Sonntägliche Gedanken

Soeben komme ich aus dem Badezimmer, öffne die Jalousie meines Fensters, und was sehe ich? Meinen Garten? Toll, Du Schlaumeier! Draussen ist nichts anderes!
Von vorne. Was sehe ich nicht? Da kommst Du nie drauf. Ich sehe keinen Sonnenschein.
Nochmal von vorne für Langsamdenker. Heute ist Sonntag. Nach vielen Sonnentagen bleibt die Sonne ausgerechnet an einem Sonntag abwesend. Ich ertrage solche Gedankenlosigkeiten nur sehr schlecht. Verschwände die Sonne montags, so könnte es die ganze Woche lang von oben kübeln, bis den Bauern das Wasser bis zum Hals steht und die Wälder von braun in das gewohnte Grün gewechselt haben. Aber was geschieht? Draussen ist es sonnenbefreit knochentrocken, und den Bauern steht das Wasser trotzdem bis zur Oberkante der Unterlippe. Ich spüre, wie sich meine Stimmung verändert von scherzando nach morendo (Angeberei!), also von heiter nach ersterbend! Das Allegro weicht dem Largo (ich kanns nicht lassen!)

Legen wir das Notenblatt beiseite. Heute ist nicht halb vier, sondern Sonntag ohne das von oben, das Sonn. Dieser Tag schmeckt wie Hühnersuppe ohne Huhn. Ich habe also über eine Nachbesserung nachgedacht. Einfach wäre, den heutigen Tag zum Montag zu erklären, doch das würde den Gregorianischen Kalender weltweit in Unordnung bringen. Eine andere, bessere Möglichkeit ist, aus dem Sonntag ein Regentag zu machen. dafür wird aber Regen benötigt, und der ist schwer zu beschaffen. Nun schwanke ich zwischen Arbeitstag, Feiertag und Festtag. Dieser, der Festtag scheidet aus. Er ist mir zu teuer. Ein Feiertag wäre machbar, aber mit einer Dose Bier und trocken Brot feiert man erbärmlich. Und Arbeitstage sind allgemein nicht sonderlich beliebt – so auch in meinem Haushalt. Aber mir fällt noch etwas ein. Ich bin da ganz sicher.

Endlich, wie vorhergesagt: Ich hab’s. Ich benenne diesen Sonntag um in Alltag! Ist das genial? Selbstverliebt habe ich mich in mein Inneres zurückgzogen, um einen kleinen Triumpf zu geniessen, bin jedoch unfähig, dort lange zu verweilen, und es treibt mich die Angst nach draussen, irgendwas zu verpassen. Dumm, wie ich sein kann, schaue ich erneut aus dem Fenster. Überall Sonnenschein! Überall S o n n t a g !