Verzweiflung

Der Güne Mann sitzt längst wieder auf seiner
Couch und hat die übliche Farbe der
Fleischwurst (für Ausländer: „Lyoner“) zurückgewonnen.
 
Man befragte ihn nach dem Grund für seinen
Kurztrip an die Zimmerdecke.
Er sagte, das ginge nur ihn und seinen Kakadu etwas an.
Allerdings legte er Wert darauf ,
einen Hinweis für Nachahmer zu hinterlassen.
 
„Wer an der Decke klebt, wird erkennen:
Weiter geht’s nicht.
Der Ausweg: Zurück auf den Boden.
Und dann habe ich ihm den Hals umgedreht,
dem verdammten Vogel.“

Ein Blick in Ovid’s Welt

Von Claude Lorrain – The Bridgeman Art Library, Objekt 74141, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=154070


Galateia und Akis

Unsichtbare Kräfte formen Wasser.
Eine Woge entsteht zu Poseidons Ehre
und zu der Nereiden Vergnügen.
 
Das Spiel der Nymphen endet,
als die Woge auf Land trifft
und aufschäumend im Sand endet
 
Galateia, die milchweisse Nymphe
widmet sich wieder der Liebe.
Wer solls sein, heute nacht?
 
Polyphem, der Kyklop, einäugig und gewaltig
erschlägt Akis, den schönen Hirtenknaben.
Galateia weint um Akis. Polyphem bleibt allein.

Einsicht

Nicht das Leben ist für den Menschen schwierig, sondern der Mensch ist für das Leben zu schwierig.

Hat das Leben auf unserem Planeten eine Konstante, so etwas wie eine unveränderliche Wahrheit?

Ja, das Leben bietet diesen Luxus an. Er befindet sich an einem Ort, den wir tunlich nicht aufsuchen.

Dieser Ort ist die Tierwelt. Ich erspare mir die Beschreibung der Faktoren, die für die Existenz eines Wildtiers vom existentieller Bedeutung ist. Jeder weiss das.

 Ha! Und die Intelligenz? Die Kultur? Ist das nichts?

Das ist es, was nach unserem Verständnis den Menschen ausmacht. Und das ist es. was unser Leben bis ins Unerträgliche verkompliziert.

 Back to the roots? Das ist nicht realisierbar. Der Zug ist längst abgefahren. Und rückwärts kann er nicht.

Fussballspiel?

Fussballzeit. Bayern München gegen irgendwen. Der Fernseher steht in meinem Rücken, wenn ich am PC sitze. Ich habe mir angewöhnt, die Glotze als Radio zu verwenden, das mir von hinten erzählt, was in der Welt, oder auch auf dem Fussballplatz geschieht; wird’s interessant, dann drehe ich mich einfach mal um. Es gab schon Spielfilme, bei denen ich mich nicht ein einziges Mal umgedreht habe. Keine Figur hat ein Gesicht erhalten. Es gibt Werbung, die ich hundertmal gehört, aber nie im Bild wahrgenommen habe.

Wie? Schwachsinnig? Genau das ist es. Aber irgendwann kommt die Meldung des Jahres, oder der Kick des Jahrhunderts, und dann vollführe ich eine 180-Grad-Drehung mit meinem Sessel und bin voll da. Man muss Geduld haben, finde ich. Leider habe ich mich in dieser Beziehung noch nicht voll entwickelt; bis gegen 19 Uhr bleibt die Flimmerkiste ausgeschaltet; in manchen Familien schaltet man den TV ein, nachdem man das Bett verlassen hat.

In meinem Rücken nörgelt der Reporter über ein miserables Fussballspiel. Offensichtlich passiert auf dem Acker nicht viel, hört sich an wie eher nichts, und die Zusachauer pfeifen um die Wette und ihren Eintrittskarten hinterher.

Seelenlose Politik, seelenloser Fussball, seelenlose Musik, statt dessen Taktik, Klischees, Mechanisierung, Automaten, Geldverdienen – sind wir eine Gesellschaft von Zombies geworden? Tut es nicht weh, einen seelenlosen Tag gelebt, ohne gelacht oder geweint zu haben? Oder tut es weh, und wir sind gegen diesen Schmerz unempfindlich geworden und spüren nicht mehr, wie wir kaputt gehen? Schwere Kost.

Ein Staatsmann erklärt seinen Job

Dem Staatsmann liegt es ob, sich in der Phantasie ein Bild von der Zukunft zu entwerfen und sich lange im voraus klar zu machen, welche Zufälle in glücklicher und unglücklicher Weise eintreten könnten, und was zu tun sei, wenn etwas Menschliches passiert; aber es nie so weit kommen zu lassen, dass man einmal sagen müsste:  „Das hätt‘ ich nicht gedacht“.

Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.), römischer Redner und Staatsmann

Penetrante fragen nun: Wie definierst Du „Staatsmann“? Ich definiere nicht. Und Du: Suche nicht in Berlin nach einem Beispiel. Das wird nichts.

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Leben 24

Ich stelle fest, dass wieder einmal eine Revision fällig ist. Ich muss mich selbst überprüfen, nach Defiziten suchen und nach Möglichkeit korrigieren.

Wie komme ich auf diese Idee? Meine Antwort ist einfach und eindeutig: Durch Zufall. Jedermann hat in einer grösseren Spanne Zeit dunkle und helle Momente. Sie dringen an die Oberfläche, man erkennt sie, und man kann sie nutzen. Und in einem hellen Moment bemerkte ich, wie sehr mich meine selbstgewählte Routine gefangen hält. So drängt sich die Frage auf, ob ich noch Mensch bin, oder fast schon Automat.

Gut. Das ist eine Übertreibung. Aber sie verdeutlicht, dass hier irgendetwas vermisst wird. Routine ist öde. Es muss etwas unternommen werden. Ich denke nach. Hausschlachtung! Ein totes Schwein belebt! Besonders in meiner Küche – sterben für Leben? Das kann nicht ….. ich rufe mich zur Ordnung: “Das Leben ist kein Spass, Alter! Bleib beim Thema!“ Und ich antworte mir: “Wir haben beide recht. Und wir sind mit Ernst bei der Sache!“

Nun, irgendwann wurde mir Klarheit eingeschenkt.  Ich muss kein Schwein töten, um bewusst zu leben. Ich muss einfach so präsent sein, dass ich mich spüre. Also bewusst denken und handeln: „Nicht „Kochen ist Mist!“, sondern „Ich esse gerne viel und gut, aber Kochen will und kann ich nicht!“ Mit diesem billigen Trick komme ich zurück ins Spiel. Und ich kann ihn so lange trainieren, bis er zur Routine geworden ist ….. nein, nicht schon wieder ….. aber ja doch, genau so! Es ist dann nicht mehr Routine der Unbedachtheit, sondern  eine „qualifizierte“ Routine aus dem Bewusstsein meines erlebten Ichs.

Und wenn dabei ein wenig Egozentrik mitschwingt – na und? So bin ich nun mal!

Der Rechtsruck

These:
 
Der letzte, dem Menschen verbliebener
starke, animalische Urinstinkt
(goldig: Man kann auch „Urin stinkt“ lesen)
also der verbliebene animalische Ur-Instinkt
ist der Egoismus – gesund, stark gefühlt,
Eroberung neuer Werte, Verteidigung des
Besitzstands, Triebfeder für Entwicklung etc.
 
Der Egoismus dominiert den Menschen,
es sei denn, in seiner Erziehungsphase
wird er sozialisiert, also irgendwie verbogen.
 
Die Sozialisation wird akzeptiert. Die Logik
gebietet, dass  kindliche Erfahrungen um
Selbstbestimmung und Macht im
Erwachsenenalter Privatkriege der harten
Art nach sich ziehen würden.
 
Man erwartet jedoch, und das ist durchaus
eine Frage der Gerechtigkeit, eine schwer
zu definierende Balance. Dabei denkt man
nicht kompliziert. Es müssen nur die Anzeichen
einer sozialen Ausgewogenheit erkennbar sein.
 
Sind sie es nicht, dann schmilzt das
Bollwerk der eingeübten Solidarität wie der Schnee
in der Sonne.
Der Urtrieb, jener Egoismus kommt wieder
ans Tageslicht.  Und eingedenk der eigenen
Ohnmacht hören wir den Ruf nach dem
starken Mann, den mit dem schweren Säbel.
Der solls dann richten.
 
Wenn Du diesem Gedanken folgen kannst:
Sind Politiker nun nur dumm, oder bösartig?
Ich habe nur wenige, aber strunzdumme
kennengelernt.
Das ist auch schon wieder falsch.
Richtig ist: Ideologisch verblendete.