Blicke durch fremde Brille

In den vergangenen Wochen habe ich mich sehr für Bildberichte über Naturkatastrophen interessiert. Das Netz ist voll davon. Bleibt man am Thema, so gewinnt man den Eindruck, dass die vier Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft in Aufruhr sind und eine gefährliche Zerstörungswut entwickelt haben. Allerdings ist diese Sichtweise nicht gerechtfertigt. Vereinfacht gesagt: Naturkatastrophen gibt es, seit es Natur gibt. Wer zum Beispiel damals dabei war, wird sich noch heute lebhaft an den Tod der Dinosaurier erinnern.
Warum also berühren uns solche Ereignisse so sehr? Es liegt auf der Hand. Der Mensch verliert immer. So ist er geneigt, das Geschehen auf dem Planeten Erde stets mit seinen Masstäben zu messen. Ein dummer Fehler. Es gelten die Masstäbe unserer Gastgeberin, der Mutter Erde.

Vielleicht ist es erforderlich, hilfsweise eine idealistische Sichtweise zu benutzen, um „die andere Seite“ zu verstehen. Unser Planet ist noch in seinem Entwicklungsstadium, somit noch nicht vollendet und stabil. Möglicherweise ist ein Idealzustand für die menschliche Existenz nur eine Utopie. Tatsache bleibt jedoch, dass sich unser Planet ständig umformt und seinen Zustand korrigiert.

Der Mensch dagegen ist Gast, und seinen eigenen Idealen verpflichtet. Kompatibilität mit Naturgesetzen zu erwarten ist dumm. Entsprechende Versuche bleiben zu häufig Stückwerk.

Nun neigt der Mensch dazu, die Schuldfrage zu stellen – und Schuldige auszumachen. Hierzu ein Beispiel: Die Eiger-Nordwand ist mörderisch! Der Eiger meint dazu, das sei eine bösartige Verleumdung. Wer in meine Nordwand einsteigt, akzeptiert das Risiko, sich selbst zu töten. Und wer sein Chalet unter eine Felswand baut, riskiert einen Felssturz.
Generell: Der Mensch neigt zum Risiko, wenn er sich einen Vorteil verspricht. Verstand und Vernunft sind veraltete Waffen und nicht mehr so sehr gefragt. Aber was immer geht: Glück oder Pech gehabt. Es ist eine seltsame Art der Rechtfertigung für menschen-gemachte Risikobereitschaft.

Nun, wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Eine Platitüde, uralt, aber wahr. Wer aber die Unzulänglichkeit der menschlichen Existenz auf der Erde mit dieser „Weisheit“ verbindet, hat sich in der Wirklichkeit verirrt und braucht dringend Hilfe.