Zur Lage an der Front

Quelle: :kraftfuttermischwerk

Es sind nun zehn Wochen, seit ich mir meinen letzten Arztbesuch gegönnt habe. Unser ungeliebter Gast, das Corona-Virus hat mich dazu bewogen, auf Distanz zu Wartezimmern zu bleiben. Ich wollte keinesfalls riskieren, dass mich ein Covid 19-Luderchen erwischt, denn dann bin ich perdu, und sage der schönen Welt Adieu. Ich bevorzuge jedoch die klassische Form des Abgangs. Eine ordentliche Embolie und Peng!, Licht aus und Tür zu – das käme meiner Befindlichkeit schon sehr entgegen.

Aber, aber ….. das Leben ist kein Wunschkonzert. (Entschuldige bitte diese Plattitüde.) Und so kommt, was kommen muss. (Noch eine!) In dieser Woche m u s s ich zum Doc.Und das zwingt mich, das Ding umzuschnallen. Das Ding besteht offenbar aus dünnem, weissen Filz, den ein Hutmacher mit Wasserdampf geformt hat. Es sieht aber nicht wie ein Hut aus, sondern wie ein halber Büstenhalter mit Körbchengrösse „small“. Dieses Ding soll ich mir über die Nase stülpen? Man hat das Teil aufgehübscht mit gelben Bändern, die ich von hier bis zum Friedhof ziehen kann, und einen Metallbügel, der wohl verhindern soll, dass die Textilie zusammenklappt wie ein Waschlappen. So sieht das Gerät aus, das ich mir für den Arztbesuch ins Gesicht binden soll.

Ins Gesicht binden! Aber da, in meinem Gesicht ist schon etwas. Da ist meine Brille, und da ist mein Sauerstoffschlauch mit dem Teil, den man – zugegeben unsinnig – Nasenbrille nennt. Beim ersten Testlauf war ich zwar erfolgreich. Mit etwas handwerklicher Geschicklichkeit kriege ich das ganze Equipment ins Gesicht montiert, aber hat je ein Mensch danach gefragt, wie ich dann aussehe? Mit dieser Visage kann ich direkt bei „Star wars 10“ als Klone fighter mitmachen!

Nun kann man, vernünftig konditioniert, die Ästhetik auch mal vergessen und sich mit der Situationskomik begnügen. Man kann auch auf eine Prüfung verzichten, die sicherstellen könnte, dass die Maskerade verfassungskonform ist. Immerhin nimmt man mir das Recht, mich unbekleidet in der Öffentlichkeit zu bewegen – im Gesicht unbekleidet natürlich. Ich erinnere auch an Artikel 1 GG mit dem schönen Spruch zur Würde: Ohne das weisse Ding im Gesicht w ü r d e ich besser Luft kriegen! Und ich Kind dachte immer, das Würde des Menschen wäre unantastbar. Ist es nicht! Das muss gewusst werden.

So werde ich also am Donnerstag morgen eine Lebensphase erfahren, in der ich meinen eigenen Mief intensiv wegatme und nur deswegen nicht ohnmächtig umfalle, weil mir mein Konzentrator reinen Sauerstoff zuführt. Und ich werde beim Doc im Wartezimmer sitzen, über die seltsame Qualität meiner Atemluft sinnieren, also über ein Gemisch von natürlichem Mief und industriell hergestellten Sauerstoff, und dazu wird mir sicherlich eine Parallele einfallen, etwas Vergleichbares. Ja, wie zum Beispiel Erdbeerjoghurt. Die ist bekanntlich komplett künstlich, und nur der Becher ist akzeptabel, da echtes Plastik.

Leute, bitte betet für mich! Ich brauche das dringend!

5 Antworten auf “Zur Lage an der Front”

  1. Hallo Roland, ich musste ja wirklich lächeln.
    Mir ging es ähnlich: Letzte Woche musste ich mit meiner Katze zum Tierarzt und trug natürlich eine Maske. Es war zwar ungewohnt, aber ich hatte kein Problem damit. Muss ja keine Burka tragen. Mein ‚Ding‘ ist übrigens orange…wie meine Hose. Modisch geht die Welt zugrunde!
    Freitag geht’s zum Arzt. Hatte den Termin schon einmal verschoben. Jetzt bin ich mutig.
    Die Maske gibt ein gewisses Schutzgefühl…und danach wieder ab in meine Wohnung.
    Jeder muss für sich selbst beten. Es ist kein Männerschnupfen…nur eine Maske!

    LG

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    1. Liebe Gisela, ich muss Dir widersprechen. Es ist nicht nur eine Maske, sondern ein Symbol für Unfreiheit! Schon Apega, die erste Eiserne Jungfrau, unter dem spartanischen König Nabis so um 200 vor Chr. entwickelt, trug eine Maske, allerdings fest eingearbeitet. Die Methoden zum Machterhalt sind heute subtiler, darum ist die Eiserne Lady aus der Mode gekommen, und für alles gibt es Light-Versionen. Die moderne, leichte Maske wirkt nicht, wenn man sie trägt. Es gibt einen Satz warme Ohren, wenn man sie nicht umbindet, aber bei ALDI Schutz und Bequemlichkeit sucht.
      Grüße! Roland

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      1. Was ist das für ein Vergleich? Ein Folterinstrument gegen eine Maske, die andere Menschen schützt!? Das ist für mich überhaupt kein Symbol für Unfreiheit! Das hat auch nichts mit Machterhalt zu tun, sondern mit Fürsorge, den anderen gegenüber. Ob Grippevirus oder Corona: Ab einem gewissen Alter ist beides mehr als gefährlich. Wenn bereits eine Stoffmaske Unfreiheit bedeutet, müssten all diejenigen in einer Gruppe isoliert werden, die dort gerne ohne herumlaufen dürften…auch, wenn sich der Erste angesteckt hat. Das ist dann Freiheit! „Herr, geben Sie Gedankenfreiheit…“, den Menschen, die dazu fähig sind und keinen Unfug damit treiben.

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      2. Ist ja guuut! Mein Kommentar war nur als Fake gedacht. Heutzutage lernt man, den Gaögenhumor wieder zu schätzen. Er hat eine Schutzfunktion, in unserem konkreten Fall vor der Tatsache, dass wir weltweit schon mehr als 300.000 Tote zählen mussten. Wir leben nicht permanent in einem Gottesdienst, sondern im Alltag von Menschen, die sich um ihre Familien und um sich selbst sorgen. In dieser Situation sind ein kühler Kopf und besagter Galgenhumor eindeutig der Angst vorzuziehen. Das schliesst das Entsetzen über die Zahl der Schwerkranken und Toten keinesfalls aus. Das eine überspielt das andere.
        LG Roland

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  2. Lieber Roland, ja der hirnsaugende Aliens namens N95 in der eigen Visage ist kein Vergnügen. Jedes Mal, wenn man ihn abzunehmen versucht,stehlen dir zudem die gelbe Gummistrippen Haare vom Kopf.
    Vielleicht kann man ja den Tragekomfort verbessern, wenn man aromatisierte, austauschbare Papiertaschentücher in die Innenseite legt….Es bietet sich an: Bulette, Schokoladenkuchen, Gorgonzola, Lenor Aprilfrische, Deo vom Partner…
    Achja, für penetrante Besserwisser … BH Grössen…es gibt A (klein), B, C, D, E usw.
    N95 ist mind. B.
    Mann sollte sich da auskennen. Frau würde sich freuen…

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