Krank sein

Krank sein ist im allgemeinen ein Ausnahmezustand. Nicht bei mir. Krank sein ist ein Dauerzustand. Aha, sagt man vielleicht, chronisch. Ich sage „richtig“ und wende mich ab. Ich möchte nicht über Krankheiten reden. Kein normaler Mensch lässt es mit sich geschehen, dass er über die Schilderung pathologischer Zustände in miserable Grundstimmung versetzt wird, wozu nicht etwa ein Mitleiden beiträgt, sondern ein gesundes Ablehnen aus Prinzip.

Nein, ich mag nicht darüber reden. Vielleicht schreiben? Ich versuche es mal. Hier und heute. Warum? Nun, ich möchte wissen, ob ich das könnte, wenn ich wollte. Eine innere Stimme meldet sich. „He Alter! Das ist doch Krampf!“ Und schon messe ich nach und erkenne: Es ist Krampf. Aber zugleich erinnere ich, geschrieben zu haben, man könne über alles schreiben. Ich weiss, dass es so ist. Ich habe es getestet,
indem ich einen Beitrag zum Klopapier schrieb (Titel: Hinterlistiges, ab heute verfügbar. ;>))) Also müsste ich auch über Kranksein schreiben können. Soweit Grundsätzliches.

Merkst Du, wie ich herum eiere? Ich könnte, aber ich will nicht. Es wäre einfach sinnlos.
Vielleicht hilft Anekdotisches aus der Klemme?

Arzt 1: Herr Risch, Sie waren tot und wir haben Sie zurückgeholt!
Ich: Falsch. Ich bin zurückgekommen!

Arzt 2: Herr Risch, die Liste Ihrer Erkankungen reicht für 7 Leben!
Ich: Abwarten! Ich bin noch nicht fertig.

Arzt 3: Man hat Sie in die Onkologie überwiesen, damit Sie dort sterben!
Ich: Sprachlos vor Wut.

Arzt 4: Herr Risch, Sie sind schwer krank!
Ich: Stimmt. Ich bin vor allem schwer.

Genug davon. Ich habe nicht das geringste Bedürfnis, schlaue Sprüche über das Kranksein und die Bewältigung der damit verbundenen Probleme zu verbreiten. Aber es drängt mich, etwas niederzuschreiben, das mir neulich abends durch den Sinn ging:
Ich habe keine Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, gesund zu sein.

„Und?“, ruft mein Verstand, „Und, was jetzt?“
Und er gibt sich selbst die Antwort: „ Leben, aber in der ersten Klasse bitte!“
Ich bin erheitert. Das heisst, ich mobilisiere nun meine Emotionen.
Die sagen mir: „Du kennst doch den Arsch mit seiner langweiligen Logik!“

So redet man daher. Und man weiss: Der Arsch hat recht. Also ist es gerechtfertigt, wenn ich nun 3 Brötchen mit Räucherlachs auf einem Salatbett belege und genussvoll aufesse. Ich tue das wegen der Omega 3-Fettsäure, was sonst? Und wegen dem Fischfett werde ich für die Bekömmlichkeit eine Flasche Sekt trinken.

Für dieses Abendbrot lasse ich mir viel, viel Zeit.
Das ist ein Luxus, aber schliesslich habe ich genug davon.

Haste wirklich bis hierhin gelesen?
Schade, dass Du nicht hier bist! Zu zweit schmeckts deutlich besser!