Ein Moment am Montag

Die Roggen-Ernte im letzten Jahr war in jeder Beziehung durchschnittlich gut.Das ist auch für mich wichtig, denn ich bevorzuge ein Roggenbrot aus Sauerteig, so um 70% Roggen und 30% Weizen. Nun habe ich dieser Tage ein Mysterium erlebt. Es hat sich eine Dose Pumpernickel in meinen Brotkasten verirrt. Keine Ahnung, wer mir diesen Streich spielte. Über meinen Verdacht äussere ich mich nicht.

Es muss eine Person gewesen sein, die wie ich keinen Pumpernickel mag.

Nun plagt mich zu diesem Problem ein kleines Teufelchen. Ständig sehe ich diese Brotdose vor meinem geistigen Auge und verbinde sie mit einer fernen Erinnerung, nämlich dass Pumpernickel und Käse sich so gut vertragen, dass sogar ich damit leben könnte. Und wie es dieses Teufelchen so will, habe ich einen reifen französischen Weichkäse im Kühlschrank liegen sehen, und in der Küche riechen können.

Aufgemerkt: Die Tatsache, dass ich darüber schreibe, ist veräterisch. Ideen blitzen in meinem Gehirn. Ich sortiere und verdränge, und sie kommen aus der Deckung und formieren sich zu einer Macht. Sie sind in versammelter Weise darauf aus, mich zu besiegen. Vermutlich schaffen sie das auch. Während ich hier tippe, formen sie ein Tablett mit dem fremden Pumpernickel, meinem Käse und – obwohl Montag ist – eine Flasche Rotwein, einen Primitivo aus Apulien, der auf mich eine Anziehungskraft ausübt wie ein starker Magnet auf einen rostigen Nagel. Jaja, auch das noch!

Und ja, ich habe verloren. Ich, ein Kerl wie ein Baum mit einer Willensstärke wie ein verfressener Golden Retriever. Nach einem Vierteljahrhundert Abstinenz werde ich jetzt dieses schwarze Pseudobrot essen – meinem Käse und dem Wein zuliebe. Schliesslich bin ich 80, und wenn mich diese heutige späte, ungesunde Mahlzeit 23 Minuten Lebenszeit kostet, so ist mir dies ziemlich egal. Den Verlust werde ich in meinem Leben nach dem Tod ausgleichen, damit alles seine Ordnung hat.

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