Antisemitismus

Der „Spiegel“ berichtet, dass jeder 4. Deutsche antisemitisch denke. Ich habe umgehend zu rechnen begonnen und nach genau 34 Minuten lag das Ergebnis vor mir: Das wären – gerundet auf der 3. Stelle hinter den Komma – 25 %.

Nun ist das Thema Antisemitismus keines, das sich zum Scherzen eignet. Und mit obiger Feststellung sollte die Quantifizierung des Problems abgeschlossen sein. Aber nicht so für den Spiegel. Ich habe mich geweigert, weitere Zahlen zur Kenntnis zu nehmen.

Meine Sachkompetenz zum Judentum ist nicht vorzeigbar, soll heissen „dünn“. Immerhin reicht sie aus, um eine Meinung zu bilden. Und die geht so:

Das Judentum hat zwei Ausprägungen. Zum einen ist es eine Religion, und es hat denselben Schutz zu beanspruchen wie andere Religionen auch. Zum anderen ist es die Bezeichnung für ein Volk ohne Land, das seine Heimat im Mai 1948 in Israel gefunden hat.
Dieser, der zweite Aspekt ist auch heute noch politisch äusserst wichtig.

Nun kommt ein ungebildeter Mensch und redet von den Juden, wenn er Israel kritisieren möchte. Umgehend gesellt sich ein deutscher, ideologisch verschwiemelter Jude aus dem Zentralrat dazu und redet von Antisemitismus. Schliesslich trete ich hinzu, höre mir den Zank an und denke: Heute ist wieder mal ein Tag für Blödmänner!
Ich behaupte also, ein wesentlicher Teil der eingangs genannten 25% kommen aus dem Lager der Halb- und Ungebildeten.

Besagter Jude trifft sich mit seinen Kollegen aus dem Zentralrat der Juden und berichtet. Man beschliesst wieder einmal, bei der Bundesregierung zu intervenieren, tut dies, und BILD berichtet. Dann betrete ich als BILDungshungriger die Szene und teile allen Beteiligten erbost mit, dass ich den Rüssel gestrichen voll habe von Diskriminierungen durch Verbandsfunktionäre, die den Holocaust wie einen Orden am Revers tragen, um mich verantwortlich zu machen,
denn Sippenhaft wird auch in Zukunft das Verhältnis der Deutschen zu den Juden und zu Israel bestimmen.

Natürlich vergesse ich nicht, dass der Staat Israel gegründet wurde, indem man den Palästinensern Land weggenommen hat, eine britische und UN-Großtat, und dass israelische Politiker diesen Landraub auch heute noch praktizieren. Aber die gesamte jüdische Welt gefällt sich in der Opferrolle aus deutschem Antisemitismus, sofern man die Annexionen Israels im Westjordanland kritisiert.
Wenn also Deutsche die israelische Praxis des Landraubs kritisieren, so meinen sie die israelischen Ultras, und nicht Israel, und schon garnicht das Volk der Juden.

Somit darf man einen weiteren Teil der vorne genannten 25 % subtrahieren. Übrig bleiben geschätzt 10 bis 15% echte Täter, das ist dann unser wahres Nazi-Gesindel. Es gibt diese Sorte, wir werden sie nicht los, und unser miserables Bildungssystem gebärt mit jeder Generation neues Übel.

Merke: Die Kippa und das Kruzifix machen noch keine guten Menschen. Und: Wer im Glashaus sitzt, sollte die Steine liegen lassen.

7 Antworten auf “Antisemitismus”

  1. Ich habe noch keinerlei Antisemitismus in Deutschland feststellen können und frage mich wo die Antisemiten sind. Natürlich stehen sofort Ostdeutsche in Verdacht oder arabische Migranten….Ich habe noch nie erlebt, dass irgendjemand Antisemitismus propagiert.

    Was ich allerdings feststellen kann, dass sich die deutsch-israelischen Beziehungen sachte normalisieren. Das heißt, es wird vorsichtig (ja, wegen des Holocausts als Erbschuld) angefangen, die israelische Politik zu kritisieren und den Einfluss Israels auf die US Politik zu hinterfragen.

    Macht das Deutsche zu Antisemiten?
    Ich denke: NEIN.

    Author der Studie ist der Jüdische Weltkongress.
    Meiner Ansicht nach ist es ein rein politisch motiviertes Papier, um den Status Quo zu erhalten und die Opferrolle der Juden zu pflegen, weil Israel nach wie vor gezwungen ist, sich zu rechtfertigen.

    Das Kernproblem ist, dass ein Gebietsanspruch an einer Religion festgemacht wird. Eine Religion jedoch nur ein Glaubenssystem ist und daher keinen weltlichen Rechtsanspruch auf ein Territorium begründen kann.
    Das gilt umso mehr, als dass wir in der westlichen Welt (zu der sich auch Israel zählt) ein sekuläres Staatskonzept vertreten.

    Die Trennung von Staat und Religion ist unverzichtbar für eine Demokratie in heterogene Gesellschaften. Der Autoritätsanspruch des Staates mit seinem Rechtssystem, Gewaltenteilung und Institutionen als kleinster gemeinsamer Nenner und Schutz der Bürgerrechte ist unteilbar.

    Es ist zwischen genetischer Ethnie, Rasse, Glaubenssysteme wie Religionen, Territorium ganz klar zu trennen.

    Ich denke, Juden wissen das auch…darum die wirklich seltsamen Versuche irgendwie Sonderrechte herzuleiten.
    Nicht zu vergessen, dass Israel ohne massive finanzielle Subventionen aus USA und Europa pleite gehen würde, wie auch in Israel diskutiert.
    Daher wird der Vorwurf Antisemitismus gepflegt.

    Ja, es gab ein Attentat vor einer Synagoge in Ostdeutschland. Ich halte dieses für eine Tat eines durchgeknallten Einzeltäters, der höchstwahrscheinlich auch ein Asylantenheim gewählt hätte.

    1/4 der Deutschen, die sich zu großen Teilen überhaupt nicht für Religion (nur <60% sind noch Christen) und Israel interessieren, aber in jedem Schuljahr quer durch alle Fächer Vergangenheitsbewältigung betreiben (halte ich durchaus für überzogen), Antisemitismus zu unterstellen, ist unverschämt.

    Unsere öffentlichen Medien haben eine sog. Erziehungsauftrag. Kein Wunder also, dass nur jede kleinste Meldung zum Thema sofort berichtet und aufgebauscht wird. Würde man z.B. mit Frauendiskriminierung /-gewalt so umgehen, würde man Frauen in Deutschland subventionieren und unter Dauerschutz stellen müssen.
    Leider haben Interessengruppen, die wirklich diskriminiert werden, nicht so eine professionelle, gut vernetzte und multi-staatlich geförderte Lobbyisten.

    Traue niemals einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast, heißt es.
    Ich bin vom Fach und sehe in der Studie ein politisches Papier ohne Aussagekraft über Antisemitismus Deutschland.

    Wow! Jetzt ist es raus…auch ich bin ein "Antisemit".

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    1. Hallooo! Ich habe auf der Polemik-Ebene geschrieben!
      Dessen ungeachtet wird es wohl im Kreis der Ultra-Rechten auch Antisemitismus geben. Der tritt nur nicht auf plakative Weise zu Tage. Gehört wohl zur braunen Ideologie. Nun kommt diese AfD ins Spiel.
      AfD = Neo-Nazis = Judenhasser – so blöde denkt der Mensch. Die Rischen natürlich nicht, denn die sind Halbgötter!

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      1. Oh ja, die deutsche Berichterstattung ist reine Propaganda im Interesse des Jüdischen Weltkongresses und WJC.

        Es handelt sich nämlich gar nicht um eine Studie, sondern um eine Umfrage mit 1300 Beteiligten in 100 Ländern…und nicht allein in Deutschland.
        Die Befragten sollten zustimmend oder ablehnend auf verschiedene Hypothesen antworten. Bsp.:
        Juden sind gegenüber Israel loyaler als gegenüber LandX.
        Juden haben zu viel Einfluss auf Politik & Wirtschaft.
        usw.

        Weder die Zusammenstellung noch Grösse der Refernzgruppe ist statistisch auswertbar.
        Die Hypothesen lassen keine Schlussfolgerung auf Antisemitismus (= Judenfeindlichkeit/-hass, Judentum ist eine Religionszugehörigkeit) zu.

        Die angeblichen Ergebnisse (27% Antisemitismus in D und wachsender Antisemitismus in der akademischen Elite) sind durch nichts gestützt. Wie viele deutsche Akademiker waren den in den 1300 Befragten aus 100 Ländern beteiligt?

        Auch die Wahl des Zeitpunktes der Umfrage ist unprofessionell und unseriös…nämlich direkt nach dem Attentat mit exzessiver Berichterstattung und 24/7 Vergangenheitsbewältigung.

        Kritikern der Umfrage wird entgegengehalten, dass es nicht um Israelpolitik ginge, sondern Vorurteile gegenüber Juden.
        Vorurteile begründen noch lange keinen Hass & Verfolgung.
        Und Ansichten werden nicht nur aufgrund der Geschichte, sondern auch aktueller Politik – wie der illegalen Siedlungspolitik und der Irankrise gebildet.

        Unsere öff-rechtl. Erziehungsmedien sind sofort auf den Zug aufgesprungen und haben ganze Arbeit für den jüdischen Weltkongress geleistet, indem sie die „Studie“ …meist ohne Quellenangabe und Details….kritiklos zitiert und so auch international verbreitet haben.

        Ich vermute, dass es in dubio pro reo auch darum gehen könnte, Rechtsradikalen bzw. der AfD keine Chance zu geben…auch angesichts der Wahlen in Thüringen.

        Antisemitismus in Deutschland?
        Thema verfehlt.
        Ausländerfeindlichkeit hätte man untersuchen können.
        Grundsätzlich: Idioten werden immer eine Minorität finden, an welcher sie Ihre Aggression auslassen können.

        Diese Fake News sind erschütternd, nicht die Umfrageergebnisse.

        PS: Es gab auch eine EU-Umfrage unter Juden, von denen 9 von 10 Juden einen Anstieg von Antisemitismus fürchten…ich vermute, dass es auch darum gehen könnte, dass die EU und speziell eine große Zuwanderung aus dem Mittleren Osten hat und man fürchtet, dass Antisemitismus importiert wird.

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