Verirrt oder verwirrt?

Vermutlich leide ich unter einem Fatigue-Syndrom. Prägende Symptome sind Trägheit, denn ich mag nicht mein Geschirr abwaschen, und Entscheidungsschwäche, da es mich hin und her beutelt, wenn ich im Netz ein Angebot finde für 2 x 200 Gramm Steaks für 188 Oiros, und ich will bestellen, komme aber nie bis zum Abschicken-Button, ohne zu wissen, warum.  Dabei juckt es, und es kitzelt mich, weil ich weiss, was ein Wagyu-Steak zu bieten hat, wenn es von einer Kobe-Henne  kommt und dry-aged ist. Dumme Sache, dass mein Sohn und ich talentierte Fleischfresser sind und unentwegt von 800 g -Porterhouse-Steaks träumen. Wenn die Kobe-Henne das hergäbe, so hätte ich für eine einzige Mahlzeit 752 Oiros an der Backe. Dazu müsste ich auf ein Bresse-Rind zurückgreifen; diese Tiere liefern , was man dann allerdings auch Bistecca fiorentina nennt, was bei Glück auch mal 1200 Gramm auf die Waage bringen kann, pro Stück natürlich. Hochgerechnet macht das dann 1122 Oiro für meinen Sohn und mich, und da sind die Kartoffeln noch nicht mitgerechnet.

Was habe ich nun gelernt? Wenn das Riesen-Porterhouse-Steak nicht von einer Henne kommt, sondern von einem Kobe-Rind, dann kostet mein Mittagessen rund 600 Oiro, und das meines Sohns noch einmal so viel. Rasch schraube ich meine Erwartung einer guten Mahlzeit zurück und denke über ein Bresse-Huhn nach, das mit den blauen Füssen und dem sagenhaften Ruf als Spitzenprodukt aus der Branche der Eierleger. So ein küchenfertiges Ungeheuer mit einem Gewicht von 2 kg kostet um 75 Oiro, und man kann 3 Mahlzeiten daraus zaubern: Hühnersuppe plus gegrillte Teile plus Hühnerfrikassée. Spitze ist, dass man die blauen Beine nicht mitessen muss. Eine Portion zum Sattessen käme auf 15 Oiro.

Und nun mein Geständnis zu diesem Sachverhalt: Ich möchte beides! Und so würde ich für 8  x gut essen rund 1300 Oiros ausgeben. Das macht dann etwa 160 Oiros pro Portion bei einem Ungleichgewicht von 2 x Rind und 6 x  Huhn. Das bedeutet 6 x billig und 2 x teuer für jedes Mal 160 Oiro. Das klingt nicht gut …..

Seltsam. Das Verlangen nach Kobe-Rind  hat sich verflüchtigt wie der Duft von Tilsiter aus dem Kühlschrank, und eine Bresse-Henne ist auch entbehrlich, weil ein strammes Bio-Maishuhn dieselbe Qualität in den Topf bringt.  Und doch: Mein letzter Urlaub, auf Sylt war’s, hat mich das Fünffache gekostet ….. ich weiss nicht …. ich weiss nicht ….. vielleicht ….. diese Kobe-Rinder werden ja jeden Abend gebadet und in den Schlaf gesungen ….. wo verdammt ist bloß der Panic switch?

Vermutlich bin ich kein Fatigue-Geplagter, sondern nur ein fauler Konsum-Idiot. Das wird’s wohl sein. Oder ich bin beides, oder alles – nur nicht auserwählt. Aber das juckt mich jetzt nicht mehr. Sollen sich andere mit meinem Problem herumschlagen – ich gehe jetzt ins Bett.