Leben 30

Neulich meldete sich WP mit der Ankündigung, ich müsse wieder einmal zahlen. Gut, sagte ich zu mir, das ist schon in Ordnung, und schaun wir mal, was wieviel und so weiter. Zugleich erinnerte mich die Mail. dass ich nun seit einem Jahr „Blogger“ bin. Das ist Grund genug für eine Jahresbilanz. Da war Blog 1 mit etwa 550 Texten, den ich in die Tonne getreten hatte wegen null Bock. Meinen Schrieb hatte ich allerdings gesichert. Dann habe ich nach einem Vierteljahr von vorne begonnen, ca. 250 Texte reaktiviert und 380 neue dazugeschrieben. 300 alte Beiträge sind im Orkus verschwunden. So liegt meine Jahresleistung bei insgesamt 930 Texten.
Das sind dann 2,54 Texte täglich. Mehr nicht. Ich bin nicht beeindruckt.

Angefasst bin ich, wenn ich bei der Durchsicht feststelle. wieviel ich von mir selbst preisgebe. Das war so nicht gedacht. Und das war von mir falsch gedacht. Die Selbstdarstellung ist unvermeidlich, und dies gilt sogar für jene Blogger, die nur Fotos schicken. Allerdings sehe ich, dass das Bild des Schreiberlings sich mit dem Volumen von Text immer deutlicher wird. Der einzige Weg aus der Falle ist dann wohl, anonym zu bleiben, sich als als „Tausendschönlein“ anzumelden. Ich bringe das nicht. Schon der Gedanke macht mir eine Gänsehaut.
Tarnen und Täuschen bringt mir nichts, da ich eh bald tot bin.

Gestern war ich einigermassen amüsiert. Es ist geschehen, was ich bisher noch nicht erlebt hatte: Null Aufrufe bei 633 Beiträgen.
Wollte ich selbstgefertigte Wollsocken verkaufen, so würde das anders aussehen. Leider bin ich bereits beim Lapptopfenstricken gescheitert. Null Aufrufe am Samstag, und (!) null Aufrufe am Sonntag. Das könnte bedeuten, dass ich tot bin und dies noch nicht bemerkt habe. Das ist aber eher unwahrscheinlich, da meine Haushaltskasse eine deutlich andere Sprache spricht. Zudem halte ich mich konsequent an meine persönliche Zielsetzung: Ich mache hier brain calisthenics – also Gehirn-Jogging. Ich kämpfe also gegen Verblödung durch Vergessung, oder so, und wenn ich irgendeinen Quark schreibe, dann leide ich noch lange nicht unter Verquarkung – so lange sich oben die Rädchen drehen lassen, ist mir auch Verquatschung lieb und wert, und Verstümmelung durch Vertippung. Und – nebenbei erwähnt – es bereitet mir stille Freude, wenn ich auf der Tastatur das „A“ finde. So genügsam wird man als betagtes Wesen!

Genug kokettiert. Und man möge mir meine sprachliche Entgleisung verzeihen. Sie ist vermutlich die Folge meiner Vergreisung.
(Es geht schon wieder los!) Dabei geht es mir heute gut! Ich hatte gerade ein Wildschwein-Gulasch auf dem Teller, und zum Nachtisch einen Schokoladenpudding, draussen ein sanfter Nieselregen, und drinnen die wohlige Wärme von 45 gut gefüllten Weinflaschen.
Ja, heute ist ein guter Tag. Ich mag ihn.