Grüne Daumen

Vor ungefähr 12 Monaten hatte ich darüber berichtet, dass wir unseren Garten, das sind so an die 300 qm naturbelassen gestaltet haben. Unsere Nachbarn waren – und sind es immer noch – einigermassen entsetzt, denn das Ergebnis ist sehr undeutsch und deutet darauf hin, dass hier Faulpelze wohnen, die mit Gartenarbeit nichts am Hut haben.

Diese Sicht ist natürlich nicht richtig. Es wurde ein Pfad gemäht, man hat Hecken geschnitten, und auf mühsame Weise wurde Blühendes gepflanzt, und, die Wiesenblumen betreffend sogar falsch. Darum gibt es in diesem Jahr keine Wiesenblumen, und es wäre weniger arbeitsreich gewesen, 120 oiro in Scheinen in einem Loch zu vergraben.

Dennoch darf ich von einem guten Resultat sprechen. Es blühen Wildblumen und Sträucher wie Ginster. Die Insekten sind zurück, einschliesslich einer grossen Kolonie Feuerwanzen. Schmetterlinge haben zurückgefunden. Vögel ebenfalls, sie finden hier Futter und Ruhe zum Nisten. Die Katzen können nun wieder Vögel jagen, und der Mensch kümmert sich um die Katzen, die man gut gegart als „falschen Hasen“ kennt. Zumindest meine Generation ist interessiert – Erinnerungen an die Nachkriegsjahre werden wieder wach.

Ist das nicht toll, dass man auf lausigen 300 qm eine Nahrungskette so komplettieren kann, dass sie funktioniert bis ins letzte Glied?

Nun, wir vermissen noch dies und das. Das geht alles noch besser. Die Sache mit den Wiesenblumen – blamabel, wie sie ist – lässt keine Ruhe, und der zweite Versuch mit der richtigen Methode steht an. Schwierig gestaltet sich allerdings die Besiedlung mit Großwild. Schwarzwild lehnen wir ab, und Rotwild lehnt uns ab. Unser Waldbestand besteht aus einem alten Apfelbaum, der nur noch Murmeln produziert, aber zur Familie gehört und deshalb hier seinen Lebensabend geniesst, ohne beschnitten oder abgeerntet zu werden. Er heisst mit Vornamen Boskop. Das nur nebenbei.

Wie es scheint, muss nochmal investiert werden, um den Schandfleck der Siedlung auch für Niederwild attraktiv zu machen. Erst wenn Kaninchen die Tulpen abfressen, ist das Projekt gelungen.