Babylon Berlin

Vor mir auf dem Tisch liegt etwas, das ich als Zumutung empfinden könnte. Man hat mich so lange bearbeitet, bis ich die Segel strich und mit einem schlichten „Ok“ zu meinem Seelenfrieden zurückfand. Problem gelöst? Mitnichten. Sie liegen seit Wochen vor mir auf meinem Schreibtisch – vier DVDs mit 16 Episoden und dem Titel „Babylon Berlin“. Und es kommt noch schlimmer. Die dritte Staffel mit weiteren 8 Episoden stehen als Bedrohung im Raum, und wenn ich warte, bis diese Last  mich gefunden hat und den Stapel auf 24 Episoden erhöht hat, so stehen mir 24 harte Stunden bevor.

Die Härte: Ich mag keine Episodenfilme. Wage ich mich trotzdem an das Material, dann nicht ohne eine gute Planung, was das leibliche Wohl betrifft. Ich strebe dabei ein Optimum an. Da wären zum Beispiel (24:3=8)acht halbe Liter Starkbier plus 3 Flaschen Riesling kaltzustellen. Ferner müssen 1000 g Kartoffelsalat hergestellt werden, dazu so um die 8 Regensburger Würstchen. Zum Naschen zwischendurch brauche ich 3 Pakete Käsestangen, 200 g Studentenfutter und einen Käsekuchen aus der Fabrik.

Anstelle von Kaffee nehme ich zwei Flaschen Sekt halbtrocken.

Dies ist die Basis für 24 Stunden Kino. Ich werde meine Tochter einkaufen lassen, den Kartoffelsalat zurecht machen und den Startzeitpunkt so fixieren, dass mir der Pflegedienst nicht in die Quere kommt.

Und ich werde mir die ersten 4 Episoden ansehen und dann friedlich einschlafen. Wenn ich dann nach acht Stunden erwache, weiss ich nur eines: Ich kann wieder von vorne beginnen. Alles wird sich wiederholen – nur der Kartoffelsalat wird irgendwann schlecht, und die Regensburger werden sich zu Giftbomben weiterentwickeln. Nur der Käsekuchen hat sich bislang tapfer gezeigt. Ich hatte vergessen, ihn aufzutauen.