Blumiges

Nein, einen Liebhaber von allem Blühenden darf ich mich nicht nennen, die Phantasie ausgenommen. Ich bin da eher oberlehrerhaft indifferent – doch, das geht schon. Zum Beispiel bin ich strikt gegen Pflanzen aller Art im Haus. Ich bin gegen die Missachtung der natürlichen Ordnung auf dem Planeten Erde. Bäume für Südfrüchte haben im Norden nun mal keine Zukunft, es sei denn, die Erdachse kippt um 180 Grad – leider ist dann aber der alte Süden ein neuer Norden. Erst wenn das Nordkap auf einem neuen Äquator liegt, lasse ich mit mir reden.

Bis dahin bestehe ich auf getrennten Haushalten. Ich drinnen, die Flora draussen. Und dann geschieht, dass ich das, was draussen vor sich hin vegetiert, nicht bemerke. Wer mich nicht anspricht, wird übersehen.

Ja, ich weiss. Ich mache dabei keine gute Figur. Besonders im Frühjahr, wenn die Natur erwacht und sich müht und quält, um eine anständige Figur zu präsentieren, bin ich nicht so ganz von dieser Welt; aber es kann Ausnahmen geben. Hier ist eine solche:

Vor meinem Bürofenster wächst eine Narzisse vor sich hin. Sie hat viele Blätter geschoben, aber nur eine Blütenknospe. Wenn ich richtig informiert wurde, soll daraus eine Osterglocke entstehen. Sollte, sage ich. Aber sie will, oder sie kann nicht. Seit mehr als eine Woche steht diese blassgelbe Blütenknospe vor meinem Fenster und öffnet sich nicht. Ich versuchte sie mental zu erreichen – vergeblich. Auch auf dieser Ebene öffnet sie sich nicht.

Und so hat diese Osterglocke meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und die 33 geöffneten Krokusblüten sehe ich nicht. Nun denke ich darüber nach, was ich aus dieser Situation für mich lernen sollte. Steckt da etwas drin, und wenn ja, ist es gut?

Das Luder öffnet sich einfach nicht. Nicht für mich! Vielleicht wartet sie auf die erste Biene, diese, diese …… Hure?