Ein kleines Lied

Im Leben eines jeden Menschen entstehen irgendwann Situationen, die seelischen Schmerz verursachen. Und so sucht man Trost, und findet ihn in der Musik. Sie dringt mit Macht in das Bewusstsein und arbeitet sich ab, bis sie die Seele berührt. In desen Momenten überträgt sie ihre Kraft, einen Energiestrom auf die kranke Seele, und es kann geschehen, dass dabei Tränen fliessen. Was nach diesem Erleben bleibt, ist das Gefühl – oder das Wissen – dass ein Problem bewältigt, dass der Frieden wiederhergestellt ist.

Dazu fällt mir stets ein Sechszeiler von Marie von Eber-Eschenbach ein. Der geht so:

Ein kleines Lied

Ein kleines Lied, wie geht’s nur an,
dass man so lieb es haben kann.
Was liegt darin: Erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
ein wenig Wohllaut und Gesang –
und eine ganze Seele!

Na komm schon, lies nochmal! Es ist die ganze Seele, die es mir angetan hat. Seelenlose Politik, seelenloser Fussball, seelenloser Alltag, Taktik, Klischees, Mechanisierung, Automaten, Geldverdienen – sind wir eine Gesellschaft von Zombies geworden? Tut es nicht weh, einen seelenlosen Tag gelebt, ohne gelacht oder geweint zu haben? Oder tut es weh, und wir sind gegen diesen Schmerz unempfindlich geworden und spüren nicht mehr, wie wir kaputt gehen?

Nein, ich bin Optimist, und ich glaube fest daran, dass wir in schwierigem Fahrwasser nur einen Restart brauchen, das, was man im Neudeutschen Soulfood nennt. Die Musik gehört dazu; gemeint ist Musik, die man wirklich liebt. Sie führt uns wieder auf die helle Seite unseres Lebens.

3 Antworten auf “Ein kleines Lied”

  1. Ja, die Seele wurde in/aus der modernen mainstream Naturwissenschaft total entfernt. So einfach ist das aber nicht, sie meldet sich mit krank sein und spätestens auf dem Totenbett wieder.

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    1. Es könnte sein, dass man seine Seele selbst hüten muss wie einen Augapfel. Entfernen ist wohl nicht möglich, aber Verdrängung in Ecken, wo sie still leidet. Gute Therapien holen sie wieder in den Vordergrund – allzu oft irreparabel geschädigt. Das Totenbett? Ich brauche das nicht. Ich werde ohne so etwas sterben. Auch wenns nur Metapher ist.

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