Leben 29

Ein schlecht bezahlter Museumswärter aus Washington mit einem falschen Deutschlandbild und einem Tick für die Berliner Mauer hat mich neulich ziemlich alt aussehen lassen.

Dieser Mann, ein eingewanderter Afrikaner gönnte sich eine Reise nach Berlin. Hier hat man ihm einen Begleiter an die Seite gestellt, und dieser hat ihm die Stadt gezeigt. Ein Kamerateam hat das Wesentliche dokumentiert. Natürlich war das Ganze inszeniert, wie man das vom Fernsehn kennt. Dennoch:

Die Doku ist so gut gelungen, dass ich die Stadt mit seinen Augen sah – nicht mit meinen, und dies, obewohl ich viele Wochen in dieser Stadt gearbeitet habe.

Ich gestehe: Die Sichtweise dieses amerikanischen Museumswärters ist um Klassen besser als meine eigene. Ich sah Berlin stets emotionslos und eher negativ. Der kleine Afrikaner sah die Stadt dagegen wie ein Kind, also nicht belastet, neugierig, in positiver Grundstimmung und mit weit geöffneten Sinnen.

Wie gesagt, ich erlebte einige Stückchen Berlin mit den Augen eines anderen, und plötzlich begriff ich, wie grossartig diese Stadt ist. Sie kennenzulernen erfordert ein wenig von der Einstellung jenes Museumwärters, und etliche Wochen Zeit oder mehrere Besuche, denn die Vielfalt des Gebotenen ist einfach grandios. Berlin ist es wert, dass man es im Wortsinne e r l e b t .

Nun kann man unschwer daraus ableiten, dass das hier Gesagte für jedes Reiseziel Gültigkeit besitzt.

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