Über Ewigkeit

Wenn die Ungeduld Regie führt, reden wir davon, dass etwas eine Ewigkeit dauert, oder gar eine halbe! Unbedacht, wie wir sein können, riskieren wir damit Konflikte mit Sprachfetischisten. Angezickt kontern sie, die Ewigkeit habe keine Dauer, und sie könne auch nicht geteilt werden, und wie zum Teufel soll etwas eine halbe Ewigkeit dauern, wenn die ganze Ewigkeit keine Dauer aufweist, und überhaupt, Ewigkeit sei das Gegenteil von Zeit!

Dann stehen wir da in unserem kurzen Hemd, starren den Sprachbegabten an, und es fällt uns zur Verteidigung nichts ein. Und im Kleinhirn sitzt ein Teufelchen, das uns einflüstert: „Jetzt bloss nicht rechtfertigen! Nicht entschuldigen! Der Typ ist nur ein Aufschneider und weiss so wenig wie Du!“

Ob wir das wollen oder nicht – es kommt etwas in Bewegung. Wir bemühen uns, zusammenzutragen, was wir über die Ewigkeit wissen, denn wir wissen doch wohl, was sie ist. Infantiles wird mit Fantasiertem gekreuzt, aufgetischt, rasch wieder gelöscht, weil unsinnig, und es dauert eine halbe Ewigkeit, bis wir bekennen: Wir wissen garnichts.

Dumme Sache. Nun habe ich mich in einen Zustand versetzt, den ich nicht akzeptiere. Ganz und gar unappetitlich wird meine Situation, weil sich nun meine humanistische Halbbildung in den Vordergrund zu drängen versucht. Ich sage ihr, sie soll sich nicht bemühen, es gäbe kein Publikum zu beeindrucken, sie kann jedoch nicht mehr inne halten: Ich weiss, dass ich nichts weiss! Platon über Sokrates, in einer Apologie, was immer das sein mag, ha ha ha, mit den alten Griechen hab ich es nicht so.

WIKI liegt mir mehr als Platon. Die Ewigkeit sei wissenschaftlich nicht definierbar, lese ich in dort. Das wollen wir doch mal sehen, reagiere ich. Sie hat weder einen Anfang noch ein Ende, definiere ich, nur um später festzustellen, dass Platon und Plutarch das schon ungefähr so formuliert hatten. Ich bin also ein wenig spät dran. Die alten Männer sagen auch, die Ewigkeit wäre die endlose Zeit. Andere Leute meinen, die Zeit würde neben der Ewigkeit existieren. So denken Techniker. Ich habe mein eigenes Bild. Die Zeit ist ein Teilstück der Ewigkeit, das wir mit einem Raster, dem Zeitsystem für Jahrhunderte, Jahre, Monate, Tage usw. überziehen, um unser Leben zu organisieren.

Was macht man mit einer heissen Kartoffel? ….. genau. Das tue ich mit meinem Thema, und gebe R. M. Rilke das letzte Wort:

Das ist Sehnsucht im Gewoge,
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche, leise Dialoge
der armen Stunde, mit der Ewigkeit.

  1. Schon das Thema Ewigkeit / Zeit ist spannend. Nun kommt noch das mit dem Recht-haben-wollen obendrauf und das Ganze artet aus – bis in alle Ewigkeit, passt man nicht auf.
    Vielen Dank für die Zeilen.

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