Leben und Tod

Zwiebelchen, Zwiebelchen,
nimm es mir nicht übelchen –
aber Du stinkst!

Gefressen werden ist Dein Los,
holt man Dich aus der Erde Schoss –
und keiner hilft.

Man nimmt Dir alle Deine Kleider,
dann folgen Schnitte und so weiter –
und Du beisst zu.

Die Tränen auf dem Schneidebrett
sie sind vereint mit Küchenfett,
im Schmerz geweint.

Der Messerheld mit viel Gesinge
versucht , ob Ringeln ihm gelinge.
Auch sein Blut ist rot.

So wird es auf dem Teller bunter,
der Messerheld, er schneidet munter –
das Ende naht.

Es folgen nun recht schnelle Schnitte
just durch der Zwiebelscheiben Mitte.
Halbringe sind geboren.

Die Zwiebeln sind nun endlich tot
wie nebenan das Roggenbrot.
Es riecht nach Fisch.

Matjes-Filets, saftig und zart
sind ein Genuss besondrer Art –
mit Zwiebelchen, mit Zwiebel!

Doch irgendwann wird es chaotisch.
Das Bierchen schmeckt plötzlich nach Fisch.
Heringsschwänze zieren den Tisch.

Dies, und der Zwiebel Übel
erweicht in Wänden alle Dübel –
scheppernd fallen Bild um Bild.

Der Stern des Göttergatten sinkt.
Er sitzt am Tisch und weiss, er stinkt
nach Fisch, nach Zwiebel und nach Bier.

Natürlich weiss er noch viel mehr.
Die Matjesbrötchen liebt er sehr –
ja, ja ….. auch seine Lillyfee!

Leben 30

Neulich meldete sich WP mit der Ankündigung, ich müsse wieder einmal zahlen. Gut, sagte ich zu mir, das ist schon in Ordnung, und schaun wir mal, was wieviel und so weiter. Zugleich erinnerte mich die Mail. dass ich nun seit einem Jahr „Blogger“ bin. Das ist Grund genug für eine Jahresbilanz. Da war Blog 1 mit etwa 550 Texten, den ich in die Tonne getreten hatte wegen null Bock. Meinen Schrieb hatte ich allerdings gesichert. Dann habe ich nach einem Vierteljahr von vorne begonnen, ca. 250 Texte reaktiviert und 380 neue dazugeschrieben. 300 alte Beiträge sind im Orkus verschwunden. So liegt meine Jahresleistung bei insgesamt 930 Texten.
Das sind dann 2,54 Texte täglich. Mehr nicht. Ich bin nicht beeindruckt.

Angefasst bin ich, wenn ich bei der Durchsicht feststelle. wieviel ich von mir selbst preisgebe. Das war so nicht gedacht. Und das war von mir falsch gedacht. Die Selbstdarstellung ist unvermeidlich, und dies gilt sogar für jene Blogger, die nur Fotos schicken. Allerdings sehe ich, dass das Bild des Schreiberlings sich mit dem Volumen von Text immer deutlicher wird. Der einzige Weg aus der Falle ist dann wohl, anonym zu bleiben, sich als als „Tausendschönlein“ anzumelden. Ich bringe das nicht. Schon der Gedanke macht mir eine Gänsehaut.
Tarnen und Täuschen bringt mir nichts, da ich eh bald tot bin.

Gestern war ich einigermassen amüsiert. Es ist geschehen, was ich bisher noch nicht erlebt hatte: Null Aufrufe bei 633 Beiträgen.
Wollte ich selbstgefertigte Wollsocken verkaufen, so würde das anders aussehen. Leider bin ich bereits beim Lapptopfenstricken gescheitert. Null Aufrufe am Samstag, und (!) null Aufrufe am Sonntag. Das könnte bedeuten, dass ich tot bin und dies noch nicht bemerkt habe. Das ist aber eher unwahrscheinlich, da meine Haushaltskasse eine deutlich andere Sprache spricht. Zudem halte ich mich konsequent an meine persönliche Zielsetzung: Ich mache hier brain calisthenics – also Gehirn-Jogging. Ich kämpfe also gegen Verblödung durch Vergessung, oder so, und wenn ich irgendeinen Quark schreibe, dann leide ich noch lange nicht unter Verquarkung – so lange sich oben die Rädchen drehen lassen, ist mir auch Verquatschung lieb und wert, und Verstümmelung durch Vertippung. Und – nebenbei erwähnt – es bereitet mir stille Freude, wenn ich auf der Tastatur das „A“ finde. So genügsam wird man als betagtes Wesen!

Genug kokettiert. Und man möge mir meine sprachliche Entgleisung verzeihen. Sie ist vermutlich die Folge meiner Vergreisung.
(Es geht schon wieder los!) Dabei geht es mir heute gut! Ich hatte gerade ein Wildschwein-Gulasch auf dem Teller, und zum Nachtisch einen Schokoladenpudding, draussen ein sanfter Nieselregen, und drinnen die wohlige Wärme von 45 gut gefüllten Weinflaschen.
Ja, heute ist ein guter Tag. Ich mag ihn.

Das Spiel

„Die Welt? Ein Kind beim Spiel, die Brettsteine setzend.“

Heraklit von Ephesos 500 v. Chr.

Das Spiel ist die genussvolle Simulatiom einer an sich fremden Wirklichkeit.

Es bietet die Möglichkeit, das reale Leben für kurze Zeit zu ignorieren, also in die Welt des Spiels einzutauchen.

Schwachen Menschen begegnet das Risiko, den Weg zurück nicht mehr zu finden.

Das Spiel ist eine universelle Gefahr, die Realität nicht wahrzunehmen oder gar zu verändern.

Erwarteter Nutzen ist stets Lustgewinn per Spielgewinn.

Spieler sind Mensch und Tier.

Spiele sind Menschenwerk. Es beginnt beim Halma und endet an den Börsen dieser Welt.

Der Mensch kann selbst mit Worten und Gedanken spielen.

Spiele haben einen Gefährdungsfaktor und sind deshalb gefahrengeneigt wie das Arbeiten mit einem Messer.

Das Spiel hat eine helle, und eine dunkle Seite.

Geniesse die eine, und fürchte die andere.

Jetzt

Hast Du schon mal über das Substabtiv „Gegenwart“ nachgedacht?
In Wikipedia wird definiert:
Gegenwart ist eine Bezeichnung für ein nicht genau bestimmtes Zeitintervall
zwischen vergangener Zeit (Vergangenheit) und kommender, künftiger Zeit (Zukunft).
Als Synonyme dafür werden auch die Begriffe heute und jetzt verwendet.
Unbestimmter Zeitintervall – damit entkommt man der semantischen Falle.
Die Logik setzt dagegen eine Konstante, mag sein die Sekunde, und stellt fest:
Ist die Sekunde vorbei, so ist sie Vergangenheit, und es läuft die „Gegenwart-Sekunde“.
Die nächst folgende ist Zukunft.
Dieselbe Sichtweise gilt für Milli-,Mikro-, Femto- und Attosekunden, unvorstellbar
kleine Zeiteinheiten, die man in der Theorie weiter teilen kann bis zur Null-Existenz.
Konsequent wird Gegenwart auch mit Zeitlosigkeit definiert. Die Gegenwart ist Fiktion.
Es existieren nur Vergangenheit und Zukunft, deren Ausdehnung gleichfalls
nicht quantitativ bestimmt werden können.
Logisch, nicht wahr?

Über das Besserwissen

Wer andere Menschen überzeugen möchte, muss ihnen zeigen, dass sie die Welt nicht richtig sehen. Dabei werden falsche Vorstellungen beseitigt und richtige an ihre Stelle gesetzt.

(Zitat: Bücherwissen.blog)

Vermutlich sind wir alle dazu motiviert, unser Wissen an andere weiterzugeben, also Botschaften zu senden. Mein Blog ist dazu ein überzeugender Beweis. Ich sende, und die Leser empfangen.

Nun bin ich aber selbst Empfänger, und andere senden Botschaften. Wie reagiere ich? In der Regel fühle ich mich belästigt. Ich entdecke erneut meinen Hang zur Doppelmoral.

Nun erlebt man gelegentlich die direkte Konfrontation mit anderen Ansichten, also Auge in Auge. Zwei Gegner bauen sich auf, und beide haben das Ziel vor Augen, den anderen davon zu überzeugen, dass die eigene Sicht die richtige sei. Was nun nicht geschieht, ist professionelles Arbeiten, also so richtig mit Analyse, Diagnose, Bewertung un Entscheidung. Nein, vielmehr versucht man, seine eigenen Ansichten in mindestens 10 unterschiedlichen Bildern darzustellen, um zu überzeugen, und hat nichts zufriedenstellend gewirkt, baut sich Agression auf, und unter diesem Titel das Verlangen nach Entladung. Also brüllt man durch das Haus „Hildegund, hol den Baseballschläger vom Dachboden, aber sofort!“ Und das Hirn kramt in Erinnerungen, liefert aus der Kindheit: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein!“

Vermutlich bauen wir die Agression nicht auf, sondern sie ist bereits vorhanden, wartet in einem Versteck, im Unterbewusstsein ganz hinten, und kommt bei Konflikten ans Tageslicht. Wer sie beherrscht, hat die Kontrolle und kann dosieren. Und wer die Kontrolle verliert, steht vor dem ersten Schlag bereits mit einem Fuss im Gefängnis. Das nur nebenbei.

Ich stelle fest, dass mir heute beim Schreiben mein Thema entglitten ist. Es hatte irgendeinen Bezug zum Zitat ganz vorne. Vermutlich wollte ich nur entgegnen, dass man Vorstellungen nicht austauschen kann wie den Akku in der Taschenlampe. Ausserdem ist es vermessen, entscheiden zu wollen, was für den Menschen von gegenüber falsch, und was für ihn richtig sein soll.

Weltsichten sind – wie das dort enthaltene Kapitel Religion – individuell geprägt, und das ist absolut richtig so. Darum stellen kluge Menschen fest, wo man übereinstimmt oder divergent ist, bevor sie sich für oder gegen Partnerschaft oder Freundschaft entscheiden.

Ist das Leben so schwierig, oder neigen wir dazu, es kaputt zu reden? Auch dazu habe ich noch einen Löffel Senf abzugeben. Ich antworte mit einer Plattitüde aus der Landwirtschaft: „Gut aufbereiteter Boden bringt reiche Ernte.“

Verirrt oder verwirrt?

Vermutlich leide ich unter einem Fatigue-Syndrom. Prägende Symptome sind Trägheit, denn ich mag nicht mein Geschirr abwaschen, und Entscheidungsschwäche, da es mich hin und her beutelt, wenn ich im Netz ein Angebot finde für 2 x 200 Gramm Steaks für 188 Oiros, und ich will bestellen, komme aber nie bis zum Abschicken-Button, ohne zu wissen, warum.  Dabei juckt es, und es kitzelt mich, weil ich weiss, was ein Wagyu-Steak zu bieten hat, wenn es von einer Kobe-Henne  kommt und dry-aged ist. Dumme Sache, dass mein Sohn und ich talentierte Fleischfresser sind und unentwegt von 800 g -Porterhouse-Steaks träumen. Wenn die Kobe-Henne das hergäbe, so hätte ich für eine einzige Mahlzeit 752 Oiros an der Backe. Dazu müsste ich auf ein Bresse-Rind zurückgreifen; diese Tiere liefern , was man dann allerdings auch Bistecca fiorentina nennt, was bei Glück auch mal 1200 Gramm auf die Waage bringen kann, pro Stück natürlich. Hochgerechnet macht das dann 1122 Oiro für meinen Sohn und mich, und da sind die Kartoffeln noch nicht mitgerechnet.

Was habe ich nun gelernt? Wenn das Riesen-Porterhouse-Steak nicht von einer Henne kommt, sondern von einem Kobe-Rind, dann kostet mein Mittagessen rund 600 Oiro, und das meines Sohns noch einmal so viel. Rasch schraube ich meine Erwartung einer guten Mahlzeit zurück und denke über ein Bresse-Huhn nach, das mit den blauen Füssen und dem sagenhaften Ruf als Spitzenprodukt aus der Branche der Eierleger. So ein küchenfertiges Ungeheuer mit einem Gewicht von 2 kg kostet um 75 Oiro, und man kann 3 Mahlzeiten daraus zaubern: Hühnersuppe plus gegrillte Teile plus Hühnerfrikassée. Spitze ist, dass man die blauen Beine nicht mitessen muss. Eine Portion zum Sattessen käme auf 15 Oiro.

Und nun mein Geständnis zu diesem Sachverhalt: Ich möchte beides! Und so würde ich für 8  x gut essen rund 1300 Oiros ausgeben. Das macht dann etwa 160 Oiros pro Portion bei einem Ungleichgewicht von 2 x Rind und 6 x  Huhn. Das bedeutet 6 x billig und 2 x teuer für jedes Mal 160 Oiro. Das klingt nicht gut …..

Seltsam. Das Verlangen nach Kobe-Rind  hat sich verflüchtigt wie der Duft von Tilsiter aus dem Kühlschrank, und eine Bresse-Henne ist auch entbehrlich, weil ein strammes Bio-Maishuhn dieselbe Qualität in den Topf bringt.  Und doch: Mein letzter Urlaub, auf Sylt war’s, hat mich das Fünffache gekostet ….. ich weiss nicht …. ich weiss nicht ….. vielleicht ….. diese Kobe-Rinder werden ja jeden Abend gebadet und in den Schlaf gesungen ….. wo verdammt ist bloß der Panic switch?

Vermutlich bin ich kein Fatigue-Geplagter, sondern nur ein fauler Konsum-Idiot. Das wird’s wohl sein. Oder ich bin beides, oder alles – nur nicht auserwählt. Aber das juckt mich jetzt nicht mehr. Sollen sich andere mit meinem Problem herumschlagen – ich gehe jetzt ins Bett.

Fortschritt 2019

Dem chinesischen Auslands-Informations-Dienst CAID ist es nach langem Mühen gelungen, das Geheimnis dieser Frucht zu entschlüsseln. Aber das Zentralkomitée wird eine bittere Enttäuschung erleben, denn diese Frucht gedeiht nur an einer deutschen Eiche. Die heimische Forstwirtschaft geniesst jetzt schon das stille Vergnügen über den chinesischen Misserfolg 2020.

Davon abgesehen ist nun bekannt geworden, wie man diesen erstaunlichen Zwitter aus Tier und Pflanze herstellt. Hier ein kurzer Abriss:

Man pfropft auf den Ast einer deutschen Eiche, der nicht dicker als 30 mm sein darf, eine Banane. Der Baum akzeptiert dieses „Kuckucksei“, wenn man um seinen Stamm einen Ring aus Schweinegülle legt, der ziemlich genau 56 cm breit sein muss. Schliesslich lässt der Baum das Fruchtfleisch fallen, und so entsteht ein neuer Dünger für die Eiche. Spätestens 4 Tage nach dem Abstossen der Banane spritzt man in den Stielansatz der Bananenschale eine Mischung von Endorphinen, die man lebenden Schweinen entnommen hat. Der Stielansatz wirft nun entsetzt die Bananenschale ab, und aus dem Stiel entwickelt sich eine neue Frucht. Sobald diese auf 10 mm herangewachsen ist, spritzt man ein aus roter Paprika gewonnenes Konzentrat in die neue Frucht. Den Rest erledigt der Baum selbständig. Anzumerken bleibt, dass die Schale der Bananika (so heisst die neue Frucht in Fachkreisen) nach wie vor nicht essbar ist.

Die Banaika schmeckt wie die spanische Chorizo, jedoch mit einem Hauch Banane im Abgang. Das Kilo Frucht wird mit bis zu 1100 Oiro gehandelt und ist derzeit nur in den Sternerestaurants zu erhalten.

Es soll hier nicht unterschlagen werden, was ein reicher Bauer aus der Lüneburger Heide zu diesem Produkt anmerkte: „Schmeckt wie Gülle mit Bananen!“ Nun fragt sich die Fachwelt der Gourmets und Gourmands, woher dieser Landwirt weiss, wie seine Schweinegülle schmeckt …..

Neues aus Fernwest

Is ja gut! Jaha, ich weiss es! Posts mit politichem Inhalt sind bei WP wahrlich nicht gern gesehen. Seid beruhigt, denn was jetzt folgt, ist nicht politisch, sondern skurril, belustigend.

Wie nicht anders zu erwarten, geht es wieder einmal um den US-Präsidenten Donald Trump und seine Entourage. Verzeihung ………….
ich meine natürlich seine Heiligkeit, den selbsternannten Auserwählten.

Hat doch neulich der US-Justizminister William Pelham Barr, einer der Apostel des Auserwählten in dem Interview eines US-Tvsenders erklärt, man könne seinen Vorgesetzten, die Lichtgestalt der westlichen Hemisphäre nicht wegen Betrugs vor Gericht stellen, da dieser über dem Gesetz stehe, und das gelte auch für alle Mitarbeiter aus dem Weissen Haus.

Die Hälfte der US-Bürger hat umgehend vor Schmerz aufgestöhnt, und die andere Hälfte hat applaudiert, als Barr versuchte, die Rechtsordnung der USA zu begraben und den Auserwählten zum Diktator auszurufen. Der kann dann tatsächlich töten, ohne belangt zu werden.

Vor Jahren hatte ein Obdachloser in L.A. Kohldampf. Er nahm deshalb einem Mädchen im Kindergartenalter ein Stück Pizza weg und futterte es auf. Die Mutter rief die Polizei, die nahm den Penner fest, und ein US-Richter steckte den Hungrigen für volle 25 Jahre in einen Knast.

Tja, vive la differènce!

Nun hat der Trottel Barr aber nicht zu Ende gedacht. (Von Trump erwartet man das eh nicht). Es ist nämlich so: Wenn Trump und seine Entourage während seiner Amtszeit über dem Gesetz steht, dann ist damit Schluss, wenn er in 2020 nicht wieder gewählt wird, und man kann ihn dann wegen alle Betrügerei vor Gericht zerren, sofern keine Verjährung wirkt. Und Trump befürchtet genau dies, denn Feinde hat er nun genug. Also muss er unbedingt wiedergewählt werden, um vor dem Zugriff der Justiz geschützt zu bleiben.

Ist das nicht lustig?
Nein?
Dann vielleicht das: Kritiker meinen, Trump bringe die Demokratie in Gefahr!
Ich frage: Die was bitte? Was nicht existiert, kann auch durch den Auserwählten nicht gefährdet werden, oder?

Die Kunst zu leben

Es ist kaum zu glauben, aber es scheint, als würde der Mensch bereits unmittelbar nach seiner Geburt einem Prozess ausgesetzt, der mittels Restriktionen die Entfaltung der Kunst zu leben verhindert. Die Wirkung der Beschränkung setzt mit dem Beginn selbständigen Denkens ein und vertieft sich kontinuierlich bis zu einem Zustand der Reife.

Was soll man nun unter der Kunst zu leben verstehen? Hier ein Versuch zu definieren:

wache Sinne
Selbstvertrauen
Denken in Mikro- u n d in Makro-Ebenen
Fähigkeit zu geniessen
Toleranz
Fähigkeit zu lieben, zur Empathie
lebenslanges Lernen
Flexibilität im Denken
und anderes.

Unversehens haben wir uns dem Menschenideal genähert. Das ist fast peinlich. In der Realität leisten weder die Schulen noch die Eltern das Erforderliche zu einem guten Weg. Der erwachsene Mensch erarbeitet sich mühsam durch Erfahrung seine Ideale – oder auch nicht. Dann bleibt übrig, was wir zur Genüge kennen: Leben.

Leben 29

Ein schlecht bezahlter Museumswärter aus Washington mit einem falschen Deutschlandbild und einem Tick für die Berliner Mauer hat mich neulich ziemlich alt aussehen lassen.

Dieser Mann, ein eingewanderter Afrikaner gönnte sich eine Reise nach Berlin. Hier hat man ihm einen Begleiter an die Seite gestellt, und dieser hat ihm die Stadt gezeigt. Ein Kamerateam hat das Wesentliche dokumentiert. Natürlich war das Ganze inszeniert, wie man das vom Fernsehn kennt. Dennoch:

Die Doku ist so gut gelungen, dass ich die Stadt mit seinen Augen sah – nicht mit meinen, und dies, obewohl ich viele Wochen in dieser Stadt gearbeitet habe.

Ich gestehe: Die Sichtweise dieses amerikanischen Museumswärters ist um Klassen besser als meine eigene. Ich sah Berlin stets emotionslos und eher negativ. Der kleine Afrikaner sah die Stadt dagegen wie ein Kind, also nicht belastet, neugierig, in positiver Grundstimmung und mit weit geöffneten Sinnen.

Wie gesagt, ich erlebte einige Stückchen Berlin mit den Augen eines anderen, und plötzlich begriff ich, wie grossartig diese Stadt ist. Sie kennenzulernen erfordert ein wenig von der Einstellung jenes Museumwärters, und etliche Wochen Zeit oder mehrere Besuche, denn die Vielfalt des Gebotenen ist einfach grandios. Berlin ist es wert, dass man es im Wortsinne e r l e b t .

Nun kann man unschwer daraus ableiten, dass das hier Gesagte für jedes Reiseziel Gültigkeit besitzt.

Haiku: Süsses

Quelle: Journalistenwatch.com

Diesem Honigdachs
klebt ums Maul viel Bienenwachs.
„Süss“ ist ungesund.

Herbst

Die letzten Sommertage sind längst gelebt.
Mein Baum erinnert sich an vergangene Jahre
und versucht mit Sorgfalt,
sein Sommerkleid abzulegen.
Und der Wind beginnt mit seinem Blätterspiel.
Ich öffne Türen und Fenster.
Kühle Luft durchstreift das Haus
und flüstert „Winter, Winter!“.
Es greift tief, greift in mein Inneres
und trägt meine Gedanken fort
nach Süden, nach Süden ……….

Leben 28

„Nenne es geschmacklos, nenne es rücksichtslos, oder nenne es einfach böse – ich nenne es nützlich, gelegentlich ein Tabu zu missachten, wie jenes zum Sterben.“

Dies ist der Beginn für einen Beitrag, an dem ich gescheitert bin. Warum gescheitert? Ich wollte locker unf flockig über den Tod schwadronieren, zum Beispiel den Tod an dem Geruch eines Stücks Kuh festmachen, der aus meinem Schmortopf entsteigt, elegant überleiten zum Leichenschmaus, jener Veranstaltung für Hinterbliebene und Freunde, mit der man das eigene Überleben feiert, um schliesslich beim Erbschaftsstreit zu enden, bei dem die Kuh aus dem Spiel ist, und wo dennoch Blut fliessen kann, wenns um die Sammeltassen geht.

Beim Versuch, das zu beschreiben, habe ich unversehens die heitere Seite aus dem Blick verloren, und der Text wurde angemessen ernst.
Gott bewahre, so nicht! Wo ist nochmal die DELETE-Taste?

Ich bekenne: Ich habs nicht hingekriegt. Ist mir noch nie passiert ….

Aphorismus 18

Träume sind oft rätselhafte szenische Konstrukte aus nicht gelebten Ereignissen und Phantasien.

Aphorismus 17

Nicht das Haben und Tun macht glücklich, sondern die Wertschätzung des Denkens, des Tuns und des Besitzes.

Aphorismus 16

Vom Wahrsagen läßt sichs wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), deutscher Physiker und Meister des Aphorismus

(Zitat aus dem Handbuch der Bundesregierung für Polit-Anfänger, Kapitel 7 – Transparenz)

Leben 27

Nichts anderes braucht es zum Triumph des Bösen, als daß gute Menschen gar nichts tun.

Edmund Burke, (1729-1797)

Früher war alles besser? Dass ich nicht lache! Wenn ich dieses Zitat auseinander nehme, so bleibe ich an einem neuralgischen Punkt hängen. Es ist die Frage, warum gute Mneschen nichts tun.

Darf man einen Menschen „gut“ nennen, der nichts für die Gemeinschaft tut? Oder der Unmengen Bier trinkt, um die Arbeitsplätze einer Brauerei zu sichern? Blödsinn!

Ich korrigiere Mr. Burke. Richtig ist

Nichts anderes braucht es zum Triumph des Bösen, als dass Menschen gar nichts tun.

Nun geht’s von vorne los. Warum tun Menschen garnichts? Steckt dahinter eine krankhafte Entwicklung? Etwa der moralische Zerfall einer Gesellschaft? Ich lege mich fest mit meiner Antwort: Ja. So isses. Wenn die Toleranzgrenze überschritten ist, und man sich in seiner Wohnung nur noch elend fühlt, packt man seine Sachen und zieht aus. Man entkoppelt sich, sucht einen neuen Platz zum Weiterleben ohne Schmerz. Und wer Glück hat, findet seinen neuen Liegeplatz in sich selbst.

Von aussen betrachtet: Es sieht aus, als sei man in krassen Egoismus abgeglitten. Tatsächlich waren Verzweiflung und Notwehr die Triebfeder für einen Rückzug auf eine geschützte Position.

Um konkreter zu werden: Man steht da in seinem kurzen Hemd, und soll Kreuze auf Wahlzettel malen für jene, deren Handeln oder Nichthandeln die Ursache des Exodus ist. Und im Hinterkopf rotiert der Spruch von den dummen Kälbern, die ihren Schlachter selbst wählen. Doch nicht genug. Man erwartet von mir, dass ich unsere Demokratie achte, eine Staatsform, die alles andere als demokratisch ist, ein Marionettentheater, das den Bürgern Demokratie vorgaukelt, während das Grosskapital die Richtlinien der Politik bestimmt.

Es fehlt mir nur noch, dass ich von politisch Ungebildeten mit „Kommunist“ beleidigt werde. Ich bin seit 60 Jahren bekennender, waschechter Sozialdemokrat, dem man seine Partei gestohlen hat.
So sieht’s aus!

Nach dem Regen

Regen? Das war vorhin.
Die Sonne hat sich den Himmel zurück geholt.
Die dunkle Wolke ist weitergezogen.
Sie hinterlässt der Sonne nasse Spuren,
einen flüchtigen Mikrokosmos,
der eigenen Regeln folgt.

An einem Zweig hängen zwei Regentropfen.
Ein Sonnenstrahl umschmeichelt sie
und hat doch nichts Gutes im Sinn.
Warme Erde duftet.
In den Tropfen bricht sich das Sonnenlicht,
sie funkeln verführerisch gleich Diamanten.

Unverhofft trifft ein Besucher ein.
Ein Vogel lässt sich nieder,
und der Zweig neigt sich, zeigt nach unten.
Bewegung bestimmt nun die Szene.
Beide Tropfen rinnen die Schräge hinab
und treffen sich vereint an einer Knospe.

Zwei Regentropfen sind verschwunden.
Ein grosser Wassertropfen kämpft und verliert.
Fällt zu Boden,
und befeuchtet den Sand gierig Korn für Korn.
So haben die Regentropfen erneut ihre Gestalt verändert
sind in viele kleinste Tropfen zerfallen.

Ein Beobachter erkennt:
Man bedenke seine Schwächen.
Beim Aufstieg, dem Grösserwerden halte Mass,
denn je grösser man wird,
desto höher ist das Risiko zu fallen,
und der Sand unter den Füssen ist kein Freund.

Stilles Tal

Geheimnisse der Nacht
füllen das Tal mit Nebel,
warnen erneut die Menschen.
Irdischer Alltag ist unbarmherzig.
Irdischer Alltag ist unberechenbar.
Heute ist es der Nebel,
morgen kann es der Berg sein,
der Dich erfasst
und in eine andere Dimension entführt.
Und während sich der Nebel lichtet,
rückt der Berg den Menschen
um ein weniges näher.
Und ängstliche Gemüter werden –
so sie Bewegung spüren –
sie werden an Göttliches glauben,
da Unbewegliches sich bewegt.
Eine Höhere Macht sagt Nein!
Heute nicht.
Die Sonne mag den Nebel vertreiben,
und es soll lichter werden im Tal!
Diese Welt ist meine Welt,
und das Göttliche bin ich –
ich – der Mensch!
Und dazu lächelt Mutter Natur milde.