Blitzlicht: Antiquarische Sprüche

In der Zeit um 400 Jahre vor Christi Geburt lebte im antiken Athen Sokrates, ein Philosoph. Mit seiner Denkweise schaffte er nicht weniger als die Grundlagen unserer abendländischen Kultur. Er war ein Mensch mit aufrichtiger Gesinnung. Sein Leben wurde geprägt durch seine streitsüchtige Ehefrau Xanthippe, und durch die Athener Justiz, die ihm ein Todesurteil wegen angeblich verderblichen Einflusses auf die Jugend sowie Missachtung der Götter zustellte. Sokrates starb durch Gift, da er vermutlich die Obrigkeit Athens hart kritisierte. Mit dem folgenden Aphorismus wendete er sich an diese Obrigkeit, die er weder als klug noch als normal erlebt haben dürfte:

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Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser.

Sokrates, griechischer Philosoph

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Klarstellung: Dumm ist auch, wem die soziale Intelligenz fehlt.
Weiter im Text. Kommen wir zu Platon und Xenophon; sie lebten zu Sokrates Zeiten und waren seine Schüler.

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Für den bei weitem größten Betrüger hielt er den, welcher, ohne selbst tauglich zu sein, die Leute etwa betrogen hatte, indem er sie glauben machte, er verstände sich auf die Leitung des Staates.

Xenophon (430 – 354 v. Chr.), griechische Schriftsteller

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Alles nämlich, was im Staate nach Ordnung und Gesetz geschieht, bewirkt jegliches Gute; das meiste Ordnungswidrige und schlecht Angeordnete dagegen hebt anderes, was wohl angeordnet war, wieder auf.

Platon (427 – um 348 v. Chr.), lateinisch Plato, griechischer Philosoph

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Nun hatte auch Platon einen prominenten Schüler mit Namen Aristoteles, und dieser war nun wiederum ein Lehrer Alexander des Großen, einem König von Makedonien und erfolgreichen Kriegsherrn, der nur 33 Jahre alt wurde. Aristoteles meinte:

Der Staat ist eine Gemeinschaft gleichberechtigter Bürger zum Zweck der Ermöglichung der besten Lebensführung.

Schönes und Gutes aber kann weder von einem Menschen noch von einem Staate hervorgebracht werden ohne Tugend und Verstand.

Aristoteles (384 – 322 v. Chr.), griechischer Philosoph

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Ich habe keine Angst vor einem Heer von Löwen, das von einem Schaf angeführt wird. Ich habe aber Angst vor einem Heer von Schafen, das von einem Löwen angeführt wird.

Alexander der Große (356 – 323 v. Chr.), makedonischer König

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Die folgende Ergänzung rundet das Bild ein wenig ab:

Der Mensch braucht die Natur, die Natur braucht den Menschen nicht. Der Mensch ist Teil der Natur, er ist ihr nicht übergeordnet. Erst wenn er das begreift, hat er eine Überlebenschance.
Es gibt genug Politiker, die gerne das Richtige täten, wenn sie nicht wüßten, daß sie gerade weil sie das Richtige tun, die nächste Wahl verlieren werden.

© Richard von Weizsäcker (1920 – 2015), Richard Karl Freiherr von Weizsäcker, deutscher Jurist, CDU-Politiker, von 1984-1994 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland

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Unschwer zu erkennen, dass diese „Vordenker“ sich in der Antike mit einem Problemkreis beschäftigten, der bis in unsere Tage ungelöst geblieben ist: Politeia – Staatstheorie – Gerechtigkeit – Politikversagen – kultureller Abstieg.