Der Mensch im Tier

Wenn ein Mensch in die Rolle eines Tiers schlüpft, dann wird die Lage recht unübersichtlich. Als Kampfschnecke vernichtet er mir nichts, Dir nichts einen Kopf Salat. Mit Zwiebeln. Wehe, es ist ein T-Bone-Steak in der Nähe!

Wenn aber ein Tier in die Rolle des Menschen schlüpft, wird die Situation eher komisch. Die Kampfschnecke im Salat müht sich mit dessen Vernichtung ab und benötigt dafür Wochen. Sie flüchtet vor Zwiebeln, und der Fleischbrocken lässt sie kalt. Wir fürchten dieses fürchterliche Tier so sehr, dass wir es mit Gift bekämpfen. Dabei mag die Schnecke den Kopfsalat genauso gerne wie wir Menschen – mehr ist nicht!

Nicht viel anders gehen wir mit den Tauben um. Als Kampfratten bezeichnet werden sie so richtig griffig für den Versuch eines Genozids, nicht wahr? Und was wir nicht sehen, ist dies:

Antisemitismus

Der „Spiegel“ berichtet, dass jeder 4. Deutsche antisemitisch denke. Ich habe umgehend zu rechnen begonnen und nach genau 34 Minuten lag das Ergebnis vor mir: Das wären – gerundet auf der 3. Stelle hinter den Komma – 25 %.

Nun ist das Thema Antisemitismus keines, das sich zum Scherzen eignet. Und mit obiger Feststellung sollte die Quantifizierung des Problems abgeschlossen sein. Aber nicht so für den Spiegel. Ich habe mich geweigert, weitere Zahlen zur Kenntnis zu nehmen.

Meine Sachkompetenz zum Judentum ist nicht vorzeigbar, soll heissen „dünn“. Immerhin reicht sie aus, um eine Meinung zu bilden. Und die geht so:

Das Judentum hat zwei Ausprägungen. Zum einen ist es eine Religion, und es hat denselben Schutz zu beanspruchen wie andere Religionen auch. Zum anderen ist es die Bezeichnung für ein Volk ohne Land, das seine Heimat im Mai 1948 in Israel gefunden hat.
Dieser, der zweite Aspekt ist auch heute noch politisch äusserst wichtig.

Nun kommt ein ungebildeter Mensch und redet von den Juden, wenn er Israel kritisieren möchte. Umgehend gesellt sich ein deutscher, ideologisch verschwiemelter Jude aus dem Zentralrat dazu und redet von Antisemitismus. Schliesslich trete ich hinzu, höre mir den Zank an und denke: Heute ist wieder mal ein Tag für Blödmänner!
Ich behaupte also, ein wesentlicher Teil der eingangs genannten 25% kommen aus dem Lager der Halb- und Ungebildeten.

Besagter Jude trifft sich mit seinen Kollegen aus dem Zentralrat der Juden und berichtet. Man beschliesst wieder einmal, bei der Bundesregierung zu intervenieren, tut dies, und BILD berichtet. Dann betrete ich als BILDungshungriger die Szene und teile allen Beteiligten erbost mit, dass ich den Rüssel gestrichen voll habe von Diskriminierungen durch Verbandsfunktionäre, die den Holocaust wie einen Orden am Revers tragen, um mich verantwortlich zu machen,
denn Sippenhaft wird auch in Zukunft das Verhältnis der Deutschen zu den Juden und zu Israel bestimmen.

Natürlich vergesse ich nicht, dass der Staat Israel gegründet wurde, indem man den Palästinensern Land weggenommen hat, eine britische und UN-Großtat, und dass israelische Politiker diesen Landraub auch heute noch praktizieren. Aber die gesamte jüdische Welt gefällt sich in der Opferrolle aus deutschem Antisemitismus, sofern man die Annexionen Israels im Westjordanland kritisiert.
Wenn also Deutsche die israelische Praxis des Landraubs kritisieren, so meinen sie die israelischen Ultras, und nicht Israel, und schon garnicht das Volk der Juden.

Somit darf man einen weiteren Teil der vorne genannten 25 % subtrahieren. Übrig bleiben geschätzt 10 bis 15% echte Täter, das ist dann unser wahres Nazi-Gesindel. Es gibt diese Sorte, wir werden sie nicht los, und unser miserables Bildungssystem gebärt mit jeder Generation neues Übel.

Merke: Die Kippa und das Kruzifix machen noch keine guten Menschen. Und: Wer im Glashaus sitzt, sollte die Steine liegen lassen.

Kaiser sein in 2019

quelle: standart.at

Naruhito hat gelernt, selber zu denken

Zudem durfte Naruhito als erster Kronprinz im Ausland studieren. Die zwei Jahre an der britischen Universität Oxford beschrieb er später als die glücklichste Zeit seines Lebens. Zum ersten und letzten Mal in seinem Leben konnte er dort frei durch eine Stadt mit dem Fahrrad fahren und selbst einkaufen. Und so trat 1985 nach seiner Heimkehr ein sichtbar selbstbewussterer Kronprinz seine Brautsuche an.

«Ich habe in Oxford gelernt, dass ich selbst denken, entscheiden und Dinge in die Tat umsetzen kann»,

sagte er auf einer Pressekonferenz. Dies wolle er nach Möglichkeit beibehalten. Auch seine ideale Partnerin solle ihre eigene Meinung vertreten können und Fremdsprachen beherrschen, da man viel Kontakt mit Ausländern haben werde, so der Prinz.

In einer Zeit, in der japanische Frauen meist in der Küche wirkten, wählte er sich unter den jungen Frauen aus besten Familien, die ihm vorgestellt wurden, eine globalisierte Karrierefrau zur Gemahlin: Masako Owada. Diese war als Diplomatentochter schon während ihrer Kindheit weit in der Welt herumgekommen und sprach Englisch, Russisch, Französisch und Deutsch. Zudem hatte sie an der amerikanischen Eliteuniversität Harvard und der japanischen Tokio-Universität studiert und im Anschluss die schwierige Prüfung für eine Diplomatenkarriere bestanden.
Ein Kaiser mit Durchsetzungskraft

1993 heirateten die beiden. 2003 tauchte Masako auf einmal ab. Das Kaiserliche Hofamt gab erst eine Gürtelrose, später eine Anpassungsstörung in Bezug auf das Leben am Hof als Gründe an. Die Medien vermuteten aber einen anderen Grund: den unglaublichen Druck auf der Prinzessin, nach der Tochter Aiko endlich einen männlichen Thronfolger zu gebären. Denn in Japan können nur Männer den Thron besteigen.
Naruhito, damals noch Prinz, heiratet im Juni 1993 die Diplomatin Masako Owada.
Naruhito stellte sich schützend vor seine Frau. Masako, die ausgebildete Diplomatin, habe sich als Kronprinzessin für die internationalen Beziehungen engagieren wollen, sagte er. «Doch Auslandsbesuche wurden ihr nicht erlaubt. Darunter hat sie sehr gelitten.» Es sei wahr, dass es Bestrebungen gegeben habe, Masakos Karriere und Persönlichkeit zu leugnen, fügte Naruhito an und legte einen veritablen Familienstreit offen. Sein Bruder Fumihito und sein Vater zeigten sich öffentlich überrascht über Naruhitos Vorgehen.

Jahrelang trat die Kronprinzessin kaum in Erscheinung, während Naruhito seinen alternden Vater immer stärker allein entlastete. Doch seit der Amtsübernahme am 1. Mai sehen die Japaner, wie sich Masako als Kaiserin an der Seite von Naruhito entfaltet.

Es sei zwar noch zu früh, über den neuen Kaiser zu urteilen, meint der emeritierte Wirtschaftsprofessor Haruo Shimada, der unter anderem das frühere Kaiserpaar einmal beraten hat. «Aber die Menschen hegen positive Gefühle für den Kaiser und besonders für die Kaiserin.» Sie sei schwach gewesen, wirke nun aber stark und selbstbewusst, selbst im Kontakt mit Staatsoberhäuptern vom Kaliber eines Donald Trump oder Emmanuel Macron.

Wie schon sein Vater zeige auch der neue Kaiser, dass er seine Frau liebe, sagt Shimada. Für ihn ist das Paar damit auch gesellschaftlich ein Symbol für das Zusammenleben von Mann und Frau. Und vielleicht nimmt der Kaiser damit auch eine mögliche Reform des japanischen Kaisertums vorweg. Aus Mangel an männlichen Erben muss Japan die Diskussionen über eine weibliche Erbfolge irgendwann wieder aufnehmen.

aus der NZZ, von Martin Kölling, Tokio am 22.10.2019

Das Heute – eine gute Zeit?

„Es ist so bequem, unmündig zu sein.“, klagte Immanuel Kant. Und er forderte seine Mitmenschen auf, mutig zu sein und den eigenen Verstand zu benutzen, statt andere wie z. B. die Obrigkeit  für sie denken zu lassen.

Das ist nun ca. 250 Jahre her, seit Kant das Zeitalter der Aufklärung einläutete. Nun schauen wir in die Gegenwart und auf die Menschen des 21. Jahrhunderts, und wir registrieren, dass der Weg zur Aufklärung etwa bis zur Hälfte zurückgelegt ist. Die Rattenfänger unserer Zeit agieren immer noch erfolgreich. Sie flöten ihr Liedchen, und Millionen folgen ihnen in grössere oder kleinere Katastrophen.

Und so stellt sich die Frage, was falsch läuft. Was treibt den Menschen in ein geistiges Parasitentum? Da ist die Dummheit. Wer naturgemäss nicht denken kann, lässt denken. Und da ist die Trägheit. Denkprodukte von Führungspersönlichkeiten sind für sie Convenience food.  Da ist der unselige Hang zur Massenpsychose, eine wahrhaft ansteckende geistige Erkrankung. Und da ist das Defizit mit dem Namen Opportunität, die einen Mangel an Mut zum Risiko offenbart.

So ist der Mensch beschaffen. Seine Schwächen sind teils genetisch angelegt, teils durch Lebenserfahrung bedingt. Was also ist notwendig, um die hier aufgezeigte Schwachstellen zu beseitigen? Ist es nicht vermessen, ein solches Ziel zu formulieren?

Geben wir Kant noch ein wenig Zeit. Vielleicht reicht ja ein halbes, desaströses Jahrtausend, um einen brauchbaren Fortschritt zu erzielen …..

Über Kreativität

Man sollte eine stabile Definition finden, bevor man sich – wie hier angesagt – mit einer unbekannten Materie beschäftigt. Schenkt man sich die Mühe der Recherche, so verliert man sich im täglichen Sprachgebrauch. Man sieht die Kreativen in der Kunst, in der Werbung und im Geschäft der Designer, mögen sie nun ein Haus kreieren oder eine Männerunterhose.

Für meine Auffassung zur Kreativität benötige ich weder meine Lexika noch WIKI, denn ich weiss, dass jeder Mensch kreativ veranlagt ist. Diese Eigenschaft spielt er nahezu täglich aus. Sie bestimmt sein Denken und Handeln. Sie tritt dann zu Tage, wenn er etwas anders macht als gewohnt. Wenn er probiert. Wenn er beim Nachdenken zu für ihn neuen Erkenntnissen gelangt – ja, auch wenn er das Rad neu erfindet. Kreativität ist einfach alltäglich.

Das ist natürlich zu einfach gedacht. Man muss die Qualität der kreativen Leistungen bedenken. Masstab dazu ist stets der Nutzen. Dessen Fragwürdigkeit zeigt sich bei dem vergleichenden Beispiel zwischen Büroklammer und der  molekularen Küche.

Zeit für einen Blick in den Spiegel! Bin ich ein Kreativer? Ich sage eindeutig: Ja, bin ich. Begründung: Heute habe ich zu Mittag Pellkartoffeln in ihrer Schale mit Flocken von französischer, gesalzener Butter gegessen und ein dänisches Bier dazu getrunken – ein Fall von Alltagskreativität.

Sonst noch etwas? Ach ja, die Bloggerei …. sage ich kreativ, so nennt man mich arrogant, und sage ich nicht kreativ, so unterstellt man mir Koketterie! Ich bleibe bei der Wahrheit: Ich weiss nicht, ob ich mehr als Alltag abliefere, und es ist mir auch nicht wichtig.

Wetterbericht

Vor wenigen Minuten bin ich nach Hause gekommen, war mit dem Auto unterwegs – heute ein gefährliches Unterfangen. Braune Kerle randalierten, tobten über die Strasse, um schliesslich mit offener Klappe irgenwo liegenzubleiben – keine Migranten, sondern Mülltonnen.

Regen gab es satt, ein banniger Sturm bewegte die Kübel durch die Landschaft und durch die Gemüter der Passanten; erst gestern konnte man noch bei reichlich Sonne und angenehmer Wärme an den kalendermässigen goldenen Oktober glauben, und heute befindet man sich in erstklassig organisiertem Sauwetter, das nach Lage der Dinge für die nächsten fünf bis sechs Monate anhalten könnte. Eine Übertreibung? Dies unterstellt nur, wer nicht an der Elbe wohnt. Der Eingeborene bestreitet zwar vehement, aber doch nur pro forma die endlose Wetter-Misère – wenn auch anders als der Rest der Welt. Er wird ausführen, es sei im Prinzip ja wahr, dass sich Hamburg und Dauerregen seit Jahrzehnten und auf ewig verbündet hätten, aber nicht so, wie die Zugezogenen es immer darstellen, es sei dann doch alles ganz anders, da wäre zum Beispiel der März 1956 gewesen, sonntags hätte man auf der Terrasse von Sagebiel´s Fährhaus sage und schreibe vier Paare beim Nachmittagskaffee beobachtet! Und es waren dieselben Leute, die dann ihre gummistiefel-bewehrten Füsse verschämt unter dem Tisch versteckten, und die nie zugeben würden, dass sie mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen zur Welt gekommen sind.

Tröstlich, dass anderswo noch soviel Sonne scheint, damit ein vernünftiger Rotwein erzeugt werden kann, welchselbiger schliesslich im nassen und dunklen Teil der Republik als Seelentröster so dringend benötigt wird.

In aller Kürze erzählt

Ich will nichts.
Oder ich will alles.
Aber das will ich.
Habe das da nicht gewollt.

Gut, gut.
Ich will nur Glück.
Ein wenig davon.
Aber ein wenig viel.

Zufrieden?
Zu albern.
Zuschauen?
Eine Zumutung.

Was tun?
Täter werden?
Tatenlos zuschauen.
Habe nichts getan!

Man macht.
Macher sind gut!
Machen die nichts?
Die an der Macht!

Macht?
Danke!
Sauber bleiben.
Bleibe ein kleines Licht.

Armselig.
Leutselig.
Unselig.
Selig sind die Dummen.

Macht macht.
Kriegt Krieg.
Finger fingern
mit List und Hinterlist.

Alles für Dich.
Für Euch das Beste.
Kann nichts dafür.
Eher nichts für alle.

Das Beste ansagen,
das Gute nicht sehen.
Alles normal –
schlecht gelaufen.

Hinschauen –
wegsehen.
Heisse Luft
wärmt nur für den Moment.

Ich bin.
Kleine Welt,
meine Welt.
Für Euch: Kein Platz.

Ehrlich gesagt:
Ergötzlich,
und nützlich,
der Götz.

Guter Gedanke
macht froh.
Ihn leben
macht frei.

Sus scrofa – ein Leben in Freiheit

Wildschweine sind eurasischen Ursprungs und hören auf den lateinischen Namen „Sus scrofa“. Wie Eurasier zu lateinischen Namen gekommen sind, weiss ich leider auch nicht.
 
Ich stelle Dir hier eine typische Wildschwein-Familie vor:
 
Da ist der Boss. Er heisst KEILER und ist von Beruf Vater, Mutterverehrer und Kinderschreck.
 
Nun folgt seine Chefin. Ihr Name lautet BACHE.  Auf Bäurisch nennt man sie auch eine Muttersau.
 
Meist hat sie 8 bis 12 Kinder. Zur Zeit sind es 10. Förster reden immer von FRISCHLINGEN. Ich sage dazu Rischlinge, aber das hat private Gründe.
 
Das ist unsere Wildschweinfamilie, immerhin 12 Mitglieder stark, eine richtige Grossfamilie. Es ist wohl am einfachsten, von VaterS, MutterS und KleineS zu erzählen. Du kannst es Dir denken: S steht immer für „Schwein“!
 
Die FamilieS wohnt im Wald und frisst, was immer ihr vor die Schnauzen kommt. Besonders emsig sind dabei die Rischlinge, weil sie noch klein sind und wachsen müssen.  WildeS lieben Beeren, Pflanzen und Pilze. Läuft ihnen ein kleines Tierchen vors Maul, ein Frosch, 12 Schnecken oder 144 Käfer, so sind sie für den Leckerbissen stets dankbar.  Stossen sie etwa auf eine eingegrabene Leiche, dann wird ein richtiges Festmahl veranstaltet. Unsere WildS sind Allesfresser. Gebildete Menschen nennen diese Gattung auch Omniphage. Sie ernähren sich nach dem Grundsatz: Hauptsache viel, es macht dick und man kann grosse Haufen knöten! Auf diese Weise lassen es sich die Wildschweine im Wald gut gehen, und einmal im Jahr werden neue KleineS 6-12 gemacht.
 
Kommt dann der Winter mit Schnee und Frost, so werden die Zeiten ziemlich hart für unsere Familie. Sogar VaterS hat nun seine Predigten vergessen. Den ganzen Sommer über hat er die Familie genervt mit seinem Spruch: „Bleibt weg vom dunklen Dorf.  Dort wohnen die wilden Menschen! Sie braten Euch in Sahne und Wacholderbeeren und fressen Euch!“
 
Wenn VaterS aber hungert, dann zieht es auch ihn in die Gärten des Dorfs. Es ist halt Grünkohlzeit; zwar ist der Geist willig, aber das Fleisch so schwach.
 
Mit lautem Grunzen fordert er MutterS auf, die KleinenS vor sich herzutreiben. So werden des Nachts die dunklen Menschengärten besucht. VaterS verwendet jetzt eine andere Predigt: Der liebe Gott lässt für alle wachsen!
 
Also ist alles Fressbare nicht mehr sicher. VaterS wird nun richtig waghalsig, obwohl ihm bekannt ist, dass er auf der Abschussliste des örtlichen Jagdvereins ganz oben steht.
 
MutterS hat 6 Seiten des Magazins „Jagd und Hege“ gefressen und weiss darum ganz genau, dass sie nicht erschossen werden darf, wenn sie KleineS bei sich hat. Und diese sind eh geschützt, solange sie sich nicht das Normgewicht angefressen haben.
 
In einer hellen Vollmondnacht ist FamilieS nun in den Küchengarten von Hans Heinrich Lüders, einem Kartoffelbauern, eingebrochen. Vierhundert Quadratmeter Grünkohl luden zur ausgiebigen Grünfutter-Mahlzeit ein. Das hatte Lüders auch geglaubt. Deshalb wachte er argwöhnisch über seinem Lieblingsgemüse – Pech fuer VaterS, wie sich gleich zeigte.
 
So geschah es, dass Hans Heinrich durch allzu laute Fressgeräusche erwachte, nach draussen schlich und seinen Hund von der Kette losmachte. „Los, Sauhund!“ kommandierte er, genauso, wie er  mit Kalle, seinem Erntehelfer immer umspringt.
 
Hasso, der Jagdhund, tat zunächst so, als verstünde er garnichts, legte sich auf die Seite und mimte den Asthmatiker. Das brachte ihm gemäss der allgemeinen Lüders´schen Lebensregeln – Kalle kennt sie schon – einen Tritt ein. Hasso erhob sich und ging erst mal rasch auf Distanz.
 
Schliesslich kam aus Lüders Kreativabteilung das Kommando „Fass!“ . Hasso erschrak. Es war also Krieg, und er sollte eine Schlacht schlagen! Schon kam sein General näher und hob zu einem weiteren Tritt an, aber Hasso war jetzt auf der Hut. Derart angespornt, legte er sich  erst mal in den Grünkohl und wartet ab.
 
VaterS bekam bei Hassos Anblick eine Krise. Er hat in seinem ganzen Leben noch nie einen Hund verstan-den. Hündisch ist Fremdsprache. Hasso wedelte nun mit dem Schwanz. VaterS glaubte daraus zuableiten zu müssen, dass eine Attacke kurz bevorstand. Also würde er sofort angreifen, und  damit die Familie schützen. Angriff sei nun mal die beste Verteidigung. Nur: Reden ist eine Sache, Tun eine andere. Schliesslich hatte er in jungen Jahren einen Zeitungsartikel über die Energie-Masse-Relation gefressen und kannte deshalb dieEinstein-Gleichung  E=mc hoch2 , die er, so oft sich eine Gelegenheit bot, anzuwenden versuchte, obgleich er Wissen als Belastung empfand, triebhemmend, und damit als gefährliche Dummheit. So war das stets, und auch in dieser Nacht. Dennoch war jetzt Action erforderlich.
 
VaterS setzte gemessen seine 330 Kilo in Bewegung,  musste auf Tempo kommen. Das braucht 2 – 3 Umrundungen von irgendwas. Das Irgendwas hiess zur Zeit Hasso. Der lag schon wieder wie hingegossen, nun im Grünkohl, für Lüders unsichtbar geworden, und freute sich. Jou, jou!, dachte er, spielen ist schön, besser als Krieg! Und dann noch mit einem so grossen Hund! Bedächtig ueberlegte er, auf welche Weise er in das Spiel eingreifen könne.
 
Der Bauer war entsetzt. Zwölf Wildschweine im Grünkohl, und der Hund hat sich verpisst!
 
VaterS hatte endlich sein Angriffstempo erreicht. Er schob seine Hauer nach draussen und versuchte, gefährlich auszusehen. MutterS sah´s und kriegte eine Gänsehaut.
 
Hasso verstärkte sein Schwanzwedeln. VaterS sah´s und plante seine erste Attacke. Zur Sicherheit dreht er noch 2 Runden und erhöhte so das Tempo.
 
Dem Bauern Lüders fiel die Pyjamahose über die Knie. Damit war er für den Moment kampfunfähig.
 
Hasso traf eine Entscheidung, nahm Tempo auf und schob sich vor VaterS in den Kreis. Gemeinsam liefen sie einige Runden durch den Grünkohl. Macht Spass!, dachte Hasso! Bei VaterS lösten sich erste Flatulenzen, denn Kohl bläht (ja, auch der!).
 
Bauer Lüders bemerkte dies, als die wilde Jagd endlich dicht bei ihm vorbeikam.  Er verstand nichts mehr, verlor die Fassung  und damit auch sein äusseres Gleichgewicht. Ruecklings landet er in der Petersilie, konnte aber nicht lachen.
 
Mittlerweile hatte Hasso sich daran erinnert, dass er ein Jagdhund ist. Er beschleunigte, und hatte nach 3 weiteren Runden VaterS nicht mehr hinter, sondern vor sich. Genauer, er hatte nun den Hintern von VaterS vor sich. Verhinderte schliesslich mit Mühe eine Überrundung, das hätte VaterS möglicherweise demotiviert.
 
Nach kurzer Zeit liess er sich wieder zurückfallen, bemerkte: Oh Gott! Der grosse Hund hat Grünkohl gefressen! So kann man doch nicht spielen! Hasso mimte nun den Frischluft-Fanatiker und schob sich an die rechte Seite von VaterS.
 
Der hatte urplötzlich genug von dem Blödsinn. Versuchte, aus dem Kreis auszubrechen, erwischt aber den falschen Moment. Aus dem Kreis wurde eine Gerade. Sie führte darum „geradewegs“ auf Nachbars Gartenzaun zu. VaterS wusste, das war keine Hürde. Augen zu, und 330 kg gingen durch den Lattenzaun wie ein Messer durch die Butter. Eine Vollbremsung verursachte drüben eine Bremsspur von etwa 17 Metern. VaterS registrierte Feldsalat, drehte sich um und guckte, ganz Triumph.
 
MutterS war stolz. Strammer Bursche, mein Keiler!, dachte sie.
 
Bauer Lüders sass immer noch in der Petersilie. Von unten wurde es ihm arg kalt. Hasso wollte wieder spielen, darf aber nicht hinüber in Nachbars Garten. Bei ihm machte sich Frust breit.
 
Die KleinenS standen herum und pupten inzwischen auch. Alle zwölf. Helle Töne erfüllten die Nacht.
 
Nun entspannte der Bauer und dachte, er sei im Kino. Psychedelische Kreise vermittelten ihm Erfahrungen, wie man sie sonst nur beim Exstasy-Schlucken gewinnt.
 
VaterS kommandierte: Alles mir nach! Nahm wieder Tempo auf und machte noch ein Loch in Nachbars Zaun. Wollte Hasso nicht mehr begegnen.
 
MutterS zählte rasch ihre Kinder durch – alle da. Also los, Vatern nach!
 
Hasso dachte nun an die Flatulenzen und liess sich wieder umfallen. Der Bauer wollte auch nicht hinterher.
 
In leichtem Galopp verschwand die FamilieS im Wald. War doch noch eine interessante Nacht geworden! MutterS überlegte, dass frisches Gemüse so gesund, sei, und gut für die Kleinen, wegen der Vitamine.
 
Auch Hasso hatte diese Nacht genossen. Toll Jagd gespielt, trotz allem! Hoffentlich kommen die mal wieder! Mit Herrchen geht das lange nicht so gut! Und der riecht schliesslich auch nicht besser …..
 
Hans Heinrich Lüders war nun wieder von dieser Welt. Erhob sich aus der Petersilie und zupfte seinen Pyjama zurecht. So was aber auch. Der ganze Grünkohl ist hin, halb gefressen, halb zertreten und halb geerntet. Für ihn sind auch drei Halbe etwas Ganzes.
 
Die krause Petersilie sieht auch nicht mehr frisch aus. Der Zaun!  Muss Bretter kaufen. Der Nachbar ist ja so pingelig. Wo ist Hasso? Komm her, Burschi! Toll, wie Du die Sau gejagt hast! Gut gemacht! Was man mit einem Tritt alles bewirken kann!
 
Hasso sah sich sein Herrchen an und erinnerte sich sofort an einen Knochen, den er in der Frühe  vergraben hatte. Das wäre jetzt das Richtige. Geht buddeln.
 
Und für den kommenden Tag nahm er sich vor, mit der Nase am Boden unserer Familie in den Wald zu folgen, sollte er von der Kette loskommen. Wärmende Gedanken erfüllten sein Hundehirn: Klasse Typ, der Grosse. Vielleicht kann man da mal Urlaub machen.
 
Überall kehrte nun Ruhe ein. Bauer Lüders hörte während seiner Schadensaufnahme seine Frau schnarchen.
 
FamilieS erreichte bei flotter Gangart rasch ihren Schlaf- und Ruheplatz. VaterS sinnierte noch. Hatte er nun den Feldsalat bei Lüders oder bei seinem Nachbarn gerochen? Wie war das denn bloss noch mal? Mal nachschauen, morgen Nacht. Die KleinenS müssen wieder mitkommen; haben noch viel zu lernen! Kleinigkeit, der morsche Bretterzaun. Wo ich herkomme, stehen richtige, gesunde Bäume!
 
Klasse Nachwuchs. Nicht aus der Ruhe zu bringen. Nie Angst gezeigt. Versager, dieser Hund. Morgen trete ich ihn in die Scholle. Aber Schwanzwedeln hat er drauf, das muss man ihm lassen. Wenn ich sowas mache, bin ich nur wieder  ….  besser, den Tag zu verschlafen!