Ordnungsruf

Man stelle sich einen Bauern vor, der – fast zur Gänze in Grün gewandet – mit seiner Mistgabel damit beschäftigt ist, einen Kuhstall für 200 Stück Milchvieh auszumisten, und wie er, seinem eigenen ästhetischen Empfinden entsprechend, einen wunderschönen Misthaufen aufstockt.
Dann stelle man sich einen der typischen Stehkragenproleten vor, der an seinem Bankschalter Leute abfertigt, als wären sie Staubsaugervertreter, und dabei mit seinem Montblanc-Füller, das Meisterstück Platinum Line Classique triumphierend Luftkurven zeichnet, um zu demonstrieren, dass er „dazu gehört“, wozu auch immer, und der sich mit einer Mistgabel im Normalbetrieb zweimal in den Fuss sticht, bevor er den Mist von 200 Kühen auch nur auf eine Schubkarre geladen bekommt.
Der Bauer dagegen hat den billigen Montblanc, er kostet nur 525 oiro, zweimal zerbrochen, bevor er 30 Wörter zu Papier bringen konnte.

Was lernen wir aus diesem Bild?

„Jedem das Seine!“ Tatsächlich?
Oder eher: „Der Autor (das wäre dann ich) ist ein arrogantes Arschloch!“ Schon besser!
„Der Banker auch!“ Nun ist man ganz nah dran.
Und der Bauer? Ich kenne ihn nicht. Habe nur an seinem Misthaufen gesehen.

Schon kommen sie hoch, wie Sodbrennen, die Klischées. Aber ich weiss, dass ich mich nun zur Ordnung rufen muss. Ich erinnere mich an meinen Wertemasstab. Er ist schlicht, und darum Allgemeingut:

„Jede gute Arbeit verdient, gewürdigt zu werden. Das verdienen die Klofrau und der Vorstandsvorsitzende gleichermassen, und das ist ein Gebot der Menschenwürde.“

Wie bitte? Aber ja doch! Das gilt auch für Bauern und Banker.