus fossiler Moor-Eiche spielerisch über dem Handteller kreisen lasse, sehe ich gefährlich aus. Aber nur bis zur nächsten Windboe. Dann schwankt der „Baum“, als hätte ihn ein Tornado erwischt, und er muss sich am Briefkasten festhalten.

Wenn ich in Anfällen von Spendierlaune ein Bier anbiete, kriege ich meist eine Absage. Die Menschen von nebenan wissen, dass man bei mir kein Flens in der Beugelbuddel bekommt, sondern ein dänisches Starkbier in Dosen. Ich stimme den Nachbarn zu. Bier aus der Dose trinken ist für Proleten und ihre Epigonen gedacht, nicht für zivilisierte Menschen. Und genau darum, und damit ich keine Gläser abwaschen muss, trinke ich für gewöhnlich ein Bier aus der Blechkanne. Besser gesagt, ich versuche es. Meist schütte ich mir dabei den ersten Schluck in den Kragen. Ich bin eh ein grosser Schütter. Neulich habe ich mir aus Versehen am Wasserhahn in der Küche kaltes Wasser in den rechten Ärmel meiner Vlies-Jacke gegossen. Das war so schockierend, dass ich für 15 Minuten die Sprache verloren hatte. Ehrlich, das geht! Ich kann das!

Zyklus

Geburt, Leben, Sterben, Tod – das ist der natürliche Zyklus der Existenz von allem Lebenden, das unseren Planeten bewohnt, sei es der Mensch, die Ameise oder die Butterblume. Die Liste kluger Leute, die zum eigenen und zum Trost Fremder ihre Gedanken dazu aufgeschrieben haben, scheint endlos.

Alle Menschen sind von Geburt aus gleich.


Thomas Jefferson (1743 – 1826), US-amerikanischer Jurist, Gutsbesitzer und 3. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, verfasste die Unabhängigkeitserklärung

Die Geburt bringt nur das Sein zur Welt; die Person wird im Leben erschaffen.


Théodore Simon Jouffroy (1796 – 1842), französischer Philosoph

Jeder sollte all das werden können, wozu er bei der Geburt die Fähigkeiten mitbekommen hat.


Thomas Carlyle (1795 – 1881), schottischer Philosoph, Historiker, Essayist, Geschichtsschreiber und sozialpolitischer Schriftsteller

**************************************

Das Leben ist die Kategorie der Möglichkeit. Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.


Friedrich Hebbel (1813 – 1863), Christian Friedrich Hebbel, deutscher Dramatiker und Lyriker

Nicht Dinge geben dem Leben Sinn, sondern Menschen.


© Helmut Glaßl (*1950), Dipl.-Ing., Maler, Aphoristiker

Mit Taten sei ein Leben erfüllt, nicht mit untätigen Jahren.


Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.), eigentlich Publius Ovidius Naso, römischer Epiker

****************************************

Der reine Wahnsinn, wie ein armer Teufel zu leben und reich zu sterben.


William Shakespeare (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

So möcht‘ ich sterben, selig vor Lust.


Petronius Gajus Arbiter (10 – 66 (Freitod)), römischer realistisch-satirischer Dichter auch derb-erotischer Prosa, Günstling Neros

Zum Leben stärkt Klugheit, zum Sterben Weisheit.


Alois Essigmann (1878 – 1937), österreichischer Schriftsteller

***************************************

Unsterblich allein ist der Tod.


Römisches Sprichwort

Der Tod ist der Beginn der Unsterblichkeit.


Maximilien de Robespierre (1758 – 1794 (hingerichtet)), getauft als Maximilien-François-Marie-Isidore, fanatischer französischer Jakobiner, führte die Schreckensherrschaft zum Höhepunkt

Der Tod heißt, nicht zu existieren.


Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.), genannt Seneca der Jüngere; römischer Philosoph, Stoiker, Schriftsteller, Naturforscher und Politiker; Selbsttötung auf Geheiß seines ehem. Schülers Nero (Römischer Kaiser von 54 – 68)

***********************************

Durch die Zeit

Wieder einmal gehe ich eine Strasse entlang, die sich in vielen flachen und einigen gefährlichen Kurven durch eine bunte Landschaft windet. Sie bietet mir Bilder an, die ich bereits kenne, die Gefühle wecken und sie ist mir deshalb seltsam vertraut. Leichten Schrittes durchwandere ich eine Szenerie, die aus Erinnerungen gebaut sein könnte. Nichts belastet meinen Weg, nichts drängt zur Eile, und ich bin frei. Manche der Bilder verführen dazu, inne zu halten und zu geniessen. Es sind wenige Werke, aber sie sind aussergewöhnlich, grosse Werke eines grossen Künstlers. Schliesslich bemerke ich, dass meine Schritte immer schneller werden. Ich durchwandere nun Bilder, die ich aus eigenem Erleben kenne. Es ist an der Zeit, nachzudenken, was gerade mit mir geschieht. Und ich stelle fest, dass ich Zeit erlebe, und ich weiss nun, dass ich mich in meiner eigenen Vergangenheit bewege. Aber ich weiss nicht, wer oder was mich auf diesen Weg gebracht hat. Noch während ich über dieses Rätsel nachdenke, fesselt mich ein neues Bild. Ich betrachte mich selbst, und es ist ein Blick wie in einen grossen Spiegel. Ohne Zweifel bin ich nun in der Gegenwart angekommen. Wir beide schauen uns an, und ein leichtes Lächeln macht sich in den Gesichtern breit. Ein Instinkt fordert nun einen weiteren Blick auf meine Strasse. Ich weiss, es ist ein Blick in die Zukunft, und ich weiss auch, dass sie sich vor mir verbirgt. Die Strasse verläuft frei von Kurven und ohne Bilder bis zum Horizont, und vermutlich darüber hinaus – öde und nichtssagend. Ich blicke in den „Spiegel“. Auch hier wird mir meine Strasse gezeigt. Anders als in meiner Realität endet sie nicht am Horizont, sondern sehr viel früher. An irgendeinem Punkt in meiner nahen Zukunft wird mein Weg enden, und das Bild sagt mir, dass hinter diesem Ende nichts zu erwarten sei.

Ich habe nun die Gewissheit, dass mir mein Weg über diese Strasse mein Leben gezeigt hat.
Das Leben ist der Künstler, der grossartige Bilder hervorbringt. Dazu zähle ich auch jenes Bild, das ein baldiges Ende meines Wegs durch die Zeit vorhersagt. Man könnte meinen, es sei von existentieller Bedeutung für mich …..

Ein altes Haus

Wieder und wieder schaue ich mir dieses Bild an. Der Grund? Ich weiss es nicht. Ich sehe eine Ruine, zerstörtes Menschenwerk in einem Tal, das sich mit einer Drohung zu füllen scheint, wo sich Nebel und Geister verbünden, um mich zu warnen: Bleibe, wo Du bist! Dieser Ort hier ist längst unser Revier, und wir wünschen Deine Gesellschaft nicht. Heute nicht, und nicht hier!

So könnte es sein. Aber ich glaube nicht an eine Geisterwelt, und Nebel beeindruckt mich wenig, es sei denn, er kommt in einer solch imposanten Form, dass ich meine Schuhspitzen nicht mehr erkennen kann. Ein solches, wahrhaft seltenes Erlebnis fasziniert mich, und ich erwarte dann tatsächlich eine Überraschung, irgendeine aussergewöhnliche Begegnung, aber keinesfalls ein Rendezvous mit einem Geistwesen. Ich wäre mit einem Tier zufrieden, sagen wir, mit einer Kuh, die plötzlich vor mir auftaucht und mich verwundert anstarrt, so wie ich zurückstarre, bis wir beide zu der Erkenntnis kommen, dass eine freundschaftliche Geste die ungeklärte Lage in ein gutes Licht rückt, und wir uns mit Nase an Nase reiben begrüssen und gleichzeitig verabschieden. Ja, das wäre so ganz in meinem Sinne.

Ich schaue wieder auf mein Bild, bin zurück in der Wirklichkeit. Denke so: Was für eine friedliche Welt! Und die Natur macht ihren Job. Sie tut, was ihr aufgetragen ist. Sie zerstört nicht, sondern sie gestaltet. Sie gestaltet um, was der Mensch hinterlassen hat. Sie arbeitet mit Augenmass und achtet dabei auf Harmonie. Sie übernimmt ein zerstörtes Haus und integriert es in eine ihrer Kompositionen auf eine ästhetische Weise und beseitigt die Traurigkeit des Ortes.

Und das Bild vermittelt eine Botschaft der Natur an den Menschen: Bleibe, wo Du bist! Dieser Ort hier ist mein Revier, und ich wünsche Deine Gesellchaft nicht. Heute nicht, und nicht hier!

Leichtes, schwer gemacht

Heute ist Sperrmüll-Tag. Am Strassenrand hat man einen Berg aus Dingen aufgebaut, deren einzige Aufgabe gewesen ist, als Ballast Wohn- und Arbeitsraum zu beanspruchen. Man spricht von Entrümpelung, eine Wortwahl wie Vorschlaghammer oder Kartoffelschalen. Es ist schwierig, auch nur einen Hauch von Poesie des Alltags zu erkennen. Dabei ist das Ziel der Massnahme, der Leichtigkeit des Seins ein kleines Stückchen näher zu kommen. Moment, ich suche nach einer verständlichen Analogie ….. nehmen wir eine Hose, die zu eng geworden ist. Man steigt hinein, und die Luft wird knapp, weil das Atmen behindert ist. Man steigt aus dieser Hose und atmet wieder frei. Weils mir gerade auffällt: Hosen werden nicht eng. Bäuche werden dick! Es ist typisch für die menschliche Rasse, mit Schuldzuweisungen das eigene Weltbild aufzuhübschen. Das nur nebenbei. Hosen verkraften Ungerechtigkeit problemlos – Menschen dagegen nicht.

Unrecht lastet doppelt schwer auf der Seele. Und schon bin ich wieder in meiner Spur. Wer sich auf die Suche nach der Leichtigkeit des Seins begibt, hat Schwerstarbeit zu bewältigen. Man muss Ballast abwerfen, also alles, was belastet, sei es eine alte Matratze oder ein Unrecht. Man wird feststellen müssen, dass man nicht alles los werden kann. Das bedeutet, Prioritäten neu zu bestimmen und Zustände anders zu bewerten, also mit alten Gewohnheiten zu brechen. Man ackert wie ein Pferd, sieht kleine Erfolge, Stolz und Zufriedenheit wachsen still, aber merklich – bis das Leben wieder zuschlägt und einiges zunichte macht. Irgendwann versteht man, dass man auf einem Irrweg gewesen ist, der zu nichts weiter führt als zu einer Fata morgana. Nun wandelt man durch das Tal der Tränen und hofft auf Hilfe, um der Misére zu entrinnen, bis man endlich versteht, es dem Freiherrn von Münchhausen gleich zu tun, der sich am eigenen Schopf aus irgendeinem Schlamassel gezogen hat.

Damit begibt man sich unweigerlich in eine neue Dimension. Man löst sich von der materiellen Ebene und wechselt in die Welt des Geistes. „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit! Brüder, zum Lichte empor! Hell aus dem Dunklen Vergangnen leuchtet die Zukunft hervor!“ So sangen die Sozialdemokraten in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg – bis in meine Kindheit. Diese erste Strophe eines Sozialistenlieds ist nichts weiter als eine Aufforderung, sich auf den Weg zu machen zu einer Zukunft, in der die Leichtigkeit des Seins spürbar wird und die seelische Wunde heilt, welche der Krieg hinterlassen hatte.

Nun könnte man geltend machen, dass in Friedenszeiten Derartiges entbehrlich sei. Auf den ersten Blick, und weil man sich danach sehnt, möchte man dieser Sichtweise unbedacht zustimmen. Das wäre allerdings leichtfertig geurteilt, und einfach falsch. Auch heute finden Kriege statt. Jener Krieg, der unser Leben bestimmt, ist der zwischen Kapitalismus und dem bürgerlichen Sozialismus. Dieser Krieg ist für die Bürger bereits verloren. Sie werden langsam, aber sicher in eine Lohnsklaverei gezwungen. In dieser Situation ist es lächerllich, nach der Leichtigkeit des Seins zu suchen. Sie wird scheinbar zum Privileg der Geld-Elite – diese hat jedoch ihre eigenen Kämpfe auszufechten, zum Beispiel gegen Langeweile, Überdruss, Geltungsssucht, Macht-Konkurrenz und anderes.

Es bleibt also immer die Frage offen, wer auf welche Weise so etwas wie Seelenfrieden erreicht.
Möglich, dass man in diesem Zustand die ersehnte Leichtigkeit findet, jenen Zustand, in dem das Ideal auf das Individuum abgestimmt ist und auf diese Weise das Sein, das Leben positiv beeinflußt.

Anmerkung:

Teresa, eine der Hauptfiguren eines Romans von Milan Kundera findet die die Leichtigkeit des Seins in der Schweiz unerträglich. Sie ist durch das Leben in Tschechien zur Zeit des Prager Frühlings 1968 mit Alexander Dubcek vorgeprägt.

Nicht lesen!

Ein seltsamer Tag, dieser Dienstag. Ich schreibe das Wort „Dienstag“ mit 3 Tippfehlern. Staunend stelle ich fest, damit eine neue Höchstleistung geliefert zu haben. In meiner Phantasie feiere ich dieses Ereignis mit einem Schluck Champagner. Aber nun treibt mich meine Neugierde zu der Frage, wie es dazu kommen konnte. Wie habe ich das nur geschafft? Ich schaue auf meine Finger. Sie sind es gewesen, es bestehen keine Zweifel an dieser Feststellung. Ich erkenne, dass Klärungsbedarf besteht, und lege beide Hände auf die Schreibtischplatte, betrachte meine Fingernägel. Sie sind so, wie ich „gepflegte Hand“ definiere – es fehlen einige Feinheiten. Ich vermisse sie keinesfalls. Oben sind die Hände in Ordnung. So stelle ich das in meiner Sprache fest. Nun ist da eine zweite Seite. Das Unten. Ich drehe meine Hände um und sehe das Unten. Irritiert schaue ich aus dem Fenster, denn nun ist das Unten oben, und damit habe ich ein Problem. Ich liebe Klarheit in allen Lebenslagen und strebe beständig nach diesem Ideal. Der Gedanke, dass das Oben nun unten ist, verwirrt mich vollends. Touchez! Ich schaue aus dem Fenster, und erkenne eine neue Dimension. Mit Handschuhen besteht doch das selbe Problem, oder? Ich verdränge diese ungeklärte Sichtweise und wende mich wieder meinen Händen zu, indem ich den Begriff „Innenhand“ ins Spiel bringe. Man weiss, dass Innenhand dort ist, wo man keine Fingernägel sieht. Die damit geschaffene Eindeutigkeit befriedigt ….. genau bis zu jenem Punkt, der erkennen lässt: Eine Aussenhand kennt die Sprache nicht. Schon hat man dem glasklaren Blick Risse zugefügt. Zu allem Unglück gesellen sich Vorhand und Rückhand dazu, obschon man im Tennis nicht mit Händen, sondern mit Schlägern spielt, wobei Schläger nicht Rabauken sind, sondern ….. ich sollte wohl den Mund halten und den PC abschalten.

Eigentlich wollte ich an einem ganz anderes Thema herumschrauben. Aber ich bin alt genug, dass ich mir Verwirrungen und Verirrungen gönnen darf. Offen ist die Frage, ob ich dabei entstandene Machwerke in meinem Blog veröffentlichen sollte. Nach kurzer Prüfung komme ich zu einem uneingeschränkten „JA“ – als warnendes Beispiel für Höheren Blödsinn.

Polemisches über SPD

Gibt es sie noch? Hat irgendwer die beiden gesehen? Sind sie gesund? Arbeiten sie? Wenn ja, woran? Wo sind die beiden überhaupt?

Ich meine Esken und Walter-Borjans. In meinem Blickfeld sind sie monatelang nicht aufgetaucht. Dann sah ich sie im TV, sie sagten kurz, sie seien gegen …. vergessen, was das war. Und wusch – warten sie wieder weg für Wochen. Dann unterstellt Esken der Polizei pauschal Rassismus. Sie agiert also wieder gegen etwas. Dies ist das Gesicht der Partei, wie ich sie wahrnehme.

Ich versuche mich in Fairness, möchte herausfinden, wofür die SPD steht, warum ich sie also wählen soll. Ich finde das Parteiprogramm und kriege einen Lachanfall. Das können sie auf Klopapier drucken lassen. Dann finde ich Handfestes: Die Merkel-Politik. Diese schliesst für den Koalitionsfrieden Zugeständnisse der Union als notwendige Übel mit ein. Es ist kein Verdienst der Sozis erkennbar, aber die sehen das halt anders. Und das war’s. Mehr sehe ich nicht. Und ich frage mich erneut, warum ich eine solche Partei wählen soll.

Ich muss das jetzt abkürzen. Die SPD-Führung besteht aus drei Dilettanten. Anscheinend wissen sie nicht, was Öffentlichkeitsarbeit ist, wie sie gemacht werden muss, welchen Nutzen man ansteuern soll usw. Sie werden wohl arbeiten und sich das Hemd zerreissen, indem sie gegen interne Probleme ankämpfen, die ihnen die Altherren-Riege verursacht. Von den Jungen, die sich Juso’s nennen, hört man auch nichts, resp. nur, dass ein Mann wie Kühne Verantwortung ablehnt. Man erwartet als Sozialist einen Vulkanausbruch mit allem, was dazugehört, und bekommt statt dessen ….. eine lauwarme Tasse Milchkaffee.

Und nun die Krönung der Fragestunde:

Wie wollen diese Schnarchnasen aus ihrer 15%-Falle entkommen?

Der Irre …..

….. im Weissen Haus und sein Nutzen für die US-Bürger.

Um mit der prominenten Plattitüde zu beginnen: Er nützt sich selbst, seiner Familie und seinen Hintermännern, indem sie die USA plündern. Die Dollars strömen auf vielfältige Weise durch das Land, oder in dasselbe. Ein Negativ-Beispiel: Wenn die Deutschen Gas bei den Russen kaufen, kann die US-Clique nicht in eine Kasse greifen, um sich zu bereichern. Das frustet diese kriminelle Gruppe.
Der klägliche Rest vom Bürgertum, rund 330 Millionen Menschen können nicht einmal Panem et circenses geniessen. Das Brot muss in einem harten Alltag selbst verdient werden, und den Circus Trump findet nicht jeder unterhaltsam. Das ist wenig, sehr wenig Nutzen für alle.

Einfach, nicht wahr?

Schwieriger ist es, die Trump-Anhänger zu begreifen. Der Irre nützt ihnen nicht, und sie wissen um seinen Geisteszustand. Dennoch beharren sie auf seiner Wiederwahl. Leider muss man aus dieser Grundhaltung schliessen, dass auch sie irre sind. Beispiel aus der Tierwelt: Ein Schlachtschwein sieht den Schlachter mit seinem Bolzenschuss-Apparat kommen und begrüsst ihn freudig. Diese Sau ist offenbar durchgeknallt und leidet unter Realitätsverlust.

Zurück zu den Trumpisten. Sie wissen, dass ihr Idol psychisch krank ist und unentwegt Fehlleistungen abliefert. Sie greifen alles Negative auf und werfen es hinter sich, damit es die Zukunft nicht belastet. Haben sie irgendwann genug von diesem Spiel? Nein, sie halten eisern durch. Warum?

Sie sehen, dass es mit den USA bergab geht. Die weltpolitische Bedeutung und die Kredite sind verspielt. „Bald sind wir nichts mehr!“ So lautet die Befürchtung. Damit geht einher, was wir unter Identitätsverlust verstehen. „Die Welt lehnt mich ab! Wer oder was bin ich jetzt noch?“ So lautet die nicht ausgesprochene, bange Frage. In einer so fatalen Situation sucht man ….. sucht jedermann nach einem Griff, an dem man festmachen kann, um nicht gänzlich abzusaufen. Ein solcher „Griff“ ist der „starke Mann an der Spitze“. Ein anderer ist die Religion. Insbesondere die Sekten leben von instabilen Menschen. Und nun kommen die Trumpisten und machen ihren vermeintlich starken Mann zum Idol, und ihr Verhältnis zu diesem Popanz nimmt die Qualität des Sektierertums an. Das Idol wird unantastbar, sein Handeln unwichtig, und es existiert auf einer imaginären höheren Ebene. Wir Deutsche kennen das. Ich erinnere an Hitler und seine schlimmen Handlanger in der Zeit von 1933 bis 1939.

Wir wissen: Gegen Sektierer haben die Realität und das Sachargument keine Chance. Für die Profiteure ist das hier geschilderte Defizit allerdings ideal. Man kann sich gut dahinter verstecken und verdienen, während sich das verdummte Prekariat abmüht, ihr Idol auf Höhe zu halten.

Zur Trump-Affaire gibt es eine Steigerungsmöglichkeit. Man stelle sich vor, es käme ein Mensch ins Weisse Haus, der genauso psychopathisch ist wie Trump, aber zusätzlich auch noch intelligent!

Gespenstisches

Mein Bett ist bewohnbar, und ich bewohne es tatsächlich täglich während einiger Stunden. Ich weiss, andere Menschen tun ein Gleiches, ohne darüber zu reden. Warum sollte man auch? Man hält sich dann in seiner zweiten Welt auf, in jener finsteren Ecke, wo Verstand und Vernunft nicht gefragt sind, sondern Bewusstlosigkeit die Zeit dominiert. Es ist aber auch jene Ecke, in der ein Speicher-Chip unendlich viele Informationen gespeichert hat, und wo während besagter Bewusstlosigkeit überkochende Emotionen aus dem Unterbewusstsein mit diesen Informationen spielen – der Mensch nennt dies dann „Träumen“.

Das alles ist so alltäglich wie ein Schluck Wasser. Wenn ich mich dennoch darüber auslasse, so aus bestimmtem Grund:

Heute früh zwischen 7:00 Uhr und 8:00 Uhr träumte ich irgendein Kauderwelsch, an das ich mich nicht erinnern kann – mit einer Ausnahme. Das Wort „tagsüberblind“ blieb in meinem Gedächtnis kleben, und ich hatte es nach dem Aufwachen noch immer präsent. Dabei hatte ich es noch nie gehört. Mein seltsames Hirn hat es „erfunden“. Grund genug, zur Sicherheit nachzuschauen, ob ein solches Wort existiert.

Nun, „tagsüberblind“ kennt der Duden nicht. Wohl aber „tagesblind“. Tagesblinde sind tagsüber blind. Genauer gesagt sind sie sehbehindert wegen die Helligkeit des Tags. Ich hatte davon noch nie gehört; die Info ist für mich neu.

Wieso träumte ich dennoch davon?

Ich bin kein Spökenkieker; so nennt man an der Küste die Gespensterseher. Mag sein, dass mir tagesblind irgendwann mal untergekommen ist und dann gänzlich vergessen wurde. Immerhin habe ich – dies vorausgesetzt – im Schlaf aus tagesblind ein neues Wort gebildet, das tagsüberblind. Eine bemerkenswerte Leistung eines alten Hirns!

Genial!

Weitsicht

Wie sollte ein so rascher Ruhm nicht einen so leeren Kopf beduseln?

Stefan Zweig, Schriftsteller (1881 bis 1942) – Die Schachnovelle –

Korruption

Wenn die Politiker aus jedem Laden,
für den sie gegen Entgelt arbeiten,
einen Aufnäher auf der Anzugjacke tragen müssten,
so würden sie wie Formel 1-Fahrer daher kommen.

(Verfasser unbekannt)

Glücksspiel

Die Natur pokert ständig um erfolgreiche Schöpfungen.
Mit der Schaffung des Menschen hat sie einen schweren Verlust hinnehmen müssen.

Im Garten

Diese Blüte dort
wendet ihr Köpfchen zu mir.
Tau benetzt das Gras.

Zynismus (böse Gedanken)

Als zynisch gilt eine gefühllose, mitleidlose, menschenverachtende Haltung. Nun bin ich mit allem gebotenen Ernst in mich gegangen, um zu prüfen, ob ich ein Zyniker bin. Und ich habe ein Ergebnis: Ich bin. Wie wir alle. Wir sind mit negativen Emotionen ausgestattet, die einem Trigger folgend gelegentlich zum Vorschein kommen, in der Regel aber „in der Werkzeugkiste“ gut verwahrt bleiben. Ich denke, dass negative Gefühle nützlich sind, solange sie nicht missbraucht werden. Sie auszuleben bedeutet, seelischen Druck abzubauen. Man sagt, Gewitter reinige die Luft.

Und nun gönne ich mir eine zynische Bemerkung zum Zustand der USA. Der erinnert mich an eine Rolle Klopapier, die unserem Berner Sennhund in die Pfoten geriet. Diese verdammte Töle hatte richtig Spass beim Zerpflücken, und ich keinen Spass beim Reinigen der Bude.

Mein Vergleich hinkt ein wenig. Unser Hund war absolut gutmütig und seinen Menschen zugewandt, von Zynismus keine Spur. Dagegen sind der US-Präsident und seine Entourage ausgesprochen bösartig. Sie sind allesamt Zyniker. (Siehe Satz 1)

Auch ich bin zynisch mit meinem Klopapier-Vergleich. In den USA leben 330 Millionen Zweibeiner, und zirka die Hälfte davon sind Menschen, deren Würde nicht angetastet werden darf. Die andere Hälfte hat ihre Würde freiwillig im Weissen Haus abgeliefert und sich auf das Niveau ihres Präsidenten fallen lassen. Dazu fällt mir ein passender Vergleich ein – ich habe nicht den Mut, ihn hier niederzuschreiben.

Von allem abgesehen fürchte ich um meinen Geisteszustand. Ich habe stets einen grossen Bogen um Depotgift gemacht – und dennoch hat sich in mir einiges angesammelt, was ich dringend los werden muss. Ich denke, ich gehe in unseren Garten und in einen Dialog mit einem Gänseblümchen. Jaaa, nenne es halt Meditation! Ist mir egal! Ich muss nur darauf achten, dass ich das Blümchen nicht rupfe und aufesse. Darum, und vorausschauend sollte ich wohl eine Bockwurst auf die Wiese mitnehmen. Oder ein Beißholz. Wegen der Pfunde.
Hainbuche ist gut für Beißholz. Hart wie Eisen. Das können die Urenkel noch beißen.

Gütiger! Jetzt habe ich mich wieder einmal in der Welt der Psychopathen verirrt. Ich höre die Sturmglocke. Das bedeutet Alarm. Das bedeutet auch: Back to normal! Ja, ja, ja! Schon gut!

Gegen das Dunkle

Es gibt Tage, die uns vor besondere Aufgaben stellen. Eine dieser Besonderheiten ist die Monotonie. Die Tage vergehen scheinbar gleichförmig, und auf den ersten Blick sind sie es auch. Soweit die negativ geprägte Sicht einer Lebensphase. Optimisten werden widersprechen. Für sie haben die Tage Struktur. Ich glaube, so nennen sie Tagesverläufe, die durch die Uhr und die Pflichten bestimmt werden.

Tatsächlich spielen solche Betrachtungen keine Rolle. Was immer man als Monotonie erlebt, erschwert das Leben. Eine negative Emotion lastet wie ein Stein auf der Seele. Und eine neue Frage baut sich turmhoch auf: Wie kriegt man Farbe in sein Dasein?

Keine Frage, man muss einen Weg finden, sein eigenes Leben wiederzubeleben. Wenn sich der Blick verengt hat und in einen dunklen Tunnel gerichtet ist, wenn man also nicht mehr wahrnimmt, wie bunt die Welt ist, wenn die Melancholie den Tag dominiert, dann sollte man sich den Details zuwenden, die uns umgeben. Dann sind alle Sinne gefordert, und jedes Detail verlangt volle Aufmerksamkeit. Schon ein brennendes Streichholz kann faszinieren. Die olfaktorische Wahrnehmung einer Pfanne Bratkartoffeln kann belebend wirken und Musik kann berauschen – sofern man seine Sinne bewusst und konzentriert einsetzt, wenn man sich also frei macht von Störendem. Es ist wie beim Weintrinken. Je teurer der Wein ist, desto mehr Aufmerksamkeit beim Trinken wird verlangt.

Fundort für die hier gepriesenen „Miniaturen“ ist die ganze Welt. Wo immer man hinschaut finden sich geeignete Objekte. Nimmt man sie unter der Lupe als Buntes wahr, so entsteht beim intuitiven Zusammenfügen anstelle des dunklen Tunnels ein grosses, buntes Bild.

Man darf zweifeln. Es gibt mehrere gute Gründe, weshalb dieses Kochrezept nicht immer funktioniert. Aber ausprobieren kann man es schon.

Und nicht vergessen: Die Welt ist auch dann noch bunt, wenn wir schwarzsehen!

Schmieriges aus der BRD

Na, dann wollen wir mal.

Da ist ein Trigger, nämlich der kleine, schmierige Philip Amthor, und da ist die grosse Welt der Finanzen. Dumme Sache, denn ich sitze davor, sammle die wenigen Fakten, und unversehens geschieht, was fast immer geschieht: Alle Infos suchen sich in meiner Gedankenwelt einen Platz, und ohne jede böse Absicht schaltet sich die Phantasie dazu. Das Hirn köchelt noch 5 Minuten auf kleiner Flamme, und dann erstrahlt plötzlich ein lebendiges Bild, das von Amthor bis zu Larry Fink, dem CEO von BlackRock reicht. Ein kurzer Blick auf die Plausibilität ergibt, das Bild sei stimmig. So kann es gewesen sein!

Nur: So kann es nicht sein. Wieder einmal ist mein Gaul mit mir durchgegangen. Es fehlt jeglicher Beweis für meine Annahmen. Das Bild landet auf dem Müll. Ein wenig Trauer und einige unbestrittene Fakten bleiben zurück. Die Fakten kann man aufschreiben. Aber jeder interessierte Leser muss sich sein eigenes Bild malen.

Fakts:

BlackRock verwaltet Vermögen von insgesamt 7,4 Billionen US-Dollars. Das Unternehmen finanziert sogar Staaten. Entsprechend gross ist der Einfluss.

Friedrich Merz ist Deutschland-Chef von BlackRock. Er wollte dort aussteigen. Ich weiss nicht, ob das mittlerweile geschehen ist.

Merz traf Amthor in Berlin. Thema: ?

Amthor wurde von Augustus Intelligence engagiert, und reich beschenkt. Er ist deren Lobbyist.

Augustus Intelligence wird von zwei Deutschen geführt, einem Verkaufsgenie namens Haupt und einem IT-Mann namens Weinberger. Das Unternehmen sitzt in New Jork, ist aber in Delaware eingetragen. Grund: ?

Der deutsche Freiherr zu Guttenberg sowie der Ex-Verfassungsschutzpräsident Maaßen sind bei Augustus Intelligence engagiert. Ihr Job: ?

Augustus Intelligence hat nach Aussage eines Ex-Mitarbeiters weder Kunden, noch Produkte, noch Umsatz – also fast nichts. Aber der Firmensitz in New Jork ist die 77. Etage im One World Trade Center, also der feinsten, sprich teuersten Adresse in NJ.

Augustus Intelligence hat reichlich Kapital. Es ist bekannt, woher das üppig ausgegebene Geld stammt. Ein US-Milliardär hatte 70 Mio. USD investiert.

Amthor wurde als korrupt geoutet. Seine Partei. die CDU spielt das Vergehen runter auf das Niveau einer verzeihlichen Jugendsünde.

Die Linke fordert den Rausschmiss.

Alle anderen Parteien resp. deren Abgeordnete sind in Deckung gegangen. Warum wohl?

Dann kommt ein Clown, Nico Semsrott, und erstattet Strafanzeige gegen Amthor. Sie wird keinen Erfolg haben, da das deutsche Strafrecht zwar den verfolgt, der schmiert, aber nicht den, der nimmt.

Kritische Geister fordern seit langem eine saubere, gerechte Regelung zum Thema Lobbyismus und Korruption.

Im Europarat gibt es eine Initiative, die sich GRECO nennt und die zum Ziel hat, in der EU bessere Regeln zu installieren. Es ist ein Bündnis von Staaten, und Deutschland ist dort Mitglied.

Deutschland wurde gerügt, weil die neuen Regelungen teils halb, teils garnicht in die Praxis umgesetzt sind. Der Grund: ?

(Stand 17.6.2020)

So, das ist alles, was ich als Wahrheit präsentieren kann. Sieht ein bisschen wie ein Puzzle aus, nicht wahr? Viel Spass beim Zusammensetzen!