Fussballspiel?

Fussballzeit. Bayern München gegen irgendwen. Der Fernseher steht in meinem Rücken, wenn ich am PC sitze. Ich habe mir angewöhnt, die Glotze als Radio zu verwenden, das mir von hinten erzählt, was in der Welt, oder auch auf dem Fussballplatz geschieht; wird’s interessant, dann drehe ich mich einfach mal um. Es gab schon Spielfilme, bei denen ich mich nicht ein einziges Mal umgedreht habe. Keine Figur hat ein Gesicht erhalten. Es gibt Werbung, die ich hundertmal gehört, aber nie im Bild wahrgenommen habe.

Wie? Schwachsinnig? Genau das ist es. Aber irgendwann kommt die Meldung des Jahres, oder der Kick des Jahrhunderts, und dann vollführe ich eine 180-Grad-Drehung mit meinem Sessel und bin voll da. Man muss Geduld haben, finde ich. Leider habe ich mich in dieser Beziehung noch nicht voll entwickelt; bis gegen 19 Uhr bleibt die Flimmerkiste ausgeschaltet; in manchen Familien schaltet man den TV ein, nachdem man das Bett verlassen hat.

In meinem Rücken nörgelt der Reporter über ein miserables Fussballspiel. Offensichtlich passiert auf dem Acker nicht viel, hört sich an wie eher nichts, und die Zusachauer pfeifen um die Wette und ihren Eintrittskarten hinterher.

Seelenlose Politik, seelenloser Fussball, seelenlose Musik, statt dessen Taktik, Klischees, Mechanisierung, Automaten, Geldverdienen – sind wir eine Gesellschaft von Zombies geworden? Tut es nicht weh, einen seelenlosen Tag gelebt, ohne gelacht oder geweint zu haben? Oder tut es weh, und wir sind gegen diesen Schmerz unempfindlich geworden und spüren nicht mehr, wie wir kaputt gehen? Schwere Kost.

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