Leben 26

Man könnte sagen, dass ….. Stooop! Sei ehrlich, und steh dazu, Alter! Also nochmal von vorne: Ich könnte sagen, dass ich ein erbärmliches Leben führe. Kurz gefasst das Wesentliche. Ich bin krank, so mobil wie mein Kühlschrank in der Küche, ich schlafe schlecht, und ich ernähre mich wie einer, der nicht kochen kann oder will. Meine Sozialkontakte beschränken sich auf die Besuche meiner beiden Kinder und die Krankenschwestern vom Pflegedienst. Ich bin gekleidet wie ein Landstreicher im Sommer, und an erlesenen Kleidungsstücken kann ich immerhin eine schwarze Krawatte (schmal) vorzeigen, wie man sie für Friedhofsbesuche trägt. Sonst nichts. Die Versorgung mit Lebensmitteln habe ich sauber geregelt, meinen Vorrat an Rot- und Weissweinen halte ich konstant auf 24 Flaschen, und mein Tiefkühler fasst 360 Liter; da drinnen ist Platz zum Schlafen!

Und nun nochmal? Führe ich ein erbärmliches Leben? Sachte! Ich habe keine Geldsorgen. Mein halbes Leben bin ich beruflich wie privat in der Weltgeschichte umhergereist. Ich mag weder Flughäfen noch die Fliegerei, und ich hasse Hotelzimmer. Aber ich mag mein Zuhause!Ich kann gut allein sein. Und ich kenne keine Langeweile. Ich mag stille Stunden am Abend, wenn die Dunkelheit einsetzt, wenn alle E-Geräte still sind, und ich in meinem Wohnraum sitze, mit einem Tumbler in der Hand, drinnen eine herrlich goldene Flüssigkeit, einen doppelten Laphroig Single Malt, also einen Whisky, der nach Rauch und Seetang schmeckt, den ich dann in stiller Andacht geniesse. Warum sollte mich dabei der Tomatensossenfleck auf meinem T-Shirt stören? Geht so erbärmlich? Ich bin meist unrasiert, mein Fiffi auf dem Kopf zählt 7 Wirbel und ist deshalb nicht zu bändigen und es gibt niemand, der mich da oben krault – na und? So sehe ich aus wie ein Penner – und trage eine Armbanduhr, deren Grundüberholung mich im letzten Jahr knapp 700 Oiro gekostet hat. Aber ich besitze keine Schuhe, die an meine kaputten Füsse passen würden. Na und?

Nun habe ich mich gegen meine Überzeugung doch ein wenig geoutet. Frage mich, ob ich das so ins Netz stellen sollte.  ….. Pfeif drauf.

Ich habe diesen Text nicht geschrieben, um auf den Putz zu hauen, oder mit Lesern zu kokettieren. Nein, ich will damit auf etwas hinweisen:

Schaue genau hin, bevor Du urteilst. Mehr scheinen als sein – ist nur für Dumme. Besser umgekehrt. Mehr sein als scheinen.

Finde die Ruhe in Dir selbst. Das ist eine gute Plattform für das Leben mit anderen, für ein friedvolles Leben. Finde heraus, was Dir gut tut, und nimm es Dir ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Standards. Also iss Deine Hühnerbrühe mit Stäbchen, wenn es Dir Vergnügen bringt. Glaub mir, das geht. Sieht nur nicht gut aus.

Sei Du selbst, auch auf die Gefahr hin, dass Du Dich erst mal nicht wiedererkennst. Drossele die Tempi, wo immer das möglich ist, und sei achtsam in allem, was Du tust. Was Du dabei gewinnst, nennen wir Lebensqualität.

3 Antworten auf “Leben 26”

  1. Dein outen und am Ende der Hinweis dazu ist sehr interessant zu lesen! Vor allem auch „schau genau hin, bevor du urteilst….“ kann ich nur ganz dick unterstreichen!!!
    Denn erlebte letztes Jahr bitterböse Anfeindungen eines Bloggers, der
    sein extrem verletzendes Verhalten alleine durch seine Gedanken bestimmte.
    Ich bin immer und fast überall was ich bin und wie ich bin, ohne Über – oder Untertreibungen einfach Ich selbst, womit ich selbst auch ganz gut klar komme.
    Liebe Grüße von Hanne und bleib wie du bist, Roland!

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    1. Liebe Hanne, glaube mir: Jener Typ, der Dich angepflaumt hat, ist tatsächlich ein armes Würstchen mit einem gestörten Selbstbewusstsein. Auf Pöbelei reagiere ich nicht, und ich bin emotional nicht angefasst. Die dunkle Seite des WWW verlangt Gelassenheit, und notfalls – als Notwehrmassnahme – Arroganz. Schau: In Bodennähe fliegen uns die Brocken um die Ohren. Also mache ich mich folgerichtig auf, und gewinne Höhe. Aus der Adler-Perspektive sieht man mehr, aber nicht mehr so genau. Den Unrat schon mal garnicht. Ich nenne das arrogant über den Dingen stehen.

      Tja, mit Leben 26 bin ich nicht so zufrieden. Ich mag kein Moralisieren, kein Predigen und keine Leute, die ungefragt beraten wollen. Was ich mit meinem Schrieb getan habe! Klug und weise ist das nicht.

      Gewiss bleibe ich, wie ich bin, mit allem, was mich ausmacht, also auch mit meinen Fehlern (siehe oben). Ich war schon als Kind ein sturer Hund. Meine Eltern haben nie verstanden, dass eine Tracht Prügel nicht das Einsehen in eine Notwendigkeit fördert, sondern abhärtet. Und genau jetzt überzieht ein satanisches Grinsen mein Gesicht! Gut, dass Du das nicht sehen kannst!

      Einen lieben Gruss von Roland

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      1. Mit nur anpflaumen hab ich kein Problem und mit deiner Vermutung hast du sehr wahrscheinlich recht.
        Die dunkle Seite mancher Menschen erschreckt vor allem wenn man so etwas nie vermutet hätte und als Notwehr, allerletzte Distanz wenn es im Guten nichts nützt ist für mich Klartext reden und sofort loslassen was runterzieht um weiterhin über den Dingen zu stehen… Aber nicht arrogant, denn das liegt mir absolut nicht.
        Als Kind war auch ich nicht auf Rosen gebettet und musste mich irgendwie durchbeißen, aber dein satanisches Grinsen möchte ich auch nicht wirklich sehen, denn macht mir bissl Angst!
        Liebs Grüßle von Hanne

        Gefällt 1 Person

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