SPD – Quo vadis? – 2 –

Man stelle sich vor, in einem VW-Käfer eine lange, staubige Route gefahren zu sein und nun einen seichten Fluss durchqueren zu müssen, der aber nicht mehr seicht ist, sondern durch Hochwasser gefährlich wurde. Am anderen Ufer beginnt das ersehnte fruchtbare Land. Man fährt also ungebremst in das Flussbett mit nichts als der Hoffnung, das andere Ufer zu erreichen. Der Druck des Wassers auf den Käfer wächst, aber noch hat er Grundberührung.

Das ist die Situation des Duos Esken / Walter-Borjans im strudeligen Mahlstrom aus Partei und Regierung. Der unbeteiligte Zuschauer sagt, es sei mutig, in diesen Fluss zu fahren, und er wartet gespannt auf den Ausgang des Abenteuers. Spült der Fluss den SPD-Käfer samt Inhalt einfach weg, oder schaffen sie es, das Gelobte Land zu erreichen? Hat der SPD-Käfer genug Gewicht, um den Druck aushalten zu können?

Wie es scheint, hat das Duo den Schuss nicht gehört. Man erwartet von ihm, nicht die Bundesregierung, sondern die Partei zu retten und zur alten Grösse zu führen. Mit einer Nachverhandlung des Koalitionsvertrags ist das nie und nimmer zu schaffen. Sie könnten den Mindestlohn von 12 Euro durchsetzen, und der Erfolg wird korrekt dem Konto Merkel gutgeschrieben. Merkel hat den Verfassungsauftrag, die Richtlinien der Politik zu bestimmen! Sie verstehen es einfach nicht: So gewinnt man weder Profil noch Gewicht. So wird man in den nächsten Gully gespült. Oder in die Weiten des Altantik, um beim Käferbild zu bleiben.

Der SPD-Mann Stegner meint, die Groko sei nicht allein verantwortlich für den Niedergang der Sozialdemokratie. Der Mann hat recht. Wer in der Öffentlichkeit steht und agiert, muss mit dieser Instanz kommunizieren. Dabei müssen das Was und das Wie professionell angeboten werden. Es ist PR-Arbeit zu leisten, und die Front-Leute müssen wahrgenommen werden. Sie brauchen Charisma. Nun beweist die gesamte SPD-Truppe so viel Charisma wie ein Haufen Pflastersteine. Oder wie Steffen Seibert, der Regierungssprecher – eine Schlaftablette!

Wie also sollen diese SPD-Leute Leistung an die Bürger „verkaufen“? Nun glauben Schlaumeier, das Produkt verkaufe sich von selbst – jawoll! So ist es! Gutschrift auf das Konto Merkel!

Partei und Parteiführung – beide müssen profiliert sein und ihr Profil auf die politische Bühne bringen. Die SPD hängt wie ein nasser Lappen überm Zaun, und das Duo mit dem Nimbus niedersächsischer Milchbauern – es redet tatsächlich davon, unter Merkels Röcken in Deckung zu gehen! Oder sie erwarten, in Zankerei mit der Union populär zu werden, aber was ist, wenn Merkel sich nicht auf Streit einlässt und mit Futterbrocken um sich wirft, indem sie in einigen Punkten nachgibt? Dann bleibt doch alles so wie bei Nahles? Falsch. Richtig ist:
Das Duo wurde aus Protest gegen das Establishment gewählt, und die Wähler werden erneut gelinkt. Dann erodiert die alte Tante SPD tatsächlich weiter bis zum „Vom Winde verweht“.

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