Gedanken

Ich muss mal schnell einen Gedanken los werden.
Es ist so, dass ich keine Gedanken habe,
die ich los werden möchte.
Das ist es, was ich sagen will.

Nein. Nicht alle Gedanken sind gleich wichtig.
Dennoch bewahrt man Gedachtes,
solange im Gedankenhaus noch Plätze frei sind.
Es kann der Tag kommen,
der seinen Kurs steigen lässt.
Es ist wie beim Pilaw kochen.
Plötzlich sind sie da, die Berberitzen-Beeren,
und man freut sich unbändig:
Der Pilaw wird perfekt!

Bis zu solchen Momenten herrscht allerdings Unbehagen.
Das Gedankenhaus gleicht einem Opfer,
einem Opfer des Messie-Syndroms,
einem Universum voller Chaos,
bis die gezielte Abfrage eintrifft
und eine nicht erkannte Indizierung
den Platz findet, den Gedanken hervorholt,
ihn putzt und bügelt,
Kontext zusammensucht und hinzufügt
also alles vorzeigbar macht,
und dann präsentiert.

Das ist der Moment, die grosse Szene,
in der sich Gedachtes und Erdachtes
zu einem sinnvollen Bild zusammenfügen
und den Schöpfer
in besonderem Licht erscheinen lassen,
wenn sich Glanz über ihm ausbreitet
wie ein Heiligenschein,
und Expertise von ihm abtropft
wie Schweinefett vom Schnitzel nature.

Eine grosse Idee hatte ihn ergriffen
und leitet ihn hin zur Couch-Garnitur.
Hat er doch scharfsinnig erkannt,
dass ein Stromkabel
nicht den Weg zur Steckdose gefunden hatte.
Der Experte hilft mit grosser Geste nach,
und im Raum verbreitet sich Begeisterung.
Endlich, nach 3 1/2 Wochen
sind plötzlich Ton und Bild da,
auf dem neuen Gerät, laut und bunt,
und im Zweiten geht die „Titanic“ erneut unter,
wie in jeden Halbjahr.

Ein stiller Beobachter der Szene wendet sich ab.
Ein guter Gedanke wurde wieder einmal verschwendet,
hat seine Aureole an die Trivialität verloren
und ist künftig für jedermann kostenlos zu haben.