Melancholie

picasso 1955

Heute, das ist ein Samstag im Oktober, habe ich wieder einmal Grund, unzufrieden zu sein. Das ist idiotisch. Immer wieder lasse ich mich beeindrucken von Banalitäten. Dazu zählt insbesondere, dass neben allen guten Seiten meines Lebens Schlechtes entsteht und beeinflusst.

Da fand ich gestern am Morgen in meinem Badezimmer eine tote Stubenfliege. Liegt das Tier auf dem Rücken und starrt mit toten Augen hinauf zur Klopapierrolle. Spontan entschied ich mich für „Tod durch Verhungern“. Und ebenso spontan und mit Urgewalt folgte noch vor dem Zähneputzen eine Bestellung von Lebensmitteln beim Lieferservice – ich konnte das nicht verhindern. Bedingter Reflex, panische Reaktion – weiss der Teufel, was mich so umtreibt. Jedenfalls hatte ich heute 2 Stunden Arbeit, um alles fachgerecht zu lagern, und keinen Appetit.

Nahrung bunkern ist für mich eine harte Arbeit, und ich brauche Arbeitspausen. So auch heute beim Nahrung bunkern. Ich sass arglos und schwer schnaufend an meinem Schreibtisch, da überfällt mich 2,5 Stunden nach dem Aufstehen ein Schlaf. Für 15 Minuten war ich wieder weggetreten. Ich wurde wach, und ohne menschliches Zutun fällt mir ein: ICD-Code G47 – Narkolepsie! Was sonst? Solcher Art Wegklappen habe ich nahezu täglich, weshalb ich nicht mehr Auto fahre. Wie auch immer: Hurra, ich hab wieder was Neues! Mein Doc wird sich freuen. War schon langweilig mit mir. Und von Neurologie hat er keine Ahnung. Mal schauen, wie lange er braucht zur Feststellung, dass man nix machen kann. Natürlich habe ich keine Narkolepsie, die geht anders. Aber ich habe eine Antwort parat, wenn er fragt, wie es mir geht: G47!

Und überhaupt: In einer Arbeitspause heute früh überfällt mich eine Erkenntnis der tragischen Art (womit ich wieder bei dem Negativen des Tagesablaufs bin). Was war? Na, das hier:

„Ich habe so viele Antworten, aber keiner fragt mich!“

Das ist jetzt sehr grundsätzlich, dennoch bin ich selbstkritisch genug zu fragen, ob da nicht ein kleiner Donald in mir steckt, der irgendwann raus will, um mit dem grossen Donald zusammen den Weltfrieden zu gefährden. Ok, der würde mich noch nicht mal in der Rolle des Sancho Panza akzeptieren, bestenfalls als dessen Esel, aber er ist auch kein Hidalgo, kein Don Quijote von der Mancha. Oder hat irgendwer Adliges an diesem Mann entdeckt? Vielleicht die Schuhe ? Und dessen Pferd Rozinante wäre vor Don ald geflohen bis nach Schneizlreuth! Mitsamt der Dame Dulcinea von Toboso!

Siehst Du es? Mein Dilemma? Ich beginne mit Frage und Antwort, und lande in der spanischen Weltliteratur. Frag mich wer ich bin – ich antworte mit „Keine Ahnung, aber ich habe eine Ähnlichkeit mit jenem rostigen Ritter des Miguel de Cervantes Saavedra aus dem 17. Jahrhundert. Nein, das ist Hochstapelei. Ich meine Ähnlichkeit mit dem rostigen Sancho Panza. Klein, dick, und kann mit Eseln umgehen, und vielleicht ein wenig, wie Franz Kafka ihn beschrieb in seiner Erzählung „Die Wahrheit über Sancho Pansa“.

Nebenbei bemerkt: „Don Quichote“ von Cervantes wurde in 2002 von 100 Schriftstellern zum besten Buch der Welt gewählt.
Vielleicht bin ich deshalb hier kleben geblieben …..