Parabel: Melusinde

Parabel: Melusinde

Ausgerechnet in Paderborn, einer der katholischsten Städte in der Bundesrepublik!
Man kann es nicht fassen. Aber dort in Paderborn, an der Jesuitenmauer gleich hinter dem Verlagsgebäude verbrachten drei Angestellte ihre Mittagspause. Sie hatten sich, dem schönenen Wetter geschuldet, zu einem Spaziergang entschlossen: Zwei Verlagsangestellte mit ihrem Vorgesetzten. Man beschäftigte sich während des Spaziergangs intensiv mit den Problemen des SC Paderborn 07 und seinen unrühmlichen Auftritt bei Fortuna Düsseldorf – als plötzlich direkt aus der Sonne eine Gestalt hervorschoss und sich vor dem Männertrio aufbaute: „Ich bin Melusinde, eine gute Fee, und jeder hat einen Wunsch frei, der sofort erfüllt wird!“ Und wusch – Melusinde war verschwunden. Der erste wünschte sich ein Hausboot in der Prinsengracht in Amsterdam! Wusch! Weg war er. Der zweite überlegte nicht lange und wünschte sich einen Palazzo am Canale grande in Venedig. Wusch! Der Chef stand nun allein an der Jesuitenmauer. Er liess sich Zeit. Dachte kurz an die Misère des FC Paderborn 07, verwarf die Idee, dem Fussball zu helfen und formulierte:

„Ich wünsche mir, dass die zwei Idioten nach der Mittagspause wieder an ihren Schreibtischen sitzen!“

Es ist nicht überliefert, ob Melusinde amüsiert war oder eher gallig.
Aber Kluge lernen aus dieser Geschichte Wichtiges:
„Lasse Deinem Chef immer den Vortritt!“