Ein Nachmittag

Es ist mal wieder Sonntag. Unglaublich, wieviele Sonntage es gibt. Ich erinnere mich. Damals, als ich noch in Lohn und Brot stand, war das anders. Es gab einfach zu wenig Sonntage. Heute, als Pensionist, scheint sich das Bild gewandelt zu haben. Wenn jeder Tag wie ein Sonntag ist, wird das Leben langweilig. Die Vergangenheit verklärt sich, und man beginnt zu mögen, was man früher nicht mochte. „Hej Alter, weisst Du noch, wie Du dem Finanzvorstand anderthalb Millionen aus den Rippen geleiert ….. „

Ich halte mit gediegener Selbstkorrektur dagegen: “ ….. und beinahe rausgeflogen wärst?“
(Wie kann man nur so blöde sein!)
Ich verordne dem Tag Struktur, indem ich mir zu Mittag eine Portion Essen hinstelle. Dabei achte ich streng darauf, jegliche Anstrengung zu vermeiden. Hole eine Pizza aus ihrem Panzerkarton und schiebe sie bei 220° für 12 Minuten in den Backofen. Etwas Mühe macht das Öffnen einer Flasche Rotwein – wenigstens liegt das dafür notwendige Werkzeug an seinem Platz, und so muss ich nicht suchen gehen.
Die Pizza selbst hatte einen Namen, den ich nicht erinnere, und die Qualität bewegt mich dazu, ihr einen Namen mit auf den Weg zu geben: Pizza senza il requisito.
Als Mensch mit Anstand in den Knochen übersetze ich das: Hefefladen ohne gute Eigenschaft!

Irgendwann spürte ich, wie sich meine Laune verschlechterte. Konsequent machte ich mich lang und verschlief den kompletten Nachmittag. Nun haben wir kurz vor sechs, und ich frage mich nach dem Sinn solchen Lebens. Schliesslich bin ich in Dauer-Quarantäne gefangen, körperlichen Qualen ausgesetzt, recht anspruchsvoll, und keinesfalls sicher vor dem Verlust meines rationalen Denkens. Und was dann?