Schon wieder: Politik, Parteien

Politik ist nicht jedermanns Sache. Deshalb ist die Sachkunde bei den meisten Bürgern eher dürftig ausgeprägt. Die Masse der Unbelasteten macht es sich gemütlich, indem sie fehlendes Knowhow durch Gesichter ersetzt. Nun ist das betreffende Angebot auch  nicht gerade üppig. Mit Glück präsentiert sich ein Mensch mit Charisma und Handlungsstärke, das erleichtert die Wahl. Ohne solches Glück schaut man sich die trüben Tassen an und weicht dann dorthin aus, wo Populismus die Fassade verschönert.

Die letzten Wahlen in DE lehren uns, dass die Altparteien kontinuierlich an Boden verlieren. Alle Welt fragt nach den Gründen. Man weiss, dass es auf diese Frage viele Antworten gibt; beispielhaft sind das Fehlen charismatischer Figuren und die seuchenhaft verbreitete Handlungsschwäche zu nennen.

Diesen beiden Schwächen ist eine dritte hinzuzufügen: Die Akteure sind nicht in der Lage, ihre spärlichen Erfolge den Bürgern als solche „zu verkaufen“. Ihr Selbstverständnis verhindert, dass die Notwendigkeit eines politischen Marketings erkannt wird. Die Bürger konsumieren „Wohltaten“ wie die Tagessuppe, und wenden sich dem nächsten Defizit zu, um Frust abzureagieren.

Und da ist noch ein vierter Faktor zu beachten. Politische Szenarien ändern sich ständig, manchmal innerhalb weniger Stunden. In den wichtigen Positionen sitzen jedoch Menschen, die so agieren wie 30 Jahre zuvor. Diese erbärmlichen Figuren verteidigen ihren Erbhof bis aufs Blut und verwehren dem Nachwuchs den Zugriff. Auf diese Weise wird Fortschritt behindert.

Leider muss ich einen fünften Faktor hinzufügen. In aller Kürze: Die Bürger akzeptieren Milliarden-Ausgaben für die Beschaffung von Rüstungsgütern bei gleichzeitigem „Sparen“ in Sozialbereich, bei der Infrastruktur usw. Sie sagen, eine Regierung sei „Scheisse“, und wählen sie wieder. Das Ausmass der Dämlichkeit ist kaum zu ertragen. Warum sollte sich die alte Garde der Politiker bemühen, einen anderen, besseren Job zu machen?

Es wären weitere Defizite anzuhängen – ich erspare mir die Mühe. Man nehme zur Kenntnis, dass die fünf genannten Faktoren unser Gemeinwesen vergiften, indem sie die politischen Parteien vergiften. Die Dosierung dieser Gifte ist von Fall zu Fall unterschiedlich, aber die Gesamtmenge reicht aus, Dekadenz auszulösen. Siehe die Sozialdemokratie.

„Nehmt uns unsere unheilvollen Fortschritte, nehmt uns unsere Irrtümer und Laster, nehmt uns das Menschenwerk, und alles ist gut.“

(Jean Jacques Roussseau, 18. Jahrhundert)