Freiheit – eine Utopie? – 2 –

Ich gestehe, dass ich über Wochen nicht verstanden habe, warum es Proteste gegen die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie in den USA gibt.

Ich möchte einen Aspekt von vornherein ausblenden. Die gleiche Proteste in der BRD habe ihre Ursachen nicht in irgendeiner Ideologie, oder direkt in freiheitlicher Gesinnung. Die Protestler sind mehrheitlich Nachahmer und Dumpfbacken.

Um die Bürger in den USA zu verstehen, muss man zunächst nach Deutschland schauen. Ich habe mich in „Freiheit ….. – 1 -“ ausreichend gequält, um einen Standpunkt, eine Definition zu finden. Im Kern hatte ich mich auf die durch Regeln des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft reduzierte Variante von Freiheit festgelegt. Hier und heute betone ich das Recht des Staates, in begründeten Fällen unter Mitwirkung des Parlaments die Freiheit temporär einzuschränken, wie wir das in der laufenden Pandemie zur Genüge erfahren müssen. Ich akzeptiere auch den Schutz der Wirtschaft vor Konkursen, den Schutz der Arbeitnehmen vor Enlassung usw. Und ich kann mit notwendigen Kompromissen zu diesem scheinbar unlösbaren Problemkreis
gut leben.

Wenn wir Europäer von Freiheit für die Bürger reden, so meinen wir das Mass der Freiheit, das die Gemeinschaft uns bietet.

Schauen wir auf die USA. Dort wird der Staat gehasst, verachtet, ignoriert. Man bevorzugt nicht eine kollektive, sondern die individuelle Freiheit. Der Egoismus ist die vorherrschende Kraft jedes US-Bürgers, ist eine Selbstverständlichkeit, ist nicht verwerflich, und Handeln im Gemeinsinn ist immer eine freiwillige Leistung. Dieser Individualismus rechtfertigt auch den Besitz von Waffen, die weitgehende Privatisierung der Infrastrukturen usw. Es ist eine andere Welt.

Zur Befriedigung nationalstaatlicher Bedürfnisse hat man das Sternenbanner zur Hand. Unter diesem Symbol ist man ein Staatsbürger, ein Amerikaner. Pikant, denn es sind damit kaum Verpflichtungen verbunden ausser dem „Hurra“ und dem Flaggengruss. Wer sich den Spass gönnt, das Thema Steuern anzufassen, kann beobachten, wie die Stimmung umschlägt von Gemeinsinn nach Egoismus. Und interessdant ist die Feststellung, dass bei Staatsregie der Ärger hochkommt, dass man wie wir alle nur ungern Steuern zahlen, aber im Katastrophenfall vom Staat teure Leistungen verlangt werden. In Europa trägt die Solidarität. Und in den USA? Nur die dünn gesäten Privatinitiativen.

Die Covid-Pandemie in den USA zeigt – sofern man bei der Wahrheit bleibt – in aller Deutlichkeit, was die über Jahre laufenden Sparmassnahmen im Gesundheitswesen, wie die Republikaner sie so lieben und realisierten, heute bewirken. Wieder einmal sind die USA eine Gefahr für die Welt. Diesmal ist die Waffe nicht Atomkraft in fetten Granaten, Bomben und Raketen, sondern ein winzigen kleines Wesen, unser Corona-Virus. Sie werden es nicht kleinkriegen, sondern wieder in die Welt tragen, und wir werden vielleicht eine 2., 3. und 4. Welle zu ertragen haben, es sei denn, ja, es sei denn, der Auserwählte Topwissenschaftler macht wahr, was er angekündigt hat: Ende August 2020 ist die Pandemie zu Ende. Halleluja!

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