Über den Fleckenteufel

Allein in der Küche sitzen, auf einem Knust trockenen Brots herumkauen und gelegentlich in einen Wurstzipfel beissen – das ist wie in Einzelhaft in Stammheim. Ich habe in meinem Leben viel Mist gemacht, aber das habe ich nicht verdient.

Ich möchte nicht dramatisieren, denn mit dem Beginn meines Single-Daseins war eine Problemlösung rasch gefunden. Ich packe mein Futter auf ein Tablett und schiebe es auf meinem Rollator in mein Büro. Dort starte ich den Fernseher, oder ein Video aus Youtube, und simuliere auf diese, imaginäre Weise Gesellschaft zur Mahlzeit.

Diese Praxis ist nicht sonderlich originell. Sicherlich handeln Millionen anderer Menschen auf dieselbe Weise. Aber verdammt nochmal, haben die auch alle Essensspuren auf dem Monitor? Warum muss ich andauernd Tomatensosse von der Scheibe kratzen, diese kleinsten Tröpfchen, die so sehr stören? Und wie kommt die Leberwurst dorthin? Ist es meine Art zu essen? Abends schnell und viel, um die Nacht zu überleben? Und warum hängt auf dem Monitor rote Sosse, aber nie Spaghetti, wenn man meine Art zu essen animalisch nennen möchte? Suppen und Sossen auf der Schreibtischplatte – nehme ich gelassen hin, die ist eh von IKEA. Zugleich auf meinem T-Shirt – hier wird’s schon kritisch, wegen Wäschewaschen etc. Aber auf dem Monitor mit seinen 26 inches? Da erzählt ein TV-Moderator irgendwas und hat einen Fleck auf dem Hemd. Ich freue mich, denke, der also auch, und dann geht der Moderator aus dem Bild – und der Fleck bleibt! Was dann kommt, ist als das Normale zugleich das Letzte. Finger nass machen und Fleck wegreiben. Der ist dann weg, dafür klebt jetzt meine Spucke, wo mal Tomate war. Na das sieht vielleicht unlecker aus! Also ab in die Küche und einen Spüllappen geholt. Dumm nur, da ist noch Kaffeesatz dran, weil ich bereits am Morgen mit Ferkelei begonnen hatte.

Ok, es reicht. Ich muss mir halt selbst auf die Finger sehen, denn ausser mir ist hier ja keiner. Und ich muss auf Steinpilzsosse umsteigen, die macht helle Flecken. Und erst die Mayo …