Kalamität am Morgen

Heute früh erwachte ich, versammelte meine Sinne zu einer konzertierten Aktion, die allgemein als „Aufstehen“ bekannt ist, und noch in der Phase der Vorbereitung dazu legte sich plötzlich Melancholie wie ein schweres Tuch über mich, versetzte mich in einen Zustand, der mich handlungsunfähig werden liess.

So blieb ich in meinem Bett liegen, und spürte – ganz dem Schicksal ergeben – die Last auf meinem Gemüt, und ich genoss eine Stille, in der man seine Emotionen ungestört ausleben kann. So dachte ich …. bis sich schliesslich irgendetwas unter meinem schweren Tuch regte. Ich nahm einen Zipfel hoch und schaute nach der Störung, nahm ein schwaches Licht wahr und einen Gedanken: Jetzt eine Tasse Kaffee!

Unsinn, dachte ich. Es geht Dir nicht gut, Alter. Kaffee hilft nur Gesunden auf die Beine, Alter! Nun, der Gedanke liess sich nicht löschen. Aber ich wurde nicht schwach, blieb in meiner Mulde liegen und suchte nach neuem Stoff für Grübelei. Nun beschäftigte mich die Frage, ob Veränderungen konstant sein können. Aber weit gekommen bin ich nicht. Ich spürte erneute Bewegung unter meinem schweren Tuch, nahm den anderen Zipfel hoch, und sah eine helle Szene. Im Zentrum des Bilds standen Brötchen und Croissants.

Gütiger Gott, hilf! Ich bin nicht mehr ich selbst! Ich deliriere schon ohne Alkohol!
Nehme erneut einen Zipfel meines schweren Tuchs in die Hand und schaue nach dem Drunter – strahlende Helligkeit! Und ein neuer Gedanke, diesmal im Imperativ formuliert: Jetzt aber raus! Ich packte mein schweres Tuch, feuerte es in eine Ecke –
was für ein strahlender Morgen! Blauer Himmel, Sonne satt, überall blühts und wächst es, und ich muss nicht spazieren gehen! Ich denke, dieser Tag, der heutige wird noch ganz passabel. So lecker wie der Frühstückstisch, mit frischen Brötchen, Croissants und Kaffee satt.

Und meine Melancholie? Hausmüll. Graue Tonne. Wenn ich welche brauche, mache ich sie frisch.