Über das Besserwissen

Wer andere Menschen überzeugen möchte, muss ihnen zeigen, dass sie die Welt nicht richtig sehen. Dabei werden falsche Vorstellungen beseitigt und richtige an ihre Stelle gesetzt.

(Zitat: Bücherwissen.blog)

Vermutlich sind wir alle dazu motiviert, unser Wissen an andere weiterzugeben, also Botschaften zu senden. Mein Blog ist dazu ein überzeugender Beweis. Ich sende, und die Leser empfangen.

Nun bin ich aber selbst Empfänger, und andere senden Botschaften. Wie reagiere ich? In der Regel fühle ich mich belästigt. Ich entdecke erneut meinen Hang zur Doppelmoral.

Nun erlebt man gelegentlich die direkte Konfrontation mit anderen Ansichten, also Auge in Auge. Zwei Gegner bauen sich auf, und beide haben das Ziel vor Augen, den anderen davon zu überzeugen, dass die eigene Sicht die richtige sei. Was nun nicht geschieht, ist professionelles Arbeiten, also so richtig mit Analyse, Diagnose, Bewertung un Entscheidung. Nein, vielmehr versucht man, seine eigenen Ansichten in mindestens 10 unterschiedlichen Bildern darzustellen, um zu überzeugen, und hat nichts zufriedenstellend gewirkt, baut sich Agression auf, und unter diesem Titel das Verlangen nach Entladung. Also brüllt man durch das Haus „Hildegund, hol den Baseballschläger vom Dachboden, aber sofort!“ Und das Hirn kramt in Erinnerungen, liefert aus der Kindheit: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein!“

Vermutlich bauen wir die Agression nicht auf, sondern sie ist bereits vorhanden, wartet in einem Versteck, im Unterbewusstsein ganz hinten, und kommt bei Konflikten ans Tageslicht. Wer sie beherrscht, hat die Kontrolle und kann dosieren. Und wer die Kontrolle verliert, steht vor dem ersten Schlag bereits mit einem Fuss im Gefängnis. Das nur nebenbei.

Ich stelle fest, dass mir heute beim Schreiben mein Thema entglitten ist. Es hatte irgendeinen Bezug zum Zitat ganz vorne. Vermutlich wollte ich nur entgegnen, dass man Vorstellungen nicht austauschen kann wie den Akku in der Taschenlampe. Ausserdem ist es vermessen, entscheiden zu wollen, was für den Menschen von gegenüber falsch, und was für ihn richtig sein soll.

Weltsichten sind – wie das dort enthaltene Kapitel Religion – individuell geprägt, und das ist absolut richtig so. Darum stellen kluge Menschen fest, wo man übereinstimmt oder divergent ist, bevor sie sich für oder gegen Partnerschaft oder Freundschaft entscheiden.

Ist das Leben so schwierig, oder neigen wir dazu, es kaputt zu reden? Auch dazu habe ich noch einen Löffel Senf abzugeben. Ich antworte mit einer Plattitüde aus der Landwirtschaft: „Gut aufbereiteter Boden bringt reiche Ernte.“