Brexit kurios

Zwei Inseln, drei Staaten, eine Identität – ja, so etwas gibt es tatsächlich! Ich berichte von Anguilla, eine britische Kolonie und von St. Martin, eine je zur Hälfte von Frankreich und den Niederlanden verwaltete Kolonie, beide Inseln in der Karibik, nur 10 km voneinander entfernt und nahezu familiär miteinander verbunden.

Und dann kam der Brexit. Das britische Anguilla wurde damit ausgegrenzt. St. Martin = EU, St. Martin = GB. Nun befürchtet man zu Recht, dass das freundschaftliche Miteinander durch neue Regeln aus London gefährdet ist. Man vermutet, dass man nie mehr gemeinsam Hähnchen grillen und wegfuttern darf, weil die Einfuhr von Frischfleisch aus Nicht-EU-Staaten wie Anguilla verboten wird, und das Fischereirecht zwischen beiden Inseln zum Konflikt gerät.

Die Menschen dort haben mehr Verstand als ihre Kolonialherren in GB. Und zu Recht trauen sie den EU-Bürokraten jeden denkbaren Schwachsinn zu. Wer je eine Norm für Salatgurken erdacht hat, ist gebrandmarkt für die Ewigkeit. Und noch einmal: Zu Recht!

Wenn die Insulaner ihre 5 Sinne benutzen, lösen sie das Problem auf die einfachst denkbare Weise. Die 15.000 Menschen von Anguilla nehmen die EU-Fahne runter und verpacken sie motten-sicher für später, und hängen den GB-Lappen in den karibischen Wind. Ansonsten leben sie weiter wie bisher und scheren sich einen Dreck um den Brexit und seine erdachten Folgen. Man hat sie zur Trennung nicht gefragt, also sollten sie diese Trennung einfach ignorieren – sie sind weder für London noch für Brüssel von Bedeutung. Zugleich können sie auf Anguilla für den Ausfall der EU-Subventionen in London Schadensersatz geltend machen. Und sie sollten so lange laut und klagend trommeln, bis der Usurpator Johnson in Downingstreet 10 die Nerven verliert.

Am Rande: Ein kluger Anguillaner, Marketingfachmann in Pension urteilte über die Upperclass in GB, indem er feststellte: Die sind hochgebildet und absolut fit gemacht für Lügen und Betrügen. Mehr könnten sie nicht, und mehr brauchen sie nicht, wie ihre History beweist.
Diese Auffassung deckt sich mit meiner Meinung zu 100%.

Nebenbei bemerkt

Es ist 8 Uhr und ich döse so vor mich hin, als ich mich wieder einmal in der deutschen Sprache verirre. Das passiert mir gelegentlich, und ich weiss nicht, wieso. Es mag seine Ursache in dem Umstand haben, dass mir meine schlampige, von Faulheit geprägte Lebensweise zu wenig abfordert, ich also einfach zu viel Zeit übrig habe. Was weiss ich schon.

Nun könnte man sich fragen, warum ich aus solcher Nichtigkeit ein Thema mache und darüber auch noch in meinen Blog schreibe. Die Antwort ist einfach. Ich pfeife auf das Thema, ich schreibe, weil ich schreiben mag. Und im Hintergrund lauert eine zweite Begründung, die nicht ganz so einfach scheint. Ich schreibe in dem Glauben, dass ich über alles schreiben kann, sogar über nichts. Das ist natürlich Imagination, also schöner Schein – dennoch ist es meine Religion, ich, der Atheist g l a u b e ! Und das, obwohl ich weiss, dass man aus Scheisse keine Venus kneten kann. Siehst Du die Widersprüche?

Nun, das ist kein Drama. In meinem Kopf rattert halt das Räderwerk wie in meinem alten Wecker. Keine Sorge, ich weiss Bescheid über die Biochemie im menschlichen Körper. Das mit dem Räderwerk ist nur eine Metapher. Aber vielleicht kocht etwas in meinem Kopf, kocht über, brennt an und verdirbt, und das bei 36,8 ° C? Ich sollte jetzt wohl zur Sache kommen.

Sache ist: Da gibt es das Wort „mein“ und dazu die „Meinung“. Ist Meinung ein Event, etwa wie Versammlung? Und Meinung gehört mir, da sie sich aus mein ableiten lässt? Wieso haben dann andere Menschen auch eine Meinung, und nicht eine Deinung oder eine Seinung, und Frauen eine Ihrung? Einen Plural wage ich erst garnicht zu bilden!

Geschenkt. Mit dieser irren Schote bin ich vorhin aufgewacht. Und nun frage ich mich, wie dieser, der heutige Tag wohl verlaufen wird, irre wie er begann, oder gar bescheuert, um meinen Lieblingsminister aus Berlin ins Spiel zu bringen, dessen Name mit seiner geistigen Verfassung so wunderbar harmoniert!

Schon gut. Ich höre ja auf.

Hilferuf

Seit ich gehört habe, dass das Corona-Virus nun auch meine Region erreicht hat, flattert mir das Hemd wie im Tornado, zumal mich vorbeugende Massnahmen überfordern. Es ist vielleicht altersbedingt, aber ich brauche ganz dringend Hilfe. Dazu kann ich mich leider nicht auf meine Nachbarschaft verlassen. Ich rede von Vorbeugen und erhalte als Antwort, das sei gut, das sei besser als Bücken. Solche Sprüche treffen mich hart, insbesondere weil mich zur Zeit ein massiver Hexenschuss quält.

Nun aber zur Hauptsache. Ich habe zur Covid19-Pandemie nur wenige Fragen:

  1. Nützt es, wenn ich mir eine Gasmaske mit vorne geschraubtem Filteraufsatz aus dem Zweiten Weltkrieg aufsetze, wenn ich das Haus verlasse, um aus meinem Briefkasten die Werbung zu entfernen?
  2. Wenn ich die Werbung anfassen muss, könnte ich mich infizieren. Also sollte ich Handschuhe tragen. Ich habe welche aus Wolle. Kann ich die desinfizieren, wenn ich sie gewaschen bei 200 Grad im Backofen trockne?
  3. Heute habe ich dreimal nicht in meine Armbeuge geniest, sondern ungeschützt in mein Büro. Bin ich ein Superspreader, und was muss ich nun tun?
  4. Meine Olivenseife, ein Brocken Savon de Marseille von Fabre riecht nicht gut. Ist sie zum Händewaschen (zum Protestwaschen gegen Corona!) geeignet?
  5. Ich soll mich von Menschenmassen fernhalten. Wo bitte soll ich eine Menschenmasse für meine Zwecke finden? Ich kann leider mein Haus nicht verlassen!

Panik! Ich stehe mit einem Bein im Grab! Wer hilft?

Antwort 1: Bolle77 „Auf das Coronavirus ist Verlass. Warte ein wenig.“
Antwort 2:

Das Ende vom Lied – ein Lied vom Ende

Festgebacken auf der Erde
liegt die Gurke, voller Sand.
Heute muss Salat sie werden!
Frisch, das Messer nimm zur Hand!

Wenig später liegt´die Grüne
auf dem Tisch, dass man sie quäle.
Die Hausfrau tritt nun auf die Bühne,
und kommandiert: Voran! Nun schäle!

Der Küchenknecht gehorcht gequält
und Streif´um Streif´verliert sie Pelle
die arme Gurke! Liegt entseelt,
gehobelt in Minutenschnelle.

Gescheibelt fehlt ihr nun die Kraft,
sie hat sich aufgegeben.
Und trostlos rinnt der Gurkensaft.
Zu Ende ist ihr Gartenleben.

Die Zwiebel ist nicht besser dran
gewürfelt muss sie sein!
Das Auge tränt, es flucht der Mann –
er schneidet trotzdem fein.

Der Dill hat längst kapituliert,
hängt schlapp im Wasserglas.
Die Hausfrau kommt und kontrolliert,
bemängelt dies und das.

Die ist zu dick, das ist zu grob!
Sooo macht man das korrekt!
Ergeht sich dann in Eigenlob –
nur Frauen sind perfekt!

Darum zerkleinert sie den Dill
von eigner Hand, und meckert.
Der Küchenknecht verzieht sich still,
grad nicht mit Ruhm bekleckert.

Die Schüssel nimmt das Ganze auf,
rasch durchgemischt muss sein.
Dann noch die Marinade drauf
und in den Kühlschrank rein.

Die Gurke landet auf dem Tisch
nach kurzem Permafrost,
liegt schliesslich neben totem Fisch
und trocknem Riesling – Prost!

Kartoffeln sind nun rasch gepellt.
Am Tische sitzen Schurken.
Böses regiert die Gartenwelt:
Nur tote sind auch gute Gurken!

Einsam

Einsamkeit ist Folter.
Ein alter Mann sitzt in seiner Küche
und starrt abwesend in seinen leeren Teller.
Er kennt dieses unsägliche Gefühl des Alleinseins zur Genüge.
Schliesslich begleitet es sein Leben seit geraumer Zeit,
und er leidet oft. Allzu häufig packt ihn die Einsamkeit
und lässt ihn erstarren, raubt ihm Lebenszeit
und hinterlässt ein Gefühl,
als sei er soeben dem Rigor mortis knapp entkommen.
Was für ein Leben, denkt er, und immer wieder
drängt sich ihm die Frage nach dem Sinn seiner Existenz auf.
Dann bäumt sich etwas in seinem Inneren auf, protestiert
und verweist auf eine Tatsache: Ich lebe!
Umgehend meldet sich sein Alter ego und fragt nach dem Wie,
und ob man Leben nennen darf,
was in die Küche vor einen leeren Teller
und in eine depressive Attacke zwingt.
Das Leben da draussen ist mir fremd geworden,
und die Blumen blühen ohne mich, ich glaube …..

….. seine Erstarrung löst sich. Er hört etwas, und er hört zu.
Es ist Musik, die von nebenan zu ihm durchdringt,
und dies nicht nur durch eine Wand,
sondern auch durch den unsichtbaren Panzer, der ihn umgibt
und seine bewußte Existenz auf ein Minimum reduziert.
Es ist jene Musik, die ihn stets sehr tief berührt. Er hört Solvejgs Lied
aus der Peer Gynt-Suite von Edvard Grieg.
Der alte Mann spürt, wie etwas in ihm zerrissen ist.
Es ist bleibt ein Gefühl von Frei sein – und er beginnt zu weinen.
Erst mit dem Schlussakkord des Lieds gelangt der Alte
in einen Zustand der Ruhe. Er fühlt sich noch immer frei und aufgeräumt,
und nun in der Lage, zu denken.
Nein, sagt er, ich bin nicht wie er. Ich bin nicht ein Peer Gynt,
ein Mensch, der unstet seinem eigenen Leben nachjagt,
um seine Identität zu finden und damit sein Leben
und das Solvejgs vergeudet.
Das bin ich nicht, und das war ich nie.
Ich hatte immer ein gutes Leben, und ich habe es immer noch.
Ich muss nur daran festhalten.
Mit einem Blick auf den Tisch stellt er fest:
Ein leerer Teller bedeutet nicht Hunger.
Ein leerer Teller bedeutet, eine gute Mahlzeit genossen zu haben.
Mit diesen Gedanken greift der Alte zu Hut, Mantel und Regenschirm.

Eine Missgeburt

Schweres Wetter liegt über der Stadt.
Dunkle Wolken hängen tief,
senden Regenflüsse an die Erde,
und Blitze suchen schnelle Wege
für den Fluss ihrer Energie.

Die Erde verweigert sich
wie ein volles Wasserglas.
Läuft über
und reicht die Verantwortung weiter
an den Fluss und seine Wasserspiele.

Doch der gute alte Fluss
verweist auf sein volles Bett,
hat längst Uferlinien ignoriert
und vergebens auf Entlastung gewartet.
Er tut, was er am besten kann: Er lässt laufen.

Das Wasser, wichtig für alles Leben,
hat nur eine Aufgabe.
Es folgt der Schwerkraft und fliesst irgendwo hin.
Kommt zur Ruhe, wird zu Kristall in Kälte
oder verdunstet, mutiert zur Wolke.

Und der Mensch? Mal haßt er,
mal liebt er das Wasser,
mal trinken, mal ertrinken,
gebadet werden oder baden gehen,
aber Nässe immer hassen!

Sonne fordern bei Regen oder
Regen fordern bei Sonne,
Sonnennergie zu Geld machen,
Wasserkraft zu Geld machen.
Atemluft umrechnen in Dollars.

Wo und wie lebe ich?
Mein Lebensraum oder mein Alptraum –
bestimmt sich nur durch mich.
Eine Sonne? Ein Weizenfeld?
Kann ich mir malen.Die Natur ist unbarmherzig.

Am Rande bemerkt:
Bekanntlich liebt man auch seine missratenen Kinder,
wirft sie also nicht in den Papierkorb.

Depression

Wieder so eine Abend.
Fragmente irren durch meine Gedankenwelt.
Finden keinen Platz zum Festmachen.
Ich schliesse die Augen.
Reduziere die Impulse von ausserhalb.
Eine Wohltat. Für den Moment.
Aber ein blinder Abend ist nicht sehr attraktiv.

Ich schalte die Aussenwelt wieder zu.
Spüre, wie die Betriebstemperatur steigt.
Mein Kopf verlangt dringend Kühlung.
Manches wirkt, also plündere ich den Kühlschrank.
Und mit jedem Schluck kühle ich ab.
Aus der Gedankenflut wird ein Rinnsal.

Das Heute weicht zurück.
Schafft Platz für anderes.
Und Gedankenkontrolle gewinnt an Boden.
Plötzlich ist sie wieder da,
die Erinnerung an meine Begegnung mit dem Tod.
Glasklare Bilder scheinen real, und foltern.
Meine Seele bäumt sich auf.

Das Jetzt gewinnt seinen Platz zurück.
Gedanken kreisen erneut, aber anders als zuvor.
Sie haben an Gewicht gewonnen.
Sinken ab und bleiben liegen.
Ich bin nun müde.
Ich schlafe, und träume. Danach:

Ich finde zurück in meine Spur.

Surreal: Zum Sturmtief „Sabine“

Draussen tobt ein Sturm.
Drinnen Grabesruh.
Am Berg hoch oben steht der Turm
unten im Tal steht eine Kuh.

Der Sturm dreht auf, und es gelingt:
er brüllt, der Turm fällt um.
Die Kuh steht fest, ihr Euter schwingt.
Aber sie leidet stumm.

Dann geht der Sturm, es kommt der Knecht
die Milch war wieder mal sein Ziel.
Nun stellt er sich die Kuh zurecht,
erwartet von ihr viel zu viel.

Die Kuh verweigert jetzt das Futter.
Nur Buttermilch tropft aus dem Maul.
Im Euter hat es leider Butter.
sie hustet wie ein kranker Gaul.

Zu retten ist da garnichts mehr.
sie ist nun auf dem Weg zur Suppe.
Das Butter-Euter ist jetzt leer –
dem Bauern ist die Kuh nun schnuppe.