Über „Hater“

Thomas Carlyle, Schotte (1795 bis 1881, Essayist und Historiker

Über die vergangenen Wochen hinweg verfolgt mich über die Medien ein neuer Terminus und nervt mich zusehens. Es ist der von Politikern und journalistischen Vogelscheuchen so gerne benutzte „Hater“. Gemeint sind jene Menschen, die im Netz teils anonym ihren Frust unter Verwendung von übelstem Vokabular von der Seele schreiben. Verstand und Vernunft, Wahrheit und Werte – kurz: alles Positive bleiben weggeschaltet. Es herrscht Emotion pur von jener Art, die in allen Menschen schlummert und mehr oder weniger effizient unterdrückt bleibt.

Ich weiss, wovon ich hier rede. Auch ich darf mich der Hater-Commune zurechnen, denn ich weiss aus eigenem Empfinden, dass die meisten Mitglieder dieser Kaste nicht hassen, sondern verachten. Hass und Verachtung sind  schwer zu trennen. Ich denke, dass der Hass auf blindem Empfinden beruht, während die Verachtung ein Produkt des Verstands ist, also eine intellektuelle Leistung. Qualitätsansprüche sind hier nicht relevant.

Wer meinen Überlegungen bis hierhin zustimmend gefolgt ist, sollte nun eine Tatsache erkennen. Hass und Verachtung sind dem Menschen zu eigen. Sie haben zu allen Zeiten ihre Rolle gespielt, und damit Unheil über die Menschen gebracht.

Das Internet ist nichts weiter als ein modernes Sprachrohr, und man kann sich hier ungefährdet austoben. Anders:

Das Übel ist der Mensch mit seiner Gefühlswelt, nicht das Netz. Selbiges fördert das Negative nur an das Tageslicht.

Verständlich, dass Politiker hier einen Riegel vorschieben möchten – sie werden öffentlich vorgeführt, agieren sie doch immer noch nach der alten Soldatenregel „Tarnen, täuschen und verpissen!“

Ich nehme nun besser eine Abkürzung und behaupte:

Beide Parteien, die Hater und die Netz-Zensoren sind nichts weiter als aus spezielle Weise strunzdumm.

Wenn mir einer meine Verachtung für das System und seine Protagonisten aus dem Gesicht wischen möchte, dann bin ich das selbst, und niemals ein Bundesinnenminister mit seinen Hofschranzen. Sie sind moderne Quacksalber, die Symptome behandeln, nicht die Krankheit.

5 Antworten auf “Über „Hater“”

  1. Nein, es geht nicht nur um Emotionen und um ein Ventil.
    Tatsächlich werden Andersdenkende gerne als Hater oder Lover bezeichnet, um ihre Sachargumente und Kritik zu diskreditieren …und sie zum Schweigen zu bringen.
    Nach dem Motto: Weg von der Sachebene und den Fakten hin zu Emotionen, Glauben, Patriotismus.
    Viele Kommentare sind bölosse Provokationen und die Schreiber empfinden es als Erfolgserlebnis, wenn jemand Ihnen antwortet und sich ärgert.
    Ich selber habe dieses Feedback wiederholt erhalten…in ihrer Ohnmacht finden sie es klasse, wenn ihnen “ jemand wie ich“ (der schon einmal ein Buch gelesen hat) antwortet.
    Da ist eine Menge Hass, Neid und Frust. Und die Intellektuellen, Experten und das Bildungsbürgertum wird als Establishment und Feind angesehen.
    Wir gehen auf der sonnigen Seite des Lebens und sie werden zurückgelassen… sind die Loser.
    So ganz falsch ist die Wahrnehmung ja auch nicht.
    Nur attackieren sie die Falschen.
    Um das eigene kleine Ego zu stützen, wird dann mit dem Kalifat, dem ottomanischen Reich, Get Greatness back to UK, America First, dem Schutz / der Rettung des eigenen Landes vor Verrätern, African Union, dem chinesischen Empire etc. gedroht….und dann würden wir alle unsere gerechte Strafe erhalten.

    Das Feld für Diktatoren ist gut bestellt….von unseren global corporations, die sich aus der sozialen Verantwortung, Steuergerechtigkeit & Standorttreue herausgestohlen haben, um ihren Shareholder Value zu huldigen und unseren korrupten Scheindemokratien mit Laienregierungen, die nicht die Interessen der Steuerzahler vertreten. sondern die der Corporations und dem eigenen Machterhalt….auf dem frien Arbeitsmarkt würde keiner unserer Politiker mangels fachlicher Qualifikation und relevanter Berufserfahrung eine Führungsposition erhalten.
    Warum leisten wir es uns überhaupt solche Leute in einer so komplexen Welt mit zukunftsentscheidenden Aufgaben?

    POPULARITÄT IST KEINE QUALIFIKATION!

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    1. In Teilen stimme ich Dir zu. Aber meinThema ist der politische Hater und die Reaktion der Politik darauf.
      Mein Thema ist n i c h t der Missbrauch des Hasses als cool genutztes Mittel der Agitation.

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      1. …mein Thema ist auch der politische Hater.
        Die Reaktion der Politik darauf habe ich nicht aufgegriffen.
        Ich bin der Meinung, dass keinerlei Zensur stattfinden darf (qui custodiet, ipsos custodes…aber wer, bewacht den Wächter)…auch auf die Gefahr einer Verbreitung von Fake News und Verschwörungstheorien sowie Desensibilisierung wie wir es in Trumpistan derzeit erleben.

        Die Verletzung von Persönlichkeitsrechten oder Volksverhetzung wie sie ja auch offline geahndet wird, sollte online Bestand haben, kann aber auch schwierig werden, da das web international ist.
        Was schert es mich, ob die Gesetzgebung in China etwas untersagt..?

        Emotionen und andere noch so provozierende Ansichten muss man aushalten können.
        Und mir ist es lieber, der ganze Mist (inkl. mein eigener) tritt offen zu Tage, als dass er als schleichendes Gift wirkt.

        Für mich ist es jedoch besorgniserregend, dass die Extremisten und Populisten deutlich aktiver und geschickter mit dem Umgang der neuen Medien sind..und dass Ihre Zielgruppe online auch noch präsenter ist.

        Moderate Menschen sind in der absoluten Unterzahl im Netz…und lassen sich auch nicht mobilisieren…so lange es Ihnen (zu) gut geht, ist für sie die Welt in Ordnung.
        Aber ich glaube, das war schon immer so.
        Irgendwann ist wieder einmal das große Reinemachen (wie z.B. die Kulturrevolution, der Nationalsozialismus, die russische Revolution etc.) dran…und dann fangen wir von Neuem an.

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      2. Zitat: Für mich ist es jedoch besorgniserregend, dass die Extremisten und Populisten deutlich aktiver und geschickter mit dem Umgang der neuen Medien sind..und dass Ihre Zielgruppe online auch noch präsenter ist:

        Ja, so ist es. Aber der Grund liegt auf der Hand. Die Agitatoren agieren halt, und das ist eine starke Kraft, während die Masse konsumiert. Das ist wie Fischbrötchen essen und gleich vergessen.

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