Ein Tag beginnt

Für einen kurzen Moment war ich genervt. Mein Blickfeld hatte sich mit einer grossen, grasgrünen Wand gefüllt, und ich fürchtete um mein Sehvermögen – bis sich dieses Feld teilte, und die zweite Hälfte rot gefärbt erschien. Hmmm, dachte ich, das hatte ich auch noch nie, und beide Flächen teilten sich wieder, und teilten sich, bis alle Primärfarben einen Platz gefunden hatten. Hmmm, dachte ich erneut, irgendwie hat das Ganze System, und prompt begannen die Felder ihre Farbe zu wechseln, sodass aus Rot ein Blau, aus Gelb ein Grün, dann ein Rot oder ein Orange wurde, und dieses Farbenspiel so viel Dynamik entwickelte, dass man an Lebendiges glauben konnte. Man kennt diese Tiere, die ihre Hautfarbe wechseln können wie ein Hemd – nur schneller.

Mit grossem Interesse erkannte ich plötzlich, dass nun, im fortgeschrittenen Stadium Komplementärfarben arbeiteten. In schneller Folge mischten sie sich, und wurden zu Unfarben, also weiss oder schwarz. Es müssen so ungefähr 80 bis 100 Felder sein, die nun diese Wandlung erfuhren, und schliesslich war der Farbenspuk vorbei. liess ein oft gesehenes Schwarz-Weiss-Muster zurück, das ich zunächst als trostlose Figur empfand – bis ich Musik und eine leise Singstimme hörte, ja, ich erkannte einen alten Song, den fast jeder mochte: Ebony and ivory lives in perfect hamony side by side …. piano ….

Ich erwachte, schaute auf meine Uhr und erkannte unschwer: Zeit aufzustehen! Komm hoch, Alter! Wenn ein Tag mit einem solchen Traumbild beginnt, lohnt es sich, ihn bewusst zu leben! Im Eiskasten lauern Knoblauchgarnelen, und in meinem Kühlschrank wartet eine Flasche Riesling darauf, endlich gebührend beachtet zu werden.

Das Corona-Virus? Nicht mit mir. Ganz gewiss nicht heute. Dieser Tag gehört mir, und zwar bunt und ungeteilt.