Auf dem Weg in die Ewigkeit

Langsam, und eher unbemerkt habe ich mich einem Lebensalter genähert, das nicht nur anregt, sondern unverblümt fordert, sich mit dem Tod zu beschäftigen. Diese Erkenntnis überkam mich heute früh, noch im Bett verweilend, und mitten in einem Entscheidungsprozess um die Frage, ob ich weiterschlafen sollte oder nicht. Natürlich fühlte ich mich gestört, und gar verstört, als ich begriff, welches Thema sich in den Vordergrund gedrängt hatte.

Nun bin ich gottlob jener Typ, der gerne mit Standardsprüchen hantiert, vielmehr parliert. Und einer meiner wichtigen lautet: „So geht’s aber nicht!“ Richtig. So nicht. Ich gönnte mir einen kurzen Monolog, um mich davon zu überzeugen, dass der Tod kein Thema für tief schürfende Betrachtungen sein kann – zumindest auf dem Festland. Bei den Briten mag das anders aussehen. Ich denke an Holyrood Palace in Schottland, wo es jährlich eine Woche lang spukt, indem eine alte Lady dort durch die Räume huscht und so tut, als sei sie die Queen. Aber das nur nebenbei.

Ja, der Tod. Fürchterlich? Was daran soll fürchterlich sein? Ich schaue zur Sicherheit etwas genauer hin, und entdecke – nichts. Ich finde nur meinen Verdacht bestätigt. Mein Tod bedeutet nur, tot zu sein. Wer da mehr vermutet, liegt meilenweit daneben.
Oder ….. wie ist das eigentlich mit Fall zwo, der Wiedergeburt?

Zum Thema Wiedergeburt mangelt es mir an Fachwissen. Ich bin also inkompetent und kann mich nur auf dem Niveau der Politik bewegen, also in der unteren Schublade.
Aber schauen wir mal.

Ich sterbe vor mich hin. Irgendwann trennt sich meine Seele von meinem Körper und sucht das Weite. Dann bin ich nicht mehr Mensch, sondern Leiche. (Stammt nicht von mir!) Ich bin nicht mehr ich. Das Ding da kann beseitigt werden. Das erledigt die Sondertruppe der Müllabfuhr, die mit dem schwarzen Daimler, den sogar Vorhänge schmücken. Das wäre in aller Kürze der irdische Teil meiner Betrachtung.

Die Seele ist auch nicht mehr meine. Sie gehört demjenigen, der sie mir geliehen hatte. Und dieser Jemand hat nun vielleicht ein Problem mit der Seele, die da zurück kommt. Möglich, dass sie beschädigt ist! Schliesslich kann das Leben grausam sein, nicht wahr?

So, wie das Ding zurückkommt, kann es nicht wieder verwendet werden. Man kann einem Fötus keine kaputte Seele mit ins Leben geben. Und oft genug verwendet schrumpft das kranke Teil von der Weintraube zur Korinthe. Dann kann man sie nur noch wegwerfen. Dabei ist sie angeblich kostbar!

Also: Die Seele kommt zurück ins Depot, muss überprüft und repariert werden. Nun sind im 2. Weltkrieg insgesamt 19,6 Millionen Menschen umgekommen. Wer bitte hat den Job mit den Seelen gemacht? Und es kommen doch täglich Hunderttausende dazu, weil immer gestorben wird wie verrückt!

Jene, die wir Seelenklempner nennen, sind es schon mal nicht. Sie sind im irdischen Teil des Systems angesiedelt und versuchen, im laufenden Betrieb die Drähte wieder gerade zu biegen. Das Rätselhafte liegt aber im Jenseits!

Zugegeben, ich bin mit dieser Frage überfordert und kann nur vermuten. Entweder man arbeitet im Him ….. wo eigentlich liegt das Seelen-Lager? Im Himmel? Quark! Nehmen wir hilfsweise an, es gibt dafür ein separates Universum. Dort arbeitet man nach dem Prinzip First in > first out. Die Quarantäne für kaputte Seelen dauert 24 Monate, weil die Zeit alle Wunden heilt. Die Zeit! Alle. Das macht für mich Sinn. An eine Allmacht, die per Segen 19,6 Millionen ramponierte Seelen für den Einsatz fit macht, mag ich nicht glauben. Aber eines weiss ich ganz sicher. Der Chef im Vatikan ist es schon mal nicht. Oder könnte er, und will bloss nicht? Unsinn. Franz ist nicht so einer.