Die Mauer 2

Ein verkrampftes Gehirn konstruiert geschwollenes Gerede.
Ich weiss das wohl.
Manchmal, und viel zu oft leide ich unter solcherart relevanten Krämpfen.
Ich sondere dann Sprechblasen mit Geblubber ab,
muss die Luft rauslassen
und so lange umbauen, bis ich glaube, es seien nun brauchbar.

Zur Sache:

Ich weiss es, weil ich es spüre.
Auch ich lief mit einem dicken Brett vor dem Kopf herum.
Das war immer so.
Und ich habe es nie bemerkt. Bis unlängst.
Gefühlt ist das Brett weg.
Ich weiss, dass das nichts bedeutet.
Aber gefühlt ist das so.
Es herrscht zur Zeit das Prinzip „Hoffnung“.

Wie kam ich auf diese Idee?
Ich sehe plötzlich mehr.
Ich sehe anders.
Ich sehe schöne Kleinigkeiten:

Da war in einem TV-Krimi ein Hocker mit dickem grünem Polster, von einem kleinen Spotlight angestrahlt, eine Requisite ohne jeden Bezug zur Handlung, aber in der Szene fremdartig schön. Ich habe ihn gesehen!

Da war die Spinne auf meinem Monitor, ein Tier mit sechs 4 cm langen Beinen, dünn wie ein halbes Haar, und einem Körper, der einem halben Stecknadelkopf ähnlich ist, und ich sitze fassungslos vor dem Viech und haben keine Ahnung, wie solch kleines Wesen leben kann.
Eine grazile, elegante Schönheit!

Ja, ich weiss es: Auch solche Kleinigkeiten werten einen Tag auf. Zumindest meinen Tag.

Es kann natürlich geschehen, dass sich die Mauer wieder schliesst. Dann muss ich einen Verlust beklagen.
Es kann auch geschehen, dass sich meine Mauer nicht schliesst, und ich sehe deutlich mehr Negatives.
Dann sitze ich da wie einer mit Brett vor dem Kopf auf der Suche nach Kompensation,
aber immerhin auf einem gehobenen Niveau.

So ist das.
Nobody is perfect.

2 Antworten auf “Die Mauer 2”

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