Bilderstürmer

Münster, Ulm

Ich habe neulich zu Hofe eine harte, scharfe Predigt getan wider das Saufen; aber es hilft nicht.

(Martin Luther, anno domini 1517)

In der Tat, es hilft nicht. Es hilft niemals. Man mag es ….. falsch. Ich führe dieses Übel darauf zurück, dass dem Menschen zwei Welten offenstehen. Er geniesst den Segen der Religion genauso gerne wie den des Gasthofs. Und von Herrn Luther lässt er sich schon mal garnicht disziplinieren; Martin war auch kein Kind von Traurigkeit, sondern von grossem Durst.

Die folgende Geschichte ist ein Steinchen aus dem gewaltigen Mosaik deutscher Geschichte. Ich habe es nicht ausgewählt, sondern es ist mir einfach zugelaufen wie ein Hund. Ich schrieb es – stark gekürzt – auf, weil’s ein wenig Charme hat.

Es ist ein alter Hut, dass man in Ratssälen wie in Gasthöfen trefflich streiten kann. Und Streitgespräche können, wenn die Rahmenbedingungen es zulassen, zu Konsequenzen führen, wie es die katholische Kirche in einer ihrer dekadenten Phasen im 16. Jahrhundert schmerzlich hinnehmen musste. Es waren ausgerechnet Leute wie Luther in Deutschland, Zwingli und Calvin in der Schweiz, die erfolgreich gegen die Kirche opponierten und einen Reformkurs einleiten konnten. Aus Protestlern wurden Protestanten und Calvinisten, also neue Religionsgemeinschaften.

Luther war so um 48 Jahre alt, als seine Protestanten durchdrehten, indem sie versuchten, dem Katholizismus Gewalt anzutun. Sie bildeten Gruppen und spielten Bilderstürmer. Ihr Ziel war wohl, die Prasserei in den Kirchen zu beenden. Sie stürmten zum Beispiel das Münster zu Ulm im jahr 1531, um dort alles kurz und klein zu schlagen, was nach schön und teuer aussah.

Nun gab es in Ulm jedoch einen Verräter, der den Katholen den Termin für die Missetat mitteilte. So haben diese sich am Vortag mit allem, was Räder hatte, auf den Weg gemacht und das Münster so gut wie leergeräumt. Die wertvollen Sachen wurden von Bürgern der Stadt, also von Katholiken, Juden und Protestanten über die Stadt verteilt deponiert, wo immer ein Platz zu finden war. Selbst schwerste Steinstatuen emigrierten, ohne Tränen zu vergiessen. Fest installiertes, wie Kunst in Altarnischen hatte man rechtzeitig zugemauert.

Wie gesagt, am Folgetag, den man grosspurig „Götzentag“ nannte, fand dann in Ulm die Bilderstürmerei im Münster, dieser Prachtkirche statt. Man hat wohl ein paar Chorbänke und die Orgel zertrümmert und ist dann zufrieden weitergezogen.

Es ist anzunehmen, dass die „Beutekunst“ im Verlauf einiger Jahre den Weg zurück in ihre Kirche fand.