Ich will …..

Man stelle sich vor, ein Berg in den Allgäuer Alpen, meinetwegen der gefährdete Hochvogel würde endlich seinen längst erwarteten Felssturz erleiden, und dabei käme ein tonnenschwerer Fels ins Rollen, durchschlüge meine hintere Hauswand und bliebe in meinem Büro genau vor dem PC liegen. Dieser Brocken hatte seine Mobilität nur der Schwerkraft zu verdanken, und diese Power hilft ihm nun nicht weiter. Der Fels wurde zu einer in Stein gefassten uralten Immobilität.

Wer dieses Bild vor Augen hat, wird mich verstehen. So ist meine Situation. Gut. Nicht genau. Noch rolle ich zwischen Bett, Bad, Küche und Büro hin und her. Das Leben ist wie eine Kugelmühle, es hat mich mit den Jahren rund gemacht.

Natürlich übertreibe ich gewaltig. Es ist jedoch kein Fishing for pity. Mein Leben ist kein Drama, und schon garnicht eine Tragödie. Wäre es so, dann hätte ich, gemessen an meiner eigenen Messlatte, total versagt. Wozu also diese Ansage?

Sehr einfach, lautet meine Antwort.  Ich hatte ein gutes Leben, und habe es immer noch.

Nun mag man sich fragen, wie das gehen soll, wieso sich eine Ruine als feste Burg versteht. Meine Antwort ist wieder schlicht: Ich bin flexibel. Fragt man mich, wie das zu verstehen ist, so lautet meine Antwort:

Ich will gut leben.

Neue Situation erfordert neue Anpassung.

Nicht reden, sondern machen.

Das ist alles.

Unter diesem Aspekt ist es als Privileg des Alters zu verstehen, wenn man Zeit und Musse hat, darüber nachzudenken, Entscheidungen in Ruhe treffen zu können, neue Sichtweise in kleinen Schritten zu entwickeln und in Handlung umzusetzen.

Es gilt jedoch, dabei ein Hindernis zu bewältigen:

Man muss ein Bewusstsein für diese Aufgabe schaffen. Und das schliesst das Bewusstsein für Verluste ein. Ich muss also wissen, dass ich das Eine bekomme, das Andere jedoch aufgeben muss. Es ist also eine gewollte, komplette Richtungsänderung zu vollziehen. Und daran scheitern Schwache.

Es ist ein Beweis innerer Stärke, wenn in diesem Sinne intuitiv „richtig“ gehandelt wird.