Bekenntnis

Ja, ich bekenne: Ich kann nicht kochen.
Schlimmer.
Ich will auch nicht kochen.
Und ganz garstig: Ich muss es dennoch tun.
Rohkost ist nämlich nicht mein Ding.

Natürlich habe ich nach dem Tod meiner Frau damit begonnen, Ausweichmanöver zu fahren. Jeder kennt sie. TK-Kost, Suppen in Blechkübeln, Pasta bis alles pappt, Obst usw.

Diese Fluchten in die Unterklasse des Küchenwesens gelingen auf unbestimmte Dauer, bis dann ….. ja, bis dann ein unwiderstehlicher Wunsch nach einem saftigen Schweinebraten
mit Rotkohl, Semmelknödeln und einer leckeren Sosse Oberhand gewinnt – und schon liegt ein Kilo Schweineschulter auf dem Küchentisch, und die kochende Null versucht sich zu erinnern, wie das mit dem Schmoren geht und, aufgemerkt, wie man eine erstklassige Sosse hinkriegt. Eine normale Sosse ist nicht gefragt. Es muss, ja, es muss dann eine erstklassige werden.

Das trifft sich gut. Wenn ich in der Küche etwas kann, dann sind es neben dem Abwasch die Sossen. Wenn dabei aus einer dunklen Bratensosse eine helle Spargelcremesuppe geworden ist – macht nix. Hauptsache gut.

Es kann auch anders kommen. Ein Doktorand der Medizin hatte seine kleine Küche renoviert und sich dann zur Feier des Erfolgs eine Dose Ravioli heiss gemacht – ohne die Dose zu öffnen. Nach Abschalten seines Herds begann er damit, seine kleine Küche erneut zu renovieren. Seine Mahlzeit nannte er „Ravioli dappertutto“, also Ravioli überall, und Tomatensosse mied er nun wie der Teufel das Weihwasser.

Seltsam, wie hinterhältig das Leben so zuschlagen kann, nicht wahr?