Gott und die Welt

Man redet über Gott und die Welt, und kennt keinen von beiden! Muss man? Eigentlich ist das nicht nötig. „Wir haben über Gott und die Welt geredet!“ ist schliesslich nur eine Killerphrase, mit der man das Verlangen nach Schilderung kompliziertester Gesprächsverläufe abwürgt. Man kriegt ohnehin kaum ein zweites Mal zusammen, wie unter der Prämisse „Frau als Papst“ der Eierpreis die Lebensdauer eines Basalt-Pflastersteins beeinflusst (Stammtisch-Philosophie!).

Nun hat der mündige Bürger aus dem politischen Alltag abgeleitet, dass mehr als dümmlich handelt, wer Phrasen auf ihren Inhalt zu überprüfen sucht.  Phrasen sind Sprache gewordener Etikettenschwindel. Man nimmt allgemein an, sie seien üblicherweise hohl. Hohle Phrasen müssen aber nicht zwangsläufig auch leer sein. Mein Senfglas ist hohl, aber halb gefüllt. Wie bitte? Mein Senfglas  sei keine Phrase? Gute erkannt. Aber „Gott und die Welt“ ist eine, gell? Und jetzt gucken wir mal rein. Deckel auf!

Nehmen wir GOTT. Spassvögel nennen ihn auch den alten Herrn, der über uns wohnt. So sind ruckzuck  Person und Ort festgemacht. Ja, zumindest imaginär, individuell, und auf naive Weise sogar intelligent. Ach ja, der. Hat gewiss keinen weissen Bart, aber egal! Auch wenn es ihn nicht gibt, Hauptsache, er ist da, wenn er gebraucht wird. Und flugs wird er – Gott natürlich – je nach Geschmack und Bildungsgrad im Ordner KIRCHE oder im Ordner RELIGION abgeheftet, quasi für kirchliche Events parat gehalten, dort, wo auch die zehn Gebote auf bessere Zeiten warten, in  Evidenz gehalten, bestenfalls.

Über Gott und die Welt reden heisst in der Regel, herumzuschwadronieren, und wohlerzogene Menschen vermeiden, dabei religiöse Aspekte mit durch den Wolf zu drehen. Genau, das gehört sich nicht. Ist intolerant. Das verletzt Gefühle. Und wenn der Pastor so etwas hört? Ob der mich dann noch unter die Erde bringt? Oder ob er den Preis für mein Totengeläut verdoppelt? Bei derartigen Schicksalsfragen kann man schon in betretenes Schweigen verfallen ….. ja, man redet dann über anderes – für den Moment. Maul halten und damit etwas Wichtiges sagen ist eine der höchsten Formen des Sprachgebrauchs – begabte Schweiger kennen den Trick. Zum UND.

UND ist leicht verständlich zu definieren, wenn man sich dazu der Schalttechnik bedient. Das AND-Gate ist eine elektronische Grundschaltung zur Realisierung der UND-Funktion im Sinne der Schalt-Algebra; sie realisiert die Verknüpfung zweier oder mehrerer Eingangssignale, ist im einfachsten Fall durch die Reihenschaltung mehrerer Schalter zu bauen. So simpel ist das mit dem UND.

Du zweifelst doch nicht etwa?

Redet man über DIE WELT, dann … also … über – hmmm.  Die Herkunft dieses Begriffs WELT ist zumindest jenen klar, die althochdeutsch parlieren können. „Weralt“ meint bekanntlich Menschenalter, Menschenzeit. Hast Du nicht gewusst? Nun, ich auch nicht. Gut, dass ich lesen gelernt habe. Wie man vor dem 6. Jahrhundert die Welt genannt hat, liegt jedoch im Dunkeln. Egal, man hat einen Aufhänger, an dem man festmachen und in logischen Gedankengängen eine Definition entwickeln kann, die schlussendlich in der Science fiction ihre letzte Erklärung finden mag, und man ist anschliessend in der Lage, der 96jaehrigen Tante die Heimat von E.T. plausibel zu machen.

Oder man macht in der Astrophysik fest, wenn es denn dort unbedingt sein muss, am besten irgendwo in der Nähe von Stephen Hawkins, der in jener Sphäre lebt und arbeitet, auch wenn er nun in Ermangelung weiterer Erklärungsmodelle über die Philosophie auf die Theologie zurückgreift, was sein Weltbild etwa so griffig macht wie einen Viertelliter Senf, oder man landet direkt in der Philosophie und versinkt in ihr, denn wer von den Weltendenkern hat nicht schon seinen Senf dazugegeben, nämlich praktisch alles, was Rang und Namen hat, hat gedacht, kommentiert oder kritisiert – was und wie auch immer.

Was also ist die WELT? Kostproben:

Die Welt ist die Gesamtheit der wirklichen Dinge im erkennbaren All. (aus der Kosmologie)

Die Welt als beseeltes Wesen (Philosophie der Antike), oder

Die Welt als göttliche Schöpfung. (Christliche Philosophie des Mittelalters)

Die Welt ist die absolute Totalität des Inbegriffs existierender Dinge. (Kant, Erkenntnistheorie)

Phänomenologisch: Sie ist der Horizont der Erfahrung (Husserl, kenn ich nicht), die Ganzheit der Welt ist als der offene Horizont der Raum-Zeitlichkeit zu begreifen.

In Weiterführung der Kant’schen transzendentalen und phänomenologischen Bestimmung von WELT ist sie die Allheit der Dinge begründenden ontologischen Kategorie als Charakter des Daseins, als Verstehenshorizont für das Seiende sowie für den Menschen, und zudem Entwurf des eigenen Seinkönnens, d. h. Welt ist die Ganzheit der Seinsmöglichkeit des Daseins (Martin Heidegger).

Hast Du auch alles mitbekommen? Ich gestatte mir ein Grinsen – wir zwei gehören zusammen, sind Brüder im Geiste!

Wahrlich: Das ist Kost für die Eisenfresser unter den unterdurchschnittlich Intelligenten. Zur Erinnerung: Die Phrase lautet REDEN UEBER GOTT UND die WELT. Für Astrophysiker: ph=(x+y+z) wobei ph = Gott und die Welt, x=Gott, y=und, z=dieWelt. Ich hoffe sehr, Du wirst wenigstens diese Gleichung ohne Mühe verstehen!

Es ist nun wohl angebracht, das Resultat der Überlegungen auf einen begreifbaren Nenner zu bringen. Es helfen uns dabei andere, simple Gleichnisse:

Man nimmt ein Brötchen, steckt eine heisse Wurst hinein, und hat als Resultat einen Hotdog. Oder: Grundgesetz+Politiker=fdGO (Leute! freiheitlich-demokratische Grundordnung!)

Nun, ich selbst komme mit der primitivsten Definition zurecht. Ich bin so,  ein Fan des AND-Gates (nicht zu verwechseln mit dem Bill-Gates), und WELT ist für mich unsere Erde mit allem, was drauf ist, drin ist und drüber ist. Mit allem, was ist und geschieht, was war und was sein wird, was materiell und was geistig ….

Längeres Nachdenken ergibt, dass, wer die Phrase von Gott und der Welt unüberlegt benutzt, sprachlich verantwortungslos handelt, nicht darüber nachdenkt, was er anrichtet.

Allerdings: Man könnte auch die Auffassung vertreten, ein Hinweis zum Gott und die Welt-Gespräch sei reine Sachinformation und bedeute, man habe verschiedenste Aspekte erörtert, ohne konkret zu werden, Entscheidungen zu treffen etc. Solche Gespräche seien in bestimmten Situationen ausgesprochen nützlich, dienten der Vorbereitung, dem Kennenlernen. 

Ja, ich denke, das auch. Viel Gerede um nichts – solange man die Philosophie rauslässt, die beim Phrasendreschen eh nichts verloren hat (sollte man als Laie denken).

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