Unstrukturiert

„Eine Struktur ist eine Anordnung und Organisation miteinander verbundener Elemente in einem materiellen Objekt oder System oder dem so organisierten Objekt oder System.“

So schön das gesagt ist – benötigt man es zum Leben? Oh ja, wird so mancher sagen. Mein Leben braucht Struktur, sonst fühle ich mich nicht wohl! Und Du lebst so unstrukturiert, so in den Tag hinein, nimmst, was kommt, und was nicht kommt, vermisst Du nicht mal – Du musst Dein Leben strukturieren, oder Du verkommst zum Penner!

Man sollte jeden gut gemeinten Rat überdenken, prüfen, was machbar und nützlich ist. Also setze ich mich in eine stille Ecke. Das ist nicht schwierig, da bei mir alle Ecken still sind. Aber es ist ein erster, richtiger Schritt hin zur Struktur. Ich fahre fort. Anordnen kann ich, und Organisieren auch. Das habe ich ein halbes Leben lang im Job gemacht. Im Geist hake ich das ab, und freue mich kurz, dass die Schritte 2 und 3 auch gemacht sind. Begierig falle ich über Schritt 4 her. Objekt oder System, das bin ich selbst. Ich rede noch einmal kurz mit mir, mache mir klar, wer hier was ist, und gehe zügig meinen Weg weiter. Schritt 5 soll mir erklären, was die Elemente sind, die mein Leben bestimmen. Mich fröstelt, und das Eis unter meinen Füssen wird plötzlich sehr, sehr dünn. Muss ich das etwa erklären? Bitte sehr. Ich habe in meinem langen Leben noch kein Element gesehen, auch wenn es eines gäbe. Bin ich tot, oder was?

Ich beschliesse, mich dem Problem von der theoretischen Seite kommend zu nähern. Ich, vielmehr nicht ich, sondern mein Leben ist System. Was rödelt da drinnen? Meine Tochter. Mein Computer. Mein Hunger. Mein Klo. Büroklammern und Gummiringe. Kurz alles um mich herum, was Mensch oder Sache ist. Und dieser ganze Krempel soll nun strukturiert werden. Kritisch überprüft und zu einem organisierten System umgestaltet. Bin ich deppert? Was nützt es mir? Ein systematisierte Leben fahren verlangt Dis zi plin! Da lass ich doch die Finger weg! Ich kann mir meine Kartoffeln auch ohne Struktur kochen, Hauptsache, mein Herd hat welche.

Lebe ich in einem System, dann bin ich strukturiert organisiert. Habe ich kein System, dann bin ich Chaot. Was immer ist – ich brauch das. Wenn ich suche, so finde ich immer das eine oder andere Systemchen. Sie können autonom sein, oder integriert – wen interessiert das? Sie haben sich in mein Leben geschlichen. Na und?

Ich verlasse meine stille Ecke mit einem zufriedenstellenden Ergebnis: Wenn einer meine Lebensart unsäglich findet, hat er selbst einen schlechten Tag erwischt. Meiner ist völlig in Ordnung. Er braucht den Psychiater – und ich maximal ein Rosinenbrot!
Und wenn ich will, kaufe ich mir drei Schweine und lasse sie draussen frei. Besser fünf. Und einen Eber. So etwas hat noch keiner gebracht! Strukturierte Hausschweine in der Wildnis einer Stadt! Hört sich das nicht an wie Keulchen von der Feldmaus auf einem Bett von Eierbriketts, gereicht in geminzter Erdölsosse? (aus dem Buch „Shell kocht britisch“)

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